

Dass der erste Bericht, den Henning Otte als Wehrbeauftragter vorlegt, thematisch denen seiner Vorgänger ähnelt, wenngleich deutlich gestrafft, spricht an sich weder gegen Otte noch gegen seinen Report.
Die Forderungen, den Dienst in der Bundeswehr attraktiver zu machen und verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen, werden durch Wiederholung nicht weniger dringlich. Obwohl 2025 mehr Soldaten gewonnen werden konnten als in den Jahren zuvor, klafft eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
Politische Duftmarke
Auch die beklagte Kopflastigkeit ist kein neues Phänomen. Aber jetzt, da der Umfang der Bundeswehr nicht mehr schrumpft, sondern wächst, wäre es leichter, das zu beheben. In den vergangenen Jahren ist die Chance zu wenig genutzt worden. Führungsverantwortung in unteren Ebenen war lange Zeit eine Stärke in den deutschen Streitkräften.
Eine politische Duftmarke setzt Otte beim Thema Pflichtdienst. Es mag der SPD nicht gefallen, entspricht aber der Beschlusslage in der Koalition, wenn er darauf hinweist, dass die Rückkehr zur Wehrpflicht der „konsequente nächste Schritt“ sei, wenn auf freiwilliger Basis nicht genügend Personal gewonnen werde.
Und es ist in der Sache absolut vertretbar, wenn er daraus ableitet, dass ein modernes Pflichtdienstmodell für Deutschland eine gute Sache sei. Das fordert er schließlich seit Jahren.
Aber nun täte Otte gut daran, solche Vorstöße hinter sich zu lassen. Er hat jetzt eine andere Rolle.
