
Im vergangenen Jahr wurden in der EU etwa ein Fünftel weniger Asylanträge gestellt als 2024. Das geht aus Zahlen der EU-Asylagentur EUAA mit Sitz in Malta hervor. Demnach wurden im vergangenen Jahr in den 27 EU-Staaten sowie den Partnerländern Norwegen und der Schweiz rund 822.000 Asylanträge registriert – ein Rückgang von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bereits 2024 war deren Zahl um elf Prozent gesunken.
Die meisten Anträge wurden demnach weiterhin in Deutschland gestellt: Hier wurden 163.000 Asylanträge oder knapp jeder fünfte Antrag gestellt, was in etwa dem Anteil Deutschlands an der gesamten EU-Bevölkerung (knapp 18 Prozent) entspricht. Insgesamt entfielen 80 Prozent aller Anträge auf Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, und Griechenland.
Weniger Anträge aus Syrien, mehr aus Afghanistan
Dabei fiel der Rückgang in Deutschland gegenüber 2024 mit fast einem Drittel überdurchschnittlich hoch aus. Grund dafür war vor allem der Sturz des Assad-Regimes in Syrien Ende 2024, wodurch es deutlich weniger Asylanträge von Syrerinnen und Syrern gab. Die meisten EU-Länder stoppten zudem die Bearbeitung syrischer Anträge, um die Lage in dem Land zu bewerten. So wurden im vergangenen Jahr EU-weit 42.000 Asylanträge von Menschen aus Syrien gestellt, nachdem es 2024 noch 151.000 Anträge gewesen waren.
Europaweit wurden die meisten Asylanträge von Menschen aus Afghanistan gestellt. Die Zahl dieser Anträge ist nach den EUAA-Angaben um ein Drittel auf 117.000 gestiegen. Die EU-Agentur begründet den Anstieg mit einem Urteil des Gerichtshofs der EU vom Oktober 2024. Darin hatte das Gericht bestätigt, dass die von den in Afghanistan seit 2021 wieder regierenden Taliban auferlegten Beschränkungen der Frauenrechte einer Verfolgung gleichkämen. Bei vielen der 2025 von Afghaninnen gestellten Anträge handelte es sich daher um Wiederholungsanträge, die keine Neuankünfte von Asylbewerbern spiegelten.
Anträge aus Venezuela auf Platz zwei – bei minimaler Chance auf Anerkennung
Auch aus Venezuela hat es demnach deutlich mehr Anträge gegeben: Deren Zahl stieg demnach um fast ein Viertel auf 91.000. Der Großteil der von Venezolanerinnen und Venezolanern gestellten Asylanträge ging in Spanien ein. Die EUAA erklärt diesen Anstieg mit der strengen Einwanderungspolitik der USA und verschärften Visaregelungen in lateinamerikanischen Nachbarländern Venezuelas.
Die größte Chance auf eine Anerkennung des Asylantrags haben nach Zahlen der EU-Agentur Menschen aus Haiti (14.500 Anträge): Die Anerkennungsrate liege hier bei 89 Prozent. Auch Anträge von Menschen aus Mali, Eritrea und der Ukraine hätten Anerkennungsraten von mehr als 70 Prozent. Für Afghanistan und den Sudan liege die Chance auf Anerkennung knapp unter dieser Marke. Die niedrigsten Erfolgsaussichten hätten hingegen Anträge von Menschen aus Venezuela, Bangladesch, Ägypten und Peru, wo die Anerkennungsrate unter drei Prozent lag.
