
Aus Protest gegen die Zulassung russischer und belarussischer Sportler boykottiert das deutsche Team die Eröffnungsfeier der Paralympics. Athletinnen und Athleten aus den beiden Staaten dürfen bei den Wettkämpfen in Italien unter eigener Flagge antreten. Deutsche Para-Olympioniken nähmen deshalb bei der Feier in Verona nicht
an der Athletenparade der Nationen teil, teilte der Deutsche
Behindertensportverband (DBS) drei Tage vor dem Start der Paralympics mit.
„Diese Entscheidung dient sowohl der
Konzentration auf die bevorstehenden Wettkämpfe als auch dem Anliegen,
die solidarische Haltung gegenüber der ukrainischen Delegation
respektvoll zum Ausdruck zu bringen“, heißt es in einer Stellungnahme
des Verbands. An den sogenannten Pre-Recordings, also den im
Vorfeld aufgezeichneten und dann bei der Eröffnungsfeier gezeigten
Aufnahmen, werde das Team aber wie vorgesehen teilnehmen.
Kurz zuvor gab es einen Eklat, weil das ukrainische Team nicht in den geplanten Teamoutfits am Wettbewerb teilnehmen darf. Die Kleidung sei zu politisch, weil sie eine Landkarte der Ukraine mit den Grenzen
von 1991 zeigt – also samt Krim und den heute von Russland besetzten Gebieten.
Ukraine und Estland boykottieren Eröffnungsfeier komplett
Die Ukraine und Estland hatten angekündigt, der Eröffnungsfeier aus Protest komplett fernbleiben zu
wollen. Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) hatte im
vergangenen September entschieden, die Sanktionen gegen die Dachverbände
Russlands und seines Verbündeten Belarus aufzuheben.
Die Athleten beider Länder dürfen demnach
wieder unter ihrer Landesfahne starten. Bei den Olympischen
Winterspielen in Mailand und Cortina war ein Start nur von
Einzelsportlern aus Russland und nur mit neutralem Status möglich
gewesen.
Der DBS kritisierte die Zulassung von
Athletinnen und Athleten aus Russland und Belarus für das Event in
Mailand und Cortina. „Gerade in herausfordernden Zeiten bleibt es unsere
gemeinsame Aufgabe, die paralympischen Werte sichtbar zu leben und die
Integrität des Sports entschlossen zu schützen“, ließ der Verband
verlauten.
Auch die Sportstaatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) sagte ihre Teilnahme
an der Eröffnungsfeier ab. Sie teile
die Kritik an der Entscheidung, russische und belarussische Sportler
unter ihrer Landesflagge an den Spielen teilnehmen zu lassen, sagte die CDU-Politikerin. Sie respektiere die Autonomie
des Sports, verwies aber auf die erheblichen internationalen Vorbehalte
gegen das Vorgehen. An ihrem geplanten Besuch bei den Wettkämpfen der Paralympics hält sie weiterhin fest. Mit ihrem Besuch wolle sie Wertschätzung für die Sportlerinnen und Sportler zum Ausdruck bringen. „Sie stehen für
Leistungswillen, Fairness und Zusammenhalt – und sie repräsentieren
unser Land mit großem Einsatz und Haltung“, sagte Schenderlein.
