AZ: Herr Vollath, uns ist zu Ohren gekommen, dass Sie aktuell große Pläne haben: Wollen wir über das A-Wort sprechen?
RENÉ VOLLATH: Das A-Wort wie „Aufstieg“? Nein, darüber sprechen wir besser nicht (lacht). Aber über das A-Wort wie „Akademie“ können wir uns gerne unterhalten: Wir haben eine neue Akademie für Torhüter und Torhüterinnen gegründet, die „Next Generation Keepers Academy“, die jetzt Anfang März an den Start geht. Mit den Torwarttrainern Constantin Frommann, aktuell U16-Torwarttrainer der Frauen-Nationalmannschaft (und Partner von Nationalspielerin Giulia Gwinn, d. Red.) sowie U19-Torwarttrainer beim TSV 1860 und Michi Wagner, der in der Jugend im NLZ des FC Bayern ausgebildet worden ist und jetzt Jugend-Torwarttrainer bei Haching ist, sitzen drei Torwarttrainer mit im Boot.
Wir reden also von einem zweiten Standbein neben ihrer beruflichen Karriere beim TSV 1860.
Richtig, ich bin ja bekanntlich Torwart und Torwarttrainer bei den Löwen, unsere neue „NGK“-Akademie hat aber nichts mit Sechzig zu tun. Unser spezialisiertes Torwarttraining, das auf der Bezirkssportanlage Siegenburger Straße 51 direkt neben dem BMW-Park stattfindet, richtet sich an alle fußballbegeisterten Mädchen und Jungs, Torhüterinnen und Torhüter aller Altersgruppen, die ihr Torwartspiel auf ein neues Level bringen wollen. Wir bieten Einzel-, Gruppentraining und Theoriestunden an. Torwartspiel bedeutet heutzutage mehr als Reaktion und die klassischen Glanzparaden auf der Linie. Es geht darum, Situationen zu lesen, Wahrscheinlichkeiten zu beeinflussen und Lösungen aktiv vorzubereiten. Unser Motto lautet: Jeder ist willkommen!
Vollath: „Es gibt Gründe, wieso ich – vielleicht – die kleinste Laufbahn hingelegt habe“
Wie kam es dazu, dass Sie sich zu diesem Schritt entschieden haben? Als spielender Torhüter der Sechzger und Familienpapa dürften Sie schon ganz gut eingespannt sein.
Das stimmt, aber die Rahmenbedingungen stimmen einfach: Der Fußball und das Torwartspiel sind meine Leidenschaft, als Profitorhüter kann ich meine gesammelten Erfahrungen weitergeben. Außerdem unterstützt mich meine Frau nicht nur, sie ist sogar als Geschäftsführerin dabei. Was vielleicht nicht viele Leute wissen: Ich war früher auch Junioren-Nationaltorhüter, habe 21 Länderspiele gemacht und habe im Jahr 2007, unter anderem mit Spielern wie Toni Kroos, an der U17-Weltmeisterschaft in Südkorea teilgenommen. In meiner Altersklasse waren auch Torhüter wie Oliver Baumann, Kevin Trapp oder Fabian Giefer dabei, mit denen ich über Jahre zusammen war. Ich war mit 16 gefühlt genauso gut wie mit 20. Es gibt Gründe dafür, wieso die ersten beiden Torhüter eine Welt-Karriere geschafft haben, Fabi Giefer auch Bundesligatorwart geworden ist und ich – vielleicht – die kleinste Laufbahn von allen hingelegt habe.

© Ulmer/Imago
von Ulmer/Imago
„}“>
Wie sehen diese Gründe aus und was leiten Sie daraus ab?
Das liegt natürlich einerseits am Talent, aber auch an der Ausbildungsthematik. Ich beschäftige mich schon seit jungen Jahren mit der Theorie hinter dem Torwartspiel. Dabei gibt es Dinge, unter anderem öffentliche Bewertungen, die man erst im Profifußball auf die harte Tour lernt. Als Torhüter mit Profi-Erfahrung wissen wir, worauf es ankommt und wollen das weitergeben, was wir früher selbst gerne gelernt hätten.
Akademie war auch bei meinem Wechsel zu Sechzig schon Teil der Verhandlungen
Sie sind bereits bei der SpVgg Unterhaching einen spannenden, neuen Weg gegangen, als Sie die Dreifachfunktion Torhüter, Torwarttrainer und Leiter der Haching-Akademie innehatten.
Manni Schwabl hat mir damals diese Chance gegeben und ich bin ihm heute noch dafür dankbar, denn das hat mich auch persönlich weitergebracht: Die Idee dieser eigenen Torwartakademie ist auch schon vor zwei Jahren geboren. Auch bei meinem Wechsel zu Sechzig war das schon Bestandteil der Verhandlungen, dass ich mir nebenbei für meine zweite Karriere etwas aufbauen kann. Ich danke auch allen Verantwortlichen bei Sechzig, dass sie mir keine Steine in den Weg gelegt haben. Am Ende könnten die Vereine sogar davon profitieren: Der ehemalige 1860-Torhüter Rainer Berg, mit dem ich in engem Kontakt stehe, bietet auch Torwarttraining an und hat schon 35 Talente an die Nachwuchsleistungszentren weitergegeben.

© Next Generation Keepers Academy
von Next Generation Keepers Academy
„}“>
Ab sofort lassen sich René Vollath und Co. also übers Internet als Torwarttrainer buchen – um sich vielleicht einmal den großen Traum zu erfüllen, selbst Profi-Torwart zu werden?
Genau. Ich möchte aber auch ganz klar dazusagen: Nicht jeder schafft den großen Traum vom Fußballprofi, es ist auch nicht jeder dafür gemacht. Wenn sich jemand ganz toll entwickelt, ist es wunderbar. Aber unser Ziel ist, einfach die Liebe zum Torwartspiel zu vermitteln. Wir wollen jungen Menschen mitgeben, dass Torwartspiel mehr ist als nur Bälle zu halten, sondern auch das Positionsspiel und die Raumbeherrschung zu entwickeln. Wir wollen komplette „Impact“-TorhüterInnen ausbilden, die Einfluss auf das Spielgeschehen haben, die Wahrscheinlichkeit zu verringern, Tore zu kassieren – und vielleicht sogar zu erhöhen, Tore zu schießen.
