Konflikte im Artenschutz: Wo das Naturschutzrecht nicht weiterhilft


Ein 300 Meter langer Lastwagentunnel erscheint als neues Winterquartier für ein paar Hundert Fledermäuse in Wiesbaden als eine mehr als großzügige Immobilie. Eine andere Verwendung der aufwendig gebauten Transportröhre zwischen einem seit Jahrzehnten stillgelegten Steinbruch und einem aufgegebenen Zementwerk scheint allerdings kaum vorstellbar. Zumal der Tunnel in einem eingezäunten Gebiet liegt, das heute als ökologisches Schatzkästlein der Landeshauptstadt gilt.

Die Umgestaltung des imposanten Tunnels zeigt, dass Artenschutz nicht immer teuer sein muss. Für wenig Geld wird im „Kalkofen“ absehbar eine gute Wirkung zum Erhalt mehrerer Fledermausarten erzielt, die es immer schwerer haben, geeignete Quartiere zu finden. Wie umstritten der Artenschutz bisweilen ist, zeigt sich nicht nur dann, wenn als sinnvoll erachtete Bauprojekte durch plötzlich entdeckte Vorkommen seltener Insekten- oder Käferarten gestoppt werden.

Der Umgang mit dem Wolf ist ein weiteres Beispiel dafür, welche polarisierenden Diskussionen entstehen können und eine behutsame Abwägung notwendig machen. Ganz schwierig wird es, wenn beispielsweise geschützte Vögel wie der Kormoran die mit viel Steuergeld geförderte Wiederansiedlung geschützter Rheinfische wie des Lachses unmöglich machen. Solche Zielkonflikte beim Artenschutz sind gar nicht so selten.

Das Naturschutzrecht kennt allerdings keine Hierarchie der Arten. In ökologisch nicht intakten Lebensräumen führt auch der Hinweis nicht weiter, die Natur werde das schon regeln. Wer Rebhühnern und Fasanen in einer ausgeräumten Landschaft eine Chance aufs Überleben geben will, der wird die Jagd auf Prädatoren wie den Fuchs nicht untersagen können. Eine Kulturlandschaft ist immer das Ergebnis menschlicher Einflüsse und Steuerung.

Für die Akzeptanz in der Bevölkerung bedarf es beim Artenschutz immer auch der Prüfung der Angemessenheit von Eingriffen des Menschen. Es braucht auch einen gesunden Menschenverstand. Denn jeder dieser Eingriffe kann im Naturhaushalt unerwünschte Kettenreaktionen auslösen, zumal viele der komplexen Wechselwirkungen in der Natur bis heute nicht ausreichend erforscht sind, um verantwortungsbewusst und in Kenntnis aller Folgen steuernd einzugreifen. Nicht immer ist der Ausweg aus dem Dilemma so einfach, einen Tunnel bereitzustellen, wenn modern gedämmte und isolierte Häuser Fledermäusen nicht mehr genügend Quartiere bieten.