Die Bundesbank hat auch 2025 einen Milliardenverlust gemacht. Damit fällt eine Gewinnüberweisung aus Frankfurt an das Bundesfinanzministerium zum sechsten Mal in Folge aus. Das Minus betrug 2025 rund 8,6 Milliarden Euro. Es war nach dem Verlust von 19,2 Milliarden Euro im Jahr 2024 der zweithöchste Fehlbetrag in der Geschichte der Notenbank.
Der Bilanzverlust, der sich aus dem Verlustvortrag und dem aktuellen Jahresfehlbetrag ergibt, beläuft sich insgesamt auf 27,8 Milliarden Euro. „Wir haben zwar weiter finanzielle Belastungen zu tragen, sie lassen aber nach“, sagte Bundesbankpräsident Joachim Nagel bei der Vorstellung des Jahresabschlusses am Donnerstag in Frankfurt. Die Bundesbank habe weiterhin eine solide Bilanz und verfüge über hohe Bewertungsreserven, sagte Nagel. Die Bewertungsreserven sind Ende 2025 vor allem aufgrund des gestiegenen Goldpreises auf 388 Milliarden Euro angewachsen, sie lägen damit um ein Vielfaches höher als der Bilanzverlust.
„Seit der Zinswende 2022 übersteigen die Zinsaufwendungen für die Einlagen die Zinserträge aus den Anleiheportfolios. Der Nettozinsertrag ist negativ. Im Ergebnis hat dies zu erheblichen finanziellen Belastungen für die Bundesbank geführt“, sagte Nagel.
Der erneute Bilanzverlust der Währungshüter lag an der toxischen Melange aus lockerer Geldpolitik und Anleihekäufen sowie dem rapiden Leitzinsanstieg von 2022 bis Anfang 2024. Unter Führung des damaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi startete das Euro-System 2015 ein billionenschweres Anleihekaufprogramm zur Stabilisierung der Wirtschaft. Die Bundesbank kaufte dabei deutsche Staatsanleihen von den großen Geschäftsbanken und schrieb den Banken den Kaufpreis auf deren Girokonten bei der Notenbank gut. Für dieses Geld bekommen die Banken Erträge auf Leitzinsniveau. Das war während der Nullzinsphase kein Problem, doch änderte es sich, als die EZB wegen des Inflationsschocks die Leitzinsen auf 4,0 Prozent anhob. Die fälligen Zinszahlungen an Banken waren deutlich höher als die Erträge, die die Staatsanleihen im Bestand der Notenbank abwarfen. Das hat sich bis heute nicht geändert, auch bei dem aktuellen Leitzins von 2,0 Prozent. „Für 2026 rechnen wir auch mit einem Minus, das etwas geringer als 2025 ausfallen wird“, sagte Nagel weiter. „Wann die Bundesbank wieder schwarze Zahlen schreibt, kann ich nicht sagen.“
Höhere Inflation durch die Konflikte im Nahen Osten?
Mit Blick auf die Unruhen im Nahen Osten verwies Nagel auf die gestiegenen Öl- und Gaspreise. „Für die Geldpolitik ist entscheidend: Sind dies temporäre Angebotsschocks, durch die wir durchschauen sollten?“, so Nagel. Bei einem zügigen Ende der Kämpfe und allenfalls minimalen Schäden an der Energieinfrastruktur der Region könnten die Energiepreise bald wieder sinken, sagte der Bundesbankpräsident. Die Folgen für die Inflation wären dann kurzfristig. Sollten die Energiepreise hingegen für längere Zeit erhöht bleiben, würde dies im Euro-Raum zu einer höheren Inflation führen.
Im Februar lag die Inflation in der Euro-Zone bei 1,9 Prozent. Allerdings, so Nagel, fühlten sich viele Menschen heute ärmer als vor der Teuerungswelle. Lebensmittel kosten im Schnitt gut ein Drittel mehr als im Jahr 2020.
