Mark Zuckerberg bei Prada
Unerhört! Meta-Chef Mark Zuckerberg in der ersten Reihe bei der Schau von Prada! Die Kommentatoren auf Instagram, die in Kurzvideos Analyse mit Empörung verknüpfen, haben ihr Thema: Da sinniert die Designerin Miuccia Prada einerseits intellektuell über ihre Mode, lädt dann aber einen Tech-Milliardär wie Zuckerberg ein, der offenbar einen Deal mit dem Hersteller ihrer Sonnenbrillen einfädelt und daher gerade in Mailand weilt. Sicher: Prada prangerte auch in früheren Kollektionen den Algorithmus an, der unser Bild von Schönheit bestimmt, stattet aber Influencerinnen und K-Pop-Stars aus, Stilvorbilder für den denkbar unpersönlichsten Stil. Doppelmoral ist ihr nicht fremd. Den Kommentatoren allerdings auch nicht. Sie platzieren ihre Empörung eben nicht auf Papier, das sie eigens unter die Leute bringen, sondern dort, wo sie die größte Aufmerksamkeit bekommen. Bei Meta.
Amerikaner in Paris

Auch wenn Amerika eine Supermacht ist, in der Mode hat immer noch Europa die Nase vorn. Weil alle sparen müssen und keiner weiß, ob ihm die Einreise gelingt, fliegen immer weniger Europäer zur New York Fashion Week. Also sind jetzt auch Amerikaner in Paris. Große Marken wie Calvin Klein und Polo Ralph Lauren präsentieren in dieser Woche ihre Kollektionen nach New York noch einmal bei der Pariser Modewoche, um auf dem Markt nicht abgehängt zu werden. Und dass sie Mode können, beweist etwa Veronica Leoni, die seit 2024 Kreativdirektorin von Calvin Klein ist und der modischen Seite der Marke neues Leben eingehaucht hat, ohne den sportlichen Teil aus dem Auge zu verlieren. Die Italienerin wartet mit ausgeklügelter Schnitttechnik auf – ein Stück Europa in New York und jetzt auch in Paris.
Blumen – für den Herbst

Ist es verwirrend, dass ausgerechnet in der Mode für den nächsten Winter alles frühlingshaft blüht? Allen voran Jonathan Anderson für Dior dekliniert Blumenmotive auf viele verschiedene Arten durch. Die künstlichen Seerosen, die während seiner Show über das Wasser schweben, finden sich in der Kollektion als XXL-Broschen wieder, Rosenknospen zieren spitze Pumps. Mit Tulpenröcken erinnert er an den Firmengründer Christian Dior, der als Kind viel Zeit im Garten seiner Mutter verbrachte, die Kataloge von Saatgutunternehmen studierte und die Namen der Blumen auswendig lernte, die ihn später zu zahlreichen Kollektionen inspirierten. Ein flämischer Stich mit dem Titel „Blumen und Insekten“ von 1680 ist für Julian Klausner, Kreativdirektor von Dries Van Noten, die Vorlage für seine gemusterten Jacquard-Jacken und die digital verfremdeten Rosenprints auf Seidenröcken. Auch die gute alte Pusteblume rückt ins Blickfeld. Designerin Chemena Kamali lässt sie für Chloé in eine Glaskugel gießen, die der Einladung zur Show mitgeschickt wurde. Blumen verbreiten auf den Laufstegen in diesen Tagen Optimismus. Das kann man gebrauchen. Auch und gerade wenn der Winter wieder kommt.
Dekoration für Männer

Der Barock, die Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts, ist nicht gerade ein naheliegendes Comeback-Thema, wie vielleicht die Siebzigerjahre oder die Nullerjahre. Aber mit Blick auf die Männermode, die viele Marken, unter anderem aus Spargründen, in diesen Tagen zu den Damenschauen gleich mitpräsentierten, ist die Opulenz Trend. Die Männermode kommt auf den Laufstegen so dekoriert daher wie wahrscheinlich seit der Französischen Revolution nicht mehr, als jede Art von Prunk und Protz unter Verdacht geriet. Emanzipiert sich der Mann nun von diesem Stigma der Dekoration und orientiert sich wieder am Stil von Louis XIV. und Karl II. von England? Überall blitzt und glänzt es jedenfalls: Bei Marni tragen die Männer Klimperketten um den Hals, bei Emporio Armani sitzen auf dem Mantel Glaskristallsteine, selbst bei Boss – der Markenname entstammt kaum dem im 21. Jahrhundert aufgekommenen Begriff „girlboss“ – ist die dekorative Brosche dasmust-have. Auch in Mailand auf der Straße kommen die Männer schon ein bisschen geschmückter daher.
Wo die Diven sind

Vor dem Eingang des Carrousel du Louvre haben sich die Schiaparelli-Fans in Stellung gebracht. Sie tragen Abendkleider, übergroße Hüte und Pumps, für die sie eigentlich eine Unfallversicherung bräuchten. Drinnen auf dem Laufsteg wird das Publikum nicht enttäuscht: Wo sonst gibt es noch Mode für Diven? Wo sonst wird das Drama noch so uneingeschränkt zelebriert wie bei Kreativdirektor Daniel Roseberry? Mit skulpturalen Kleidern, plissierten Röcken, Federn und Pailletten und mit sehr viel Gold in Form von Ohrringen und Schuhabsätzen läuft der Texaner zur Hochform auf. Es ist die sanfte Version seiner Couture-Kollektion. Er selbst spricht von der „Red Carpet“-Magie, mit der zuletzt Demi Moore im schwarzen Bustierkleid bei den Critics’ Choice Awards in Los Angeles für Furore sorgte. An diesem Nachmittag sind es die Schiaparelli-Fans, die den Place du Carrousel zum roten Teppich machen.
Mehr Chefdesignerinnen

Ist das jetzt die Saison der Frauen? Der Chefdesignerinnen? Jahrelang hatten vor allem Männer Saison. Wenn ein Chefdesignerposten zu vergeben war, ging er meistens an einen Mann, Frauen wurden ziemlich offensichtlich übergangen. Bei den jüngsten Debüts ist es anders: Nun zeigt in Mailand Maria Grazia Chiuri zum ersten Mal bei Fendi, und Silvana Armani ist nach dem Tod ihres Onkels allein verantwortlich für Giorgio Armani. Und da ist die Belgierin Meryll Rogge, die Neue bei Marni, die das Haus an seine Ursprünge in den Neunzigerjahren zurückführt. Gegründet wurde die Marke damals – von einer Frau.
