
Mit seiner Agentur betreut Volker Struth mehr als 150 Spieler. Der berühmteste Spielerberater Deutschlands hat auch Bundestrainer Julian Nagelsmann unter Vertrag. Struth äußert sich zu dessen Zukunft – und offenbart, welche Nachrichten Max Eberl ihm einst sandte.
Er weiß genau, wie die ganz großen Transfers gemacht werden: Volker Struth belegte im „Sport Bild“-Ranking der 50 Mächtigsten des Deutschen Fußballs mit seiner Agentur „Sports 360“ Platz 17. Im neuen „Phrasenmäher“-Podcast verrät der 59-jährige Kölner jetzt …
▶ … welche WhatsApp-Nachrichten ihm Max Eberl wegen Julian Nagelsmann schickte
Im Frühjahr 2024 rief Eberl bei Struth an, um Nagelsmann nach der Heim-EM als Trainer zu Bayern zurückzuholen. Der Bundestrainer sollte seinen Bayern-Nachfolger Thomas Tuchel ersetzen. Nach dem ersten Gespräch in München erhöhte Eberl den WhatsApp-Druck.
Struth: „Es hat natürlich ein paar Tage gedauert, in denen man sich einen Kopf gemacht und über alles nachgedacht hat. In der Zeit hat mir Max dann immer wieder animierte Comicfiguren per WhatsApp geschickt. Tom und Jerry, die ungeduldig durch den Raum laufen und auch ein Bild, wo sich jemand die ganze Zeit auf einem Drehstuhl dreht und in die Luft schaut.“ Die Botschaft war klar: Wie lang muss ich noch warten? Gibt es etwas Neues? Am Ende sagte Nagelsmann ab und verlängerte als Bundestrainer vorzeitig. Kann es in Zukunft trotzdem eine Rückkehr geben?
Struth: „Momentan ist Julian sehr glücklich. Sein Vertrag läuft ja auch über die WM hinaus und Bayern hat aktuell einen guten Trainer und Erfolg – aber ausschließen würde ich das nicht.“
► … ob Nagelsmann mit Deutschland bei der WM weiter kommt als Tuchel mit England
Struth: „England hat eine deutlich bessere Mannschaft als in den letzten Jahrzehnten, aber ich sage mal selbstbewusst: Wir haben einen besseren Trainer.“
► … ob Hansi Flick mit Barcelona schon vier Titel gewonnen hätte, wenn Toni Kroos heute noch für Real Madrid spielen würde
Struth (lacht): „Glaube ich nicht. Ich bin ganz klar davon überzeugt, dass Real ohne Toni und auch Luka Modric nicht mehr die Mannschaft ist, die es mal war. Toni fehlt Real vorn und hinten – ich weiß, dass man auch in Madrid so denkt.“
► … ob Timo Werner (San José) in der Nordamerika-Liga MLS eher Torschützenkönig wird als Thomas Müller (Vancouver)
Struth: „Das hat eine hohe Wahrscheinlichkeit, ja. Von uns hat natürlich niemand Freude daran gehabt, wie das letzte halbe Jahr in Leipzig gelaufen ist. Der Schritt in die USA ist jetzt der richtige Move. Timo wird da viele Tore schießen und sehr erfolgreich sein.“
► … ob Niklas Süle im Sommer seine Karriere mit 30 Jahren beendet
Der Vertrag des Abwehrspielers beim BVB läuft aus. Macht er Schluss? Struth: „Unwahrscheinlich. Wir müssen uns nichts vormachen: Speziell im letzten Jahr ist alles etwas holprig verlaufen. Niki eilt schon seit langer Zeit der Ruf voraus, nicht so der Vorzeigeprofi zu sein – obwohl er in seiner Karriere viele Titel und große Spiele gezeigt hat. Für mich ist er vom Potenzial nach wie vor der beste deutsche Innenverteidiger. Ich glaube, er hat sich selbst auf die Fahne geschrieben, dass er noch mal so richtig Spaß am Fußball haben möchte und seine Karriere so nicht beendet.“
► … was das härteste war, das je einer seiner Spieler zu ihm gesagt hat
Struth: „‚Du liegst mit deinem dicken Arsch am Pool, während ich hier gerade den Hügel hoch- und runtergeschleift werde!‘ Das war Sascha Riether, der damals unter Felix Magath in Wolfsburg trainiert hat und unbedingt wegwollte. Er sagte: ‚Der schleift und schleift und schleift mich hier. Du musst mich hier herausholen.‘“ Wenig später wechselte Riether zum 1. FC Köln.
► … ob er mal mit einem Spieler geweint hat
Struth: „Ja, im Mai 2016, als Mario Götze und ich uns entschlossen hatten, uns zu trennen. Das war einer der emotionalsten Momente, die ich als Berater je erlebt habe. Ich hatte schon bei Marios Wechsel zum FC Bayern ein Scheiß-Gefühl und wenn es nach mir gegangen wäre, hätte es diesen Transfer nicht gegeben.“
► … welchen kuriosen Spitznamen er Hasan Salihamidžić gab
Struth: „Der FC Bayern ist 2021 im dicken Schneetreiben bei Holstein Kiel aus dem Pokal rausgeflogen. Hasan saß da mit einem viel zu dünnen Mantel am Spielfeldrand und dann ging das Spiel noch in die Verlängerung. Er hat sich mal richtig den Arsch abgefroren. Zwei, drei Wochen später hatten wir einen Termin bei uns in Köln. An dem Abend hat es in NRW so geschneit wie seit 100 Jahren nicht. Hasan und Marco Neppe fuhren dann in einem total verschneiten und zugeeisten Auto vor – seitdem heißt er bei mir nur der Eisvogel.“
► … welchen Spieler er sich zu seinem 60. Geburtstag am 10. März in seiner Agentur wünscht
Struth: „Das ist ganz einfach: Florian Wirtz.“
Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, BILD, SPORTBILD) verfasst und erschien zuerst in BILD. Hier können Sie den Phrasenmäher-Podcast hören.
