Bundesliga aktuell: HSV schlägt Wolfsburg, Stuttgart verpasst den Sieg in Mainz – Sport

Bekommt Wolfsburg den dritten Trainer dieser Saison?

Jean-Luc Dompé hatte es geschafft, im dicken Buch namens „Fußballer und Alkohol“ ein gänzlich neues Kapitel zu schreiben. Als er an einem frühen Sonntagmorgen im Januar in Hamburg über eine rote Ampel fuhr, stoppten ihn Polizeibeamte, ließen ihn pusten und stellten 1,4 Promille fest. Das haben in der Kombination auch schon andere Fußballer geschafft, allerdings nahm Dompé nach dem Verlassen der Polizeistation einen E-Roller … und wurde direkt wieder angehalten. Das hatte nicht mal Mario Basler vollbracht, vielleicht auch nur, weil der E-Roller zu dessen Zeit noch nicht erfunden war.

Am Samstag in Wolfsburg lief jedenfalls die 58. Minute, als Dompé – der erstmals seit seiner doppelten Sufffahrt mit anschließender Suspendierung wieder in der Startelf stand – Luka Vuskovic davon überzeugte, diesen Elfmeter nicht zu schießen. Vuskovic war bis dahin, wie so oft, der HSV-Spieler des Tages. Nicht nur hatte er bereits den ersten HSV-Elfer des Tages rausgeholt, er hatte diesen auch versenkt. Allerdings hatte er dabei nicht den sichersten Eindruck gemacht, Dompé intervenierte erfolgreich, schultere relativ viel Erwartungsdruck – und traf zum 2:1 Endstand.

Der Sieg des HSV mit der Dompé-Anekdote stürzt den VfL Wolfsburg noch tiefer in die eh schon tiefe Krise. Der Werksklub war selbst durch einen Elfmeter in Führung gegangen, Christian Eriksen traf in der 22. Minute. Am Ende aber stehen die nächste Niederlage, der direkte Abstiegsrang und die nächste Trainerdiskussion um Daniel Bauer. Gut möglich, dass nach Paul Simonis und Bauer bald der dritte Coach sich an dieser offensichtlich schief zusammengestellten Wolfsburger Mannschaft versuchen darf oder muss. Nach dem Spiel kam es zu einer Rudelbildung, die Nerven am Mittellandkanal sind mehr als angespannt.

Ist das schwäbische Märchen vorbei?

Eine Niederlage beim Champions-League-Anwärter Leipzig darf dafür kein Indiz sein, denn die Schwaben boten erneut eine richtig gute Leistung. Was Manuel Baum mit den Augsburger Profis angestellt hat, wird er sich wohl selbst nicht so recht erklären können. Alles etwas einfacher gestalten, so erklärte der Interimstrainer sinngemäß, schlichtere Anforderungen, klarere Aufgabenverteilung: Und schon lässt sich sein Personal nicht einmal durch einen vergebenen Elfmeter aus dem Konzept bringen. Kapitän Keven Schlotterbeck testete so die mentale Verfassung seiner Kollegen, seinen Linksschuss lenkte Leipzigs Torhüter Maarten Vandevoordt um den linken Pfosten. Was wenig Schaden im schwäbischen Selbstverständnis anrichten konnte, Robin Fellhauer traf kurz vor der Halbzeit zur verdienten Führung.

Ein Rückstand, den die ambitionierten Sachsen natürlich nicht hinnehmen konnten. Vor allem der pfeilschnelle Yan Diomande ließ nicht nur Schlotterbeck hüftsteif aussehen, als er zum Ausgleich traf. Neben mehreren Großchancen der Leipziger Gastgeber hatten auch die Schwaben viel Lust an dieser Partie und mehrere vielversprechende Möglichkeiten, die beste von Rodrigo Ribeiro landete nach einem Konter am Pfosten. So traf Augsburgs Arthur Chaves per Eigentor zum letztlich verdienten 2:1 in der Nachspielzeit.

Waren die Schwaben unter dem charismatischen und als Heilsbringer begrüßten Sandro Wagner ein steter Abstiegskandidat, dürfen sie unter dem seriösen und analytischen Nachfolger sogar wieder vom traditionell angestrebten internationalen Geschäft träumen. Das Märchen ist trotz dieser Niederlage nicht auserzählt.

Trifft Deniz Undav erneut?

Was soll man sagen: Ja. Tut er. Ein klassischer Fall von: Worten Tore folgen lassen. Der Stürmer – die exakte Positionsbenennung ist hier wichtig – hatte sich nämlich unter der Woche offensiv-genervt in der Bild-Zeitung zu Wort gemeldet. „Dafür, dass ich für viele kein Stürmer bin, habe ich die beste Quote …“, sagte er. Unklar ist, auf welche Kritiker Undav direkt reagierte. Auf Julian Nagelsmann? Der Bundestrainer hatte via kicker ebenfalls recht offensiv seinen eigenen Sturm als „Baustelle“ bezeichnet und Undav nicht als Lösung benannt. Der Stuttgarter verneinte aber, das Interview gelesen zu haben, erzählte dafür allerdings, dass Nagelsmann seit der Winterpause nicht mit ihm gesprochen habe. Was er allerdings auch nicht müsse.

