Immer mehr Gewalt und Drohungen: Bahnmitarbeiter fühlen sich unsicher

Immer mehr Gewalt und DrohungenBahnmitarbeiter fühlen sich unsicher

07.03.2026, 03:35 Uhr

Symbolbild-Zugpersonal-am-Bahnsteig-des-ICE-im-Hauptbahnhof-Muenchen-18-11-2025-Ein-Zugbegleiter-und-eine-Zugbegleiterin-gehen-auf-dem-Bahnsteig-des-Hauptbahnhofs-Muenchen-Bayern-vom-abgestellten-ICE-weg
85 Prozent der Mitarbeitenden im Kundenkontakt berichten von Beschimpfungen. (Foto: picture alliance / DZBA)

Im Februar stirbt ein Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz nach einem Angriff. Körperliche Übergriffe oder Beschimpfungen sind für Mitarbeiter in Bus und Bahn trauriger Alltag, zeigt eine EVG-Umfrage. Die Gewerkschaft warnt vor einer Kündigungswelle – und vor Zugausfällen.

Der Deutschen Bahn droht angesichts zunehmender Gewalt in Zügen und Bussen laut einer Befragung eine massive Personalflucht. Fast jeder dritte Bahnmitarbeiter denkt über eine Kündigung nach, wie eine Umfrage der Eisenbahn-Gewerkschaft EVG unter ihren Mitgliedern ergab, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Als Grund nannte ein Drittel der Befragten den Anstieg von Unsicherheit und Gewalt.

Zwei Drittel der Befragten fühlen sich bei der Arbeit zunehmend unsicher, jeder Zweite berichtet von körperlichen Übergriffen. Bei Personal im Kundenkontakt erleben sogar 85 Prozent Beschimpfungen, Beleidigungen oder Bedrohungen.

„Die ausufernde Gewalt bringt das ganze System ins Wanken“, mahnte der stellvertretende EVG-Vorsitzende Kristian Loroch mit Blick auf die hohe Anzahl derer, die den Beruf gegebenenfalls verlassen wollen. Einen so massiven Personalverlust könne kein Unternehmen kompensieren. Bahnunternehmen und Politik müssten das Problem endlich in den Griff bekommen. „Sonst könnten bald massenhaft Züge und Busse wegen Personalmangels stehenbleiben“, betonte Loroch.

Die Ergebnisse der Befragung belegen einen langjährigen Trend, der im Februar mit dem brutalen Angriff auf den Schaffner Serkan C. gipfelte. Der 36-Jährige war von einem Schwarzfahrer tödlich angegriffen worden und erlag später seinen Verletzungen. Die Deutsche Bahn hatte daraufhin einen Sicherheitsgipfel einberufen. Künftig soll das Personal unter anderem mit Bodycams besser geschützt werden. Die Gewerkschaft hatte weitergehende Schritte gefordert, beispielsweise mehr Personal.

61 Prozent der von der EVG Befragten fordern die Anwesenheit der Bundespolizei bei „risikoreichen Fahrten“. Unter den Busfahrern, die ebenfalls von der Eisenbahn-Gewerkschaft vertreten werden, ist der Ruf nach mehr Sicherheit besonders stark: Neun von zehn der Befragten wünschen sich Notrufoptionen, mehr geschützte Bereiche und eine Videoüberwachung.

Quelle: ntv.de, bho/AFP