Die Eskalation im Nahen Osten hat spürbare Auswirkungen auf den internationalen Sport. Gesperrte Lufträume und Sicherheitsbedenken führen zu Absagen, Verschiebungen und Unsicherheiten – betroffen sind unter anderem die Formel 1, Fußball, Tennis, Basketball und der Reitsport. Ein Überblick.
Formel 1: Rennen in Melbourne soll wie geplant stattfinden
Die militärischen Angriffe im Nahen Osten stellen die Formel 1 vor dem Saisonstart in Australien vor Herausforderungen. Die Veranstalter des Auftaktrennens am Sonntag (08.03.2026, 5 Uhr deutsche Zeit) rechnen aber nicht mit Auswirkungen auf den Grand Prix in Melbourne. Probleme bereitet vor allem die Beförderung Hunderter Mitarbeiter, die für die Formel 1 selbst oder die Rennställe arbeiten.
„Die Formel 1 als Organisation ist sehr gut darin, Menschen rund um die Welt zu bewegen. Das ist ihre Aufgabe. Und so konnten sie das auch umsetzen, sodass wir keine Auswirkungen auf unser Rennen erwarten„, sagte der Geschäftsführer des Grand Prix von Australien, Travis Auld. Er bezifferte die Zahl der Betroffenen auf etwa 1.000 Personen. Ihre Flüge mussten demnach alle umgebucht werden.
Statt über Dubai, Abu Dhabi oder Doha (Katar) nach Australien anzureisen, wichen viele auf Singapur oder Hongkong aus. Auld versicherte: „Die Fahrer werden hier sein. Die Ingenieure werden hier sein. Die Teamchefs werden hier sein. Sie sind diejenigen, denen Vorrang eingeräumt wurde.“ Zudem seien auch die Autos in Containern längst an der Strecke.
Melbourne-Geschäftsführer Travis Auld spricht zu den Medien
Fragezeichen stehen aktuell insbesondere hinter dem für den 12. April angesetzten vierten Saisonrennen in Bahrain, wo erst am Wochenende die Formel-1-Reifentests abgebrochen wurden, und eine Woche darauf in Saudi-Arabien. „Wie immer beobachten wir solche Situationen aufmerksam und arbeiten eng mit den zuständigen Behörden zusammen„, zitierten Medien einen Sprecher der Formel 1.
Fußball: WM-Teilnahme des Iran in der Diskussion
Die Teilnahme der iranischen Nationalmannschaft an der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ist fraglich. Die WM wird ausgerechnet in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen. Nach den Worten von Mehdi Taj, Präsident des iranischen Fußballverbands, verheißt die Heftigkeit der Angriffe durch US-amerikanische und israelische Streitkräfte nichts Gutes für die WM.
Er sprach zwar nicht von einem Boykott, kündigte jedoch an, dass hochrangige iranische Sportfunktionäre die Lage bewerten würden, bevor über Maßnahmen entschieden werde. Bislang hat sich kein iranischer Funktionär öffentlich zu einem Rückzug aus dem Turnier geäußert.
Mehrere von militärischen Angriffen bedrohte Fußballverbände reagierten auf die Eskalation. So bekommt beispielsweise Julian Draxler mit seinem katarischen Verein Al-Ahli SC die Auswirkungen der gegenseitigen Angriffe unmittelbar zu spüren. Wie der katarische Fußballverband am Sonntag bekannt gab, werden die Spiele in der Stars League auf unbestimmte Zeit verschoben.
Erstmal kein Fußball: Julian Draxler im Trikot des katarischen Klubs Al-Ahli
Ebenfalls vorerst abgesagt ist ein Spiel von Cristiano Ronaldos Fußball-Klub Al Nassr. Das Team aus Saudi-Arabien sollte eigentlich im Rahmen der Champions League Two in dieser Woche bei Al Wasl in Dubai antreten.