Undav ist jedenfalls mit seiner öffentlichen Wahrnehmung als echter Zehner/falscher Neuner unzufrieden, als zweitbester Bundesligaschütze hinter Harry Kane hat er gute Argumente auf seiner Seite. Gegen Mainz lief er erneut (in welcher Position auch immer) neben Ermedin Demirovic auf. Beide hatten ihre Rolle zu spielen.

Stuttgart kontrollierte zunächst die Partie. Undav betätigte sich erst als Vorbereiter (Maximilian Mittelstädt verpasste), dann mit dem eigenen Versuch, ein Tor zu erzielen. Er kam aber an Jamie Lewelings scharfe Hereingabe nicht heran. Ab Mitte der ersten Halbzeit wurde das durch Trainer Urs Fischer revitalisierte Mainz stärker, Jae-Sung Lee köpfte die nicht unverdiente Führung zur Pause. Danach schlug die Stunde von Undav. Erst bereitete er in einer Melange aus verunglückter Annahme und Ablage den Ausgleich von Demirovic vor, dann traf nach einem Steilpass von Tiago Tomas selbst zum 2:1. Nur Danny da Costa verhinderte den perfekten Undav-Nachmittag: Er köpfte in der Nachspielzeit noch das 2:2.

15 Saisontore und dazu das entsprechende Selbstbewusstsein: Deniz Undav.
15 Saisontore und dazu das entsprechende Selbstbewusstsein: Deniz Undav. Gerhard Schultheiß/Imago/Jan Huebner

Ist Heidenheim noch zu retten?

Das wird von Spieltag zu Spieltag unwahrscheinlicher. Selbst Berufsoptimist Frank Schmidt hatte nach der Niederlage im Kellerduell in Bremen zugegeben, dass seine Fußballer mit derartigen Leistungen nichts in der Beletage zu suchen haben. Nun bekam der Trainer des 1. FC Heidenheim vom Hoffenheimer Alexander Prass zwei weitere Argumente geliefert, dass er mit seiner Expertise wohl richtig liegt. Zur Pause jedenfalls lagen die Gastgeber nach den beiden Treffern des Kraichgauer Mittelfeldspielers 0:2 in Rückstand, was trotz einer überschaubar inspirierten Vorstellung der favorisierten Gäste in Ordnung ging.

Das 3:0 kurz nach der Pause, Fisnik Asllani durfte einen Abpraller völlig ungestört versenken, schien die Entscheidung gebracht zu haben. Aber so wollten sich die Heidenheimer dann doch nicht – zumindest an diesem Tag – von ihrem Publikum verabschieden. Erst verkürzte Luca Kerber, dann traf Christian Joe Conteh, das Tor aber wurde wegen Abseits zurückgenommen. Der eingewechselte Tim Lemperle machte per Konter zum 4:1 alles klar, immerhin verkürzten die tapferen Heidenheimer durch Kerbers zweiten Treffer auf ein etwas ansehnlicheres Ergebnis.

27 Punkte sind noch zu vergeben, das würde bei acht Zählern Rückstand auf den Relegationsplatz dicke reichen, zwar stimmte der Kampfgeist des Tabellenletzten, doch angesichts des Gezeigten fehlt nicht nur dem Trainer des FCH die Fantasie, wie das noch zu bewerkstelligen sein könnte. Zwei Wunder hatte Frank Schmidt vor der neuerlichen Heimniederlage als notwendig erachtet, jetzt dürften mindestens drei Wunder vonnöten sein.

Kommt Leverkusen noch zur Champions-League-Zulassung?

Vincenzo Grifo eröffnete das fröhliche Toreschießen im Breisgau.
Vincenzo Grifo eröffnete das fröhliche Toreschießen im Breisgau. Heiko Blatterspiel/Jan Huebner/Imago

Dafür wäre ein Sieg im Breisgau dienlich gewesen. Zwar hatten die gastgebenden Freiburger zehn Punkte weniger als die Gäste auf dem Konto, lagen indes als Achter nur zwei Ränge hinter der Werkself. Auf dem Spielfeld im Europa-Park-Stadion stellte sich der Abstand eher tabellarisch klein dar, denn die Gastgeber gingen nach einem sehenswerten Angriff über das gesamte Spielfeld durch den unvermeidlichen Vincenzo Grifo in Führung. Fortan schienen sich die Kontrahenten auf einen unterhaltsamen Schlagabtausch geeinigt zu haben: Den Konter von Christian Kofane zum 1:1 gerade mal drei Minuten später konterte Freiburgs Yuito Suzuki wiederum nur sechs Zeigerumdrehungen weiter. Und um das herrliche Schauspiel für die 34 100 Zuschauer in der ersten Halbzeit zu vollenden, fehlte nur noch ein Freistoßtor von Leverkusens Scharfschützen Alejandro Grimaldo, der sich nicht lange bitten ließ und den 2:2-Halbzeitstand sehenswert in die Freiburger Maschen schlenzte.

Und so ging es weiter: Martin Terrier vollendete einen feinen Konter zur neuerlichen Führung, doch die Gastgeber hatten keine Lust, ihre Chance auf das internationale Geschäft aufzugeben. Der eingewechselte Matthias Ginter stellte mit einem wuchtigen Flugkopfball den verdienten 3:3-Endstand her – in einer Partie, die keiner der beiden Mannschaften eine nennenswerte Annäherung an das Saisonziel brachte: Freiburg bleibt zehn Punkte vom internationalen Geschäft entfernt, Leverkusen drei Zähler hinter einem Platz mit Champions-League-Zulassung.