Zum Tod von des Sängers Country Joe McDonald

Auf seiner Webseite steht noch immer, er lebe in Berkeley, Kalifornien, Planet Erde. Wer weiß, wo er die Leser vermutet hat, und wer weiß, auf welchem Planeten unsere Internetseiten einst ausgewertet werden? Joseph McDonald, besser bekannt durch seinen Bühnennamen Country Joe, hat Musik für irre Trips gemacht, schon Jahre bevor das space age rockmusikalisch so richtig losging mit David Bowies Major Tom und Pink Floyds Reise zur dunklen Seite des Mondes.

Auf dem Album „Electric Music For The Mind and Body“ von 1967, einem Klassiker des psychedelischen Pop, das er mit seiner damaligen Band The Fish aufgenommen hat, ging die Reise bei Songs wie „Grace“ romantisch nach innen. Die Gitarrenkunst von Barry Melton trug dazu Besonderes bei, und ein wegweisender Auftritt beim Monterey Pop Festival in jenem Jahr ließ die Gruppe neben anderen Psycho-Fliegern wie Jefferson Airplane oder den Grateful Dead mit abheben.

Der Protestsong einer Generation

Noch legendärer aber wurde der Auftritt beim Woodstock-Festival, wo Country Joe Hunderttausende anleitete zum sogenannten „Fuck-Cheer“ („Give me an F!“), um dann zu dem Lied überzugehen, das heute ein Inbegriff des Protests gegen den amerikanischen Krieg in Vietnam ist. Den „I-Feel-Like-I’m-Fixin’-to-Die-Rag“ hatte der Sänger angeblich in einer Stunde geschrieben, aber er wurde der Protestsong einer Generation, der von bitterem Sarkasmus geprägt war („Be the first one on you block / To have your son come home in a box“).

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Country Joe war als Sänger und Gitarrist inspiriert vom Folk Revival, und das schlug sich in seinen teils ulkigen Texten nieder. Die Zusammenarbeit mit The Fish ist aber nur ein Teil einer Musikkariere, die über Jahrzehnte fortdauern und fast vierzig Alben hervorbringen sollte, auch wenn sein Ruhm bald wieder abnahm und er, wie so manche Folksänger und Hippiemusiker, schließlich in Vergessenheit geriet.

Ein Pionier des musikalischen Aktivismus

Manche bedauern, dass Country Joe nie die Anerkennung zuteil wurde, die er als „einer der originellsten und produktivsten Troubadoure der amerikanischen Musik“ (Rip Rense) verdient hätte: über die schon erwähnten Meriten hinaus auch, weil er ein Pionier des musikalischen Aktivismus gewesen sei. Country Joe betonte aber oft, dass er selbst Kriegsveteran sei und daher wisse, worüber und wogegen er singe – nicht aus Verachtung der Soldaten, sondern aus Respekt vor ihnen.

Einem Musikmagazin teilte er einst mit, er sei mit siebzehn zur Navy gegangen, um die Welt zu sehen und Sex zu haben. Bei einem Gespräch, das wir mit ihm per Zoom während der Pandemie 2021 führten, sagte er der F.A.Z.: „Das  Thema der Veteranen wurde in meinem Leben zunehmend bedeutender und zur Obsession. Ich habe zum Beispiel auch ein ganzes Album über den Ersten Weltkrieg gemacht.“

Joseph nannten den 1942 in Washington, D.C., Geborenen seine Eltern, die beide Kommunisten waren – nach Josef Stalin. Er entschied sich aber, lieber Beatnik in San Francisco zu werden, bevor er dann seine ganz eigene Ausdrucksformen zwischen Blues, Folk, Rock und Pop fand. Zumindest in der Bay Area war er lebenslang bekannt und trat bis zum 75. Lebensjahr noch auf, bis ihm dies, auch aufgrund einer Parkinsonerkrankung, zu viel wurde. Nun ist Joseph „Country Joe“ McDonald im Alter von 84 Jahren in Berkeley gestorben.