
Der selbst ernannte „Kriegsminister“ Pete Hegseth verglich die Lage Irans in einer seiner Pressekonferenzen jüngst mit einem Footballspiel. Die iranische „Mannschaft“ habe die ersten Spielzüge im Voraus festgelegt, wisse während des Spiels nun aber nicht zu reagieren. Donald Trump hat seinen Verteidigungsminister damit beauftragt, der Öffentlichkeit den auch unter eingefleischten Anhängern unbeliebten Krieg im Nahen Osten schmackhaft zu machen. Hegseth, der als Nationalgardist in Afghanistan und im Irak gedient hat, setzt dafür auf Motivationsreden, die auch aus Umkleidekabinen stammen könnten.
Dass er sich so häufig vor der Presse äußert, ist ungewöhnlich. Hegseth hatte die ersten Monate im Amt damit verbracht, das für das Pentagon zugelassene Pressekorps auszutauschen. Nachdem eine Mehrheit der bisherigen Medien – unter ihnen auch Fox News – sich geweigert hatte, einen Regelkatalog zu unterschreiben, wonach nur bestätigte Informationen veröffentlicht werden dürfen, sitzen nun vornehmlich rechtsgerichtete Nischenmedien im Presseraum. Im Pentagon war damals von einem „Neuanfang“ die Rede. Doch im Falle Irans muss Hegseth seine Botschaft breiter streuen.
„Wir bringen die anderen in Gefahr“
Der Minister, der nur um Haaresbreite im Senat bestätigt wurde und der bislang vor allem mit Kulturkampfthemen auffiel, hält sich an martialisch-positive Botschaften über Amerikas Stärke. Iran sei „erledigt, und sie wissen das“, sagte Hegseth zum Beispiel. Das sei kein fairer Kampf: Man trete die Gegner, während sie am Boden lägen, „genau so soll es sein“. Amerika sei für diesen Kampf gemacht, „und wir sind hier, um zu siegen“. Das eigene Vorgehen sei „Weltklasse“, man gewinne „entschlossen, vernichtend und ohne Gnade“.
Immer wieder droht Hegseth Iran. Es gebe den ganzen Tag lang „Tod und Verderben aus dem Himmel“. Niemand bringe die Vereinigten Staaten in Gefahr. „Wir bringen die anderen in Gefahr.“ Abgesehen von ihrer Dramatik ist das auch insofern eine fragwürdige Aussage, weil Präsident Trump den Angriff auf Iran unter anderem mit einer unmittelbaren Bedrohung begründet hatte.
Geht es um operative Details, übergibt Hegseth das Wort in der Regel an Generalstabschef Dan Caine. Er belässt es bei Bemerkungen wie der, die iranische Luftwaffe „ist nicht mehr“, und die Marine ruhe „auf dem Grund des Persischen Golfs“. An anderer Stelle warf der Minister Journalisten, die über die sechs bislang gefallenen Amerikaner berichtet hatten, vor, sie wollten „den Präsidenten schlecht dastehen lassen“. Caine wiederum verlas die Namen der Soldaten mit „tiefer Trauer und Dankbarkeit“.
Hegseth muss den Amerikanern den Krieg verkaufen
Weil Hegseth auf Fotos des Weißen Hauses aus der Nacht des Angriffs nicht zu sehen war, gab es Gemunkel darüber, ob der Präsident seinen viel kritisierten Verteidigungsminister in der Sache kaltstelle. Doch er verfolgte die Operation mit Trump und Caine in Mar-a-Lago und soll maßgeblich an der Planung beteiligt gewesen sein.
Neben seiner Aufgabe, die richtigen politischen Botschaften zu streuen, fungiert Hegseth offenbar auch als Bindeglied zwischen Trump und den zivilen und militärischen Führern im Pentagon. Als die Amerikaner ihre Streitkräftepräsenz im Nahen Osten ausbauten, war es Hegseth, der laut ranghohen Beamten des Verteidigungsministeriums regelmäßig an Treffen mit Trump, Außenminister Marco Rubio und manchmal Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu teilnahm. Seinen Erfolg messen dürfte Trump am Ende jedoch daran, ob er den Krieg einer Mehrheit der Amerikaner erfolgreich verkaufen kann.
Das Weiße Haus selbst setzt im Krieg mit Iran auf provokative Beiträge in den sozialen Medien. Ein Video vom vergangenen Freitag ist mit „Touchdown“ betitelt und mischt Szenen eines Footballspiels mit Kriegsaufnahmen. Immer wenn zwei Spieler zusammenstoßen, wird die Aufnahme einer Explosion mit Fadenkreuz gezeigt. Im Hintergrund läuft ein Lied mit dem Titel „War“. In einem anderen Video ist die Bombardierung eines Ziels mit dem gelben Zeichentrickschwamm Spongebob zusammengeschnitten, der sagt: „Willst du sehen, wie ich es noch mal mache?“. Dazu heißt es, man werde „nicht aufhören, bis die Ziele erreicht sind. Unerbittlich und schonungslos“.
Besonders heftige Kritik rief ein Video des Weißen Hauses aus der vergangenen Woche hervor, in dem Kriegsszenen mit Aufnahmen aus dem Kriegs-Videospiel „Call of Duty“ gegengeschnitten werden. Veteranenverbände und mehrere Demokraten bezeichneten das Video als geschmacklos und unangemessen. Aus dem Weißen Haus hieß es zu der Kritik an den Beiträgen allerdings, die Mainstream-Medien wollten, dass man sich dafür entschuldige, den unglaublichen Erfolg des amerikanischen Militärs hervorzuheben. Das werde man jedoch nicht tun – und genauso weitermachen.
