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Die Formel 1 startet in die neue Saison. Mit komplett überarbeiteten Autos und teils umstrittenem Regelwerk. Wir ranken die Teams nach den Testfahrten – und wagen eine Prognose.
Die Formel 1 startet am Sonntagmorgen in Melbourne (08.03.26, ab 5 Uhr im Liveticker bei sportschau.de) in die neue Saison. Angesichts der umfangreichen Regeländerungen und komplett überarbeiteten Boliden ist man beinahe geneigt zu sagen: Alles ist anders.
Aber die Testfahrten der vergangenen Wochen in Barcelona und Bahrain zeigen, dass sich die grundsätzlichen Machtverhältnisse nicht verschoben haben. Anders als bei den großen Regeländerungen der jüngeren Vergangenheit wird kein Team aus der zweiten oder dritten Reihe plötzlich um die Weltmeisterschaft fahren, zu unterschiedlich sind die finanziellen Möglichkeiten der Teams – und damit vor allem jene Möglichkeiten, aus den vielen neu generierten Daten, wichtige Erkenntnisse zu ziehen. Ein Ranking nach den Testfahrten und vor dem Start:
11. Platz: Aston Martin
Die Vorbereitung von Aston Martin war ein absolutes Desaster. Kein Fahrer konnte überhaupt eine Renndistanz absolvieren, zu groß waren die Probleme mit dem neuen Honda-Motor. Der ist ebenso wenig zuverlässig wie das selbst entwickelte Getriebe. Da helfen auch einige Design-Neuerungen von Star-Ingenieur Adrian Newey nicht. Aktuell wäre es sogar überraschend, wenn die Autos beim ersten Rennen in Melbourne die Ziellinie sehen.
10. Platz: Cadillac
Der Newcomer aus den Vereinigten Staaten bringt geballte Erfahrung im Cockpit mit: Valtteri Bottas und Sergio Perez werden vor allem eines tun müssen – Daten sammeln und auswerten, damit das Team stetig besser werden kann. Die Testfahrten waren nicht frei von Pannen und in Sachen Rundenzeiten war man weit abgeschlagen. Zugegeben: Für einen Neuling erst einmal völlig normal.
9. Platz: Williams
Die Saisonvorbereitung ging bei Williams mit einem großen Knall los: Das Auto war für die ersten Tests in Barcelona nicht fertig, das Team sagte kurzerhand ab. Schlechte Vorzeichen, die man anschließend in Bahrain nur teilweise ausräumen konnte. Die Briten haben Entwicklungsrückstand, dafür hat man mit Alexander Albon und Carlos Sainz Jr. zwei erfahrene und gute Fahrer. Und es gibt einen großen Glücksfall: Mercedes beliefert Williams mit Motoren.
8. Platz: Audi
Gewissermaßen der zweite Neuling, wenn auch nur oberflächlich. Audi hat den Einstieg in die Formel 1 lange angekündigt und ein gutes Gesamtpaket geschnürt mit den Fahrern Nico Hülkenberg, Gabriel Bortoleto sowie Direktor Mattia Binotto und Teamchef Jonathan Wheatley. Die Sauber-Vergangenheit sorgt dafür, dass man in gewachsene Strukturen kommt – dazu kamen solide Testtage mit einigen wenigen Aussetzern. Audi kann im Mittelfeld angreifen.
7. Platz: Racing Bulls
Das große Fragezeichen hinter dem kleinen Tochterteam des großen Red-Bull-Rennstalls war der Motor: Dieser wurde gemeinsam mit Ford entwickelt und ist vielversprechender, als so mancher Experte angenommen hat. Der einzige Rookie, Arvad Lindblad, hat in Bahrain viele Kilometer abgespult – mit soliden Leistungen und wenig Problemen.
6. Platz: Alpine
Hier beginnt der Kampf um den Titel „Best of the rest“ so richtig. Alpine, im Vorjahr noch teilweise unter ferner liefen, lieferte vielversprechende Leistungen in den Tests. Dazu kommt mit Pierre Gasly ein erfahrener Fahrer. Auch hier der große Glücksfall: Mercedes ist der neue Motorenlieferant. Mit Alpine ist zu rechnen.
5. Platz: Haas
Überraschend stark präsentierte sich das Haas-Team an den Testtagen. Angetrieben von einem Ferrari-Motor und mit der starken Fahrerpaarung Esteban Ocon und Oliver Bearman, gehörte Haas zu den Teams, die die meisten Runden überhaupt gefahren sind – oftmals mit Kontakt zur Spitze bei den Rundenzeiten.
4. Platz: Red Bull
Die Bewertung der Top-4-Teams kann nicht ohne den Zusatz „Tagesform und Strecke entscheidend“ passieren. Denn Red Bull hat mit dem ersten eigenen Motor, gemeinsam entwickelt mit Ford, ein starkes Paket auf die Beine gestellt, das definitiv von einem WM-Titel träumen lässt. Zumal immer noch Max Verstappen in einem der Boliden sitzt und schon letzte Saison bewiesen hat, gewisse Unterschiede wett machen zu können. Red Bull ist erst einmal vierstärkste Kraft, was für Titelambitionen aber nichts heißen muss.
3. Platz: McLaren
Kurioserweise war es um McLaren bei den Testfahrten mit am ruhigsten überhaupt. Das mag daran liegen, dass man vom alles dominierenden Team aus dem Vorjahr inzwischen gewachsene Erwartungen hat, aber hat auch damit zu tun, dass man keinerlei Probleme mit dem neuen Boliden hatte. Der Motor (von Mercedes) ist zuverlässig, das Aerodynamik-Paket stimmt, die Fahrer (Weltmeister Lando Norris und Oscar Piastri) sind herausragend. Aber: McLaren lag selten ganz vorne, der Kontakt zur Spitze ist aber da.
2. Platz: Ferrari
Was kaum noch jemand für möglich gehalten hat, könnte tatsächlich wahr werden: Ferrari kämpft um die Weltmeisterschaft. Die Scuderia überzeugte nicht nur mit dem Technik-Trick am Heckflügel und herausragenden Startsequenzen. Charles Leclerc und Lewis Hamilton sammelten auch fleißig Runden und fuhren dabei vor allem in der letzten Testwoche die absoluten Bestzeiten. Beim Start ist Ferrari absolute Spitze, im Longrun dürfte ein Team noch vor ihnen liegen.
1. Platz: Mercedes
Mercedes galt schon vor den Testfahrten gewissermaßen als „Geheimtipp“. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen: Dem Team ist es gelungen, einen Trick bei der Motorenentwicklung anzuwenden. Dabei geht es um das Verdichtungsverhältnis. Das sorgte für derartige Unruhe, dass die FIA die Regeln noch vor der Saison angepasst hat – allerdings erst mit der Gültigkeit ab 1. August. So lange bleibt der Vorteil bestehen. Da das ehemalige Weltmeister-Team zudem noch ein gut abgestimmtes Aerodynamik-Paket aufweist, lässt nur einen Schluss zu: Vor dem ersten Rennen gilt Mercedes als Favorit. Und zwar auch für den WM-Titel.
Aber: Die Saison geht erst los und umfasst 24 Rennen. Finale ist am 6. Dezember in Abu Dhabi.

