

Wie heißt es doch so schön und zutreffend: Die Tabelle lügt nicht. Sie lügt nicht als Abbild von Trends, von Gesamtleistungen und natürlich vor allem dann nicht, wenn final abgerechnet wird. Für den TSV 1860 stecken gerade einige erfreuliche Wahrheiten in dieser Rangliste, die nicht zuletzt mit dem Namen Markus Kauczinski in Verbindung stehen, aber auch Ungewissheiten, aus denen spätestens bis zum 16. Mai weitere unumstößliche Drittliga-Wahrheiten entstehen werden.
Zunächst bleibt festzuhalten, dass die Löwen mit ihrem vierten Sieg in Folge auf drei Punkte (45 zu 48) an den Aufstiegs-Relegationsplatz herangerutscht sind. Das lag auch am 0:0 des FC Ingolstadt am Mittwochabend gegen den MSV Duisburg, der diesen Rang derzeit besetzt. Ein bisschen Schützenhilfe von den an sich nicht so geliebten Schanzern, das nimmt der geneigte TSV-Anhänger doch gerne mit. Die beiden aktuellen Top-Teams der Liga (VfL Osnabrück und Energie Cottbus) liegen mit je 52 noch einmal sieben Zähler weiter voraus.
„Ich habe nichts gegen Ambitionen, Visionen und Träume, aber …“
Das 2:1 gegen die abstiegsgefährdeten Auer hat auf Giesings Höhen die Träume von der Zweiten Liga weiter befeuert. Sehr wahrscheinlich wird es zwar auch noch eine ganze Reihe an blauen Skeptikern geben, die erst daran glauben, wenn die Tabelle am Saisonende nicht gelogen hat und vorher stets mit einer späten apokalyptischen Abwärtsspirale rechnen. Aber aktuell besteht eben die Möglichkeit und unter Kauczinski haben die Löwen gelernt, wie man in der Dritten Liga punktet.
Und das ist auch, worauf sich der gebürtige Gelsenkirchner mit den Malocher-Genen beschränken will: auf die früchtetragende Arbeit auf dem Platz. „Ich habe nichts gegen Ambitionen, Visionen und Träume“, sagt der 56-Jährige, „aber entscheidend ist, was man daraus macht. Es muss in Leistung münden, wir müssen überproportional gut sein.“ Wie das so ist, wenn man das Feld von hinten aufzurollen hat.
Nun muss man es mit Visionen ja nicht gleich so pathologisch halten wie einst der legendäre SPD-Politiker und Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt, der im Falle von Visionen zu einem Arztbesuch riet. Aber in der Realität verhaftet zu sein, ist in einem unter zuweilen heftigen emotionalen Gezeiten leidenden Klub wie Sechzig nicht das schlechteste Rezept. „Es reicht ja nicht, sich hinzusetzen, an die Wand zu gucken und zu sagen: ‚Boah, das wär‘ geil!'“, verdeutlicht der Coach.
Kauczinski holte mit 1860 satte 33 Zähler aus 17 Partien
Mit Kauczinski hat sich allerdings die Wahrscheinlichkeit für dieses „Boah, das war‘ geil!“ ziemlich erhöht. Die Löwen stehen mit dem bundesligaerfahrenen Trainer an der Seitenlinie bei einem Schnitt von fast zwei Zählern pro Spiel (33 Punkte aus 17 Partien), was hochgerechnet auf die Saison im Normalfall für einen direkten Aufstieg reicht. Zwei entscheidende Hemmnisse sind gleichwohl: Kauczinski trat erst Ende Oktober mit einer entsprechenden Hypothek an und wirklich souverän waren die jüngsten Auftritte trotz der Erfolge nicht.
Der Coach weist zudem darauf hin: „Eine Kauczinski-Tabelle zählt in der Meisterschaft und für den Aufstieg leider nicht. Es gibt Mannschaften, die mehr Punkte haben als wir. Es gibt zwei Mannschaften, die stabil punkten. Wir müssen erst mal zeigen, dass wir das durchhalten können.“ Noch ein Beweis dafür, dass der Wahl-Karlsruher eben weder Visionär noch Träumer ist. Und seine Mannschaft beginnt damit, diese Haltung zu verinnerlichen, schließlich ist etwa das Freitags-Gastspiel bei Viktoria Köln (19 Uhr/AZ-Liveticker) alles, aber kein Kinderspiel.
„Was möglich ist, das weiß jeder, der rechnen und die Punkte addieren kann“
„Wir wollen weitermachen und schauen, wohin das geht. Wir sind immer noch die Verfolger, wir müssen immer noch nachziehen“, sagt Kapitän Thore Jacobsen und Verteidiger Raphael Schifferl assistiert: „Was möglich ist, das weiß jeder, der rechnen und die Punkte addieren kann. Aber für uns gilt: Wir haben jetzt ein Spiel in Köln, das wollen wir unbedingt gewinnen.“
Am Freitagabend läuft der Aufstieg-Countdown in jedem Falle weiter. Noch elf, zehn, neun, acht, sieben, sechs, fünf, vier, drei, zwei, eins – und dann auf die Tabelle schauen. Die lügt bestimmt nicht.