Auch das als „Finalissima“ bekannte Duell zwischen dem Weltmeister und dem Copa-America-Sieger steht auf der Kippe: Spanien und Argentinien sollen am 27. März in Doha, Katar aufeinandertreffen. Der katarische Fußballverband aber hat „bis auf Weiteres“ alle Fußballaktivitäten im Land ausgesetzt. Über eine Verlegung des Spiels wurde noch nicht entschieden.
Tennis: Abreise aus Dubai als Herausforderung
Nach dem Ende des ATP-Turniers in Dubai befinden sich laut Berichten 40 beteiligte Personen noch in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dazu zählen Offizielle, Turniermitarbeiter und auch die Profis Daniil Medwedew, Andrej Rublew und Tallon Griekspoor. Alternative Ausreisen über den Landweg in den Oman oder Saudi-Arabien haben sie offenbar vorerst abgelehnt.
Eine rechtzeitige Ankunft beim nächsten Turnier in Indian Wells dürfte für Medwedew und Co. eng werden. „Niemand weiß, wann wir starten können„, sagte Medwedew laut Medienberichten: „Es ist unklar, ob es lange dauern wird oder nicht. Wir warten einfach ab, was in den nächsten Stunden und Tagen passiert.“
Daniil Medwedew beim ATP-Turnier in Dubai
Reitsport: Millionen-Turnier abgesagt
Der Auftakt der Reitsport-Serie „Global Champions Tour“ in Katar ist wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten abgesagt worden. Diese Entscheidung sei „nach sorgfältiger Abwägung der Luftraumbeschränkungen, der Reisezeitpläne der Teilnehmer und der allgemeinen betrieblichen Einschränkungen getroffen“ worden, hieß es in einer Mitteilung. Ursprünglich sollte die Saison der weltweit höchstdotierten Turnierserie vom 4. bis 7. März eröffnet werden. Für das Turnier war ein Preisgeld von knapp einer Million Euro vorgesehen.
In der Mitteilung heißt es außerdem, dass „alle Pferde und Personen, die sich derzeit vor Ort befinden, wohlauf sind„. Unter anderem sind Pferde und Mitarbeiter der Deutschen Janne Friederike Meyer-Zimmermann, Christian Ahlmann, Philipp Weishaupt und Hans-Dieter Dreher dort. Die Reiter selbst sind in Deutschland und wollten am Wochenende nach Katar fliegen.
Basketball: Chaos beim Euroleague-Spielplan
Die kriegerischen Auseinandersetzungen wirken sich auch auf die Euroleague aus. So musste die für Dienstag geplante Partie zwischen Hapoel Tel Aviv und Paris Basketball abgesagt werden. Auch das für Donnerstag geplante Euroleague-Spiel zwischen Partizan Belgrad und Dubai Basketball kann aufgrund der eingeschränkten Reisefähigkeit der Basketballer aus Dubai zunächst nicht stattfinden.
Justin Anderson im Trikot der Basketballer des Dubai BC
Ein Turnier der Nachwuchsliga NextGen Euroleague in Abu Dhabi fiel schon aus. Und auch der Weltverband FIBA sah sich gezwungen zu handeln: Alle vier Spiele der Asien-Quali für die Weltmeisterschaft 2027 in Katar können vorerst nicht ausgetragen werden.
Paralympics: Anreise beeinträchtigt, IPC beobachtet die Lage
Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) wies in einer aktuellen Stellungnahme darauf hin, dass die Sperrung des Luftraums im Nahen Osten die Anreise einiger Beteiligter beeinträchtige. Vier Tage vor der offiziellen Eröffnungsfeier der Spiele am Freitag (06.03.2026) in Verona möchte sich das Komitee zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht zum Status einzelner Delegationen oder Akteure äußern, hieß es weiter.
Man könne jedoch versichern, dass gemeinsam mit dem Organisationskomitee intensiv an Lösungen für die Betroffenen gearbeitet werde. Viele Teams befänden sich bereits zu Trainingszwecken oder in Vorbereitungslagern in Europa. Zudem beobachte das IPC die Entwicklung und Lage im Zusammenhang mit den Raketenangriffen im Nahen Osten genau und prüfe mögliche Folgen für die Paralympics.
