
Die Frage, wie lange der Iran den Krieg gegen Israel und die USA noch durchhalten kann, wird weltweit diskutiert – auch innerhalb der amerikanischen Regierung. In einem Exklusiv-Interview deutet der US-Präsident nun an, wie es um Teherans Angriffsfähigkeiten bestellt ist.
Dem Iran gehen nach Einschätzung von US-Präsident Donald Trump entscheidende militärische Mittel aus. Dies sagte er in einem Interview mit „Politico“, das wie WELT zum Axel Springer Global Reporters Network gehört. In dem rund vierminütigen Telefonat argumentierte Trump, die militärischen Fähigkeiten Teherans würden schrittweise geschwächt, auch wenn iranische Streitkräfte voraussichtlich „noch eine Weile Raketen abfeuern“ würden.
„Sie gehen ihnen aus, und ihnen gehen auch die Orte aus, von denen sie sie abschießen können, weil sie dezimiert werden“, so der US-Präsident. „Ihnen gehen die Abschussrampen aus.“ Diese Einschätzung ist neu; weder bei einem Briefing des Pentagon am Montag noch von anderen Regierungsvertretern war sie zuvor öffentlich geäußert worden.
Derzeit stellen sich die USA und der Nahe Osten noch auf anhaltende Raketen- und Drohnenangriffe aus dem Iran ein. Seit Beginn der israelisch-amerikanischen Operation „Brüllender Löwe“ und „Epischer Zorn“ am Samstagmorgen hat Teheran in mehreren Wellen mit Gegenschlägen auf Israel und amerikanische Stützpunkte und Verbündete in der Region reagiert. Die US-Botschaften in Saudi-Arabien und Kuwait kündigten am Dienstag ihre Schließung an. Das Außenministerium rief Amerikaner im gesamten Nahen Osten dazu auf, die Region zu verlassen.
Die Frage, wie lange der Krieg noch weitergehen wird, ist Gegenstand von Debatten – mitunter auch innerhalb der US-Regierung selbst. Das gilt aber nicht nur für die Dauer der Kampfhandlungen, sondern auch für die Munitionsbestände der USA, das letztliche Ziel des Krieges sowie die Frage, wer künftig den Iran führen soll. „Wir haben unbegrenzte Bestände an Mittel- und oberer Mittelstreckenmunition und anderem Material. Wir sparen es und bauen es aus“, sagte Trump „Politico“.
„Die Rüstungsunternehmen fahren ihre Produktion der Dinge, die wir brauchen, massiv hoch“, fügte er hinzu. „Sie arbeiten unter Notfallanordnungen. Wir produzieren schnell. Und wir haben unbegrenzte Vorräte – so dumm Biden auch war, er hat sie nicht eingesetzt.“ Am Dienstag hatte Senator Richard Blumenthal (Demokrat aus Connecticut) noch vor einem „potenziell verzweifelten und katastrophalen Mangel an THAAD- und Patriot-Systemen“ gewarnt, „die notwendig sind, um unsere Botschaften, unsere Stützpunkte und unsere Zivilisten zu schützen“.
Trump hatte zuletzt angedeutet, der Krieg gegen den Iran könne vier oder fünf Wochen dauern – oder schon in wenigen Tagen beendet sein. Er rechtfertigte die Operation mit der Begründung, das Regime habe kurz davor gestanden, über eine Atomwaffe zu verfügen oder in der Lage zu sein, die Vereinigten Staaten anzugreifen. Außenminister Marco Rubio und der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, erklärten am Montag, Israel habe ohnehin kurz vor einem Angriff auf den Iran gestanden – was bedeutet hätte, dass die USA im Gegenzug getroffen worden wären.
Trump erklärte in dem Interview mit „Politico“, er sei offen für Gespräche mit einer neu formierten iranischen Regierung, sollte eine solche aus dem Konflikt hervorgehen. Auf die Frage, ob es zu spät sei, mit jemandem aus einer neuen Regierung zusammenzuarbeiten, antwortete Trump: „Nein, es ist nicht zu spät. 49 (ranghohe iranische Führungspersonen, Anm. d. Red.) wurden getötet, das darf man nicht vergessen – das geht ziemlich tief, oder? Neue kommen nach. Viele wollen den Job. Einige von ihnen wären sehr gut.“
Unterschiedliche Strömungen innerhalb der Republikanischen Partei hatten am Wochenende bereits für ihren jeweiligen Wunschkandidaten an der Spitze des Iran geworben. Der Gedanke einer demokratischen Wahl spielte dabei kaum mehr als eine rhetorische Nebenrolle.
Das Axel Springer Global Reporters Network ist eine markenübergreifende Initiative, die Scoops, investigative Recherchen, Interviews, Gastbeiträge und Analysen globaler Relevanz veröffentlicht. Journalisten aller Axel-Springer-Marken – darunter Politico, Business Insider, WELT, BILD und Onet – kooperieren bei großen Geschichten für ein internationales Publikum. Die Berichterstattung erstreckt sich über alle Plattformen von Axel Springer: online, Print, TV und Audio. Zusammen erreichen diese Veröffentlichungen Hunderte Millionen Menschen weltweit.
