Der Bundestrainer kritisiert seine Spieler via Zeitungsinterview. Unser Kolumnist denkt an Ingeborg Bachmanns berühmteste Rede. Aber ist der Mut zur Wahrheit auch klug?
In unserer Kolumne „Grünfläche“ schreiben
abwechselnd Oliver Fritsch, Christof Siemes, Stephan Reich und Christian
Spiller über die Fußballwelt und die Welt des Fußballs. Dieser Artikel ist Teil
von ZEIT am Wochenende, Ausgabe 10/2026.
Nie hätte ich vermutet, dass Julian Nagelsmann ein
heimlicher Leser von Ingeborg Bachmann sein könnte. „Die Wahrheit ist dem
Menschen zumutbar“, hat die österreichische Dichterin in
ihrer berühmtesten Rede 1959 gesagt. Und nun, gut drei Monate vor dem
Beginn der Fußball-WM und drei Wochen vor den letzten wegweisenden Testspielen,
folgt der Bundestrainer ihrem Diktum und hat befunden, dass die Wahrheit über
den Zustand der Nationalelf den Menschen zumutbar sei. Und zwar nicht nur den
Fußballinteressierten im Land (also mindestens der Hälfte der Bevölkerung),
sondern vor allem auch den Spielern selbst.
