Formel 1: Ferraris Durststrecke seit 2007 – warum die Tifosi hoffen (dürfen)

Lewis Hamilton beim Testfahrten auf dem Bahrain International Circuit

Stand: 02.03.2026 • 23:11 Uhr

Ferrari hat bei den Testfahrten zur neuen Saison in der Formel 1 überrascht. Ein WM-Titel scheint möglich zu sein. Die Tifosi dürfen hoffen – nach einer Durststrecke von fast 20 Jahren.

Es sind die kleinen Momente, die manchmal so entscheidend sein können: Als Lewis Hamilton am vorletzten Tag der zweiten Formel-1-Testwoche den Heckflügel seines Ferrari-Boliden auf der Geraden halb um die eigene Achse rotieren lässt, staunen Experten und Fans. Ein findiger Technik-Trick inmitten von Umstellungen, die die Königsklasse des Motorsports ohnehin vor viele Fragezeichen stellt.

Eine – tatsächlich ernst gemeinte – Frage kam in diesem Moment dazu: Ist die Scuderia etwa konkurrenzfähig, gar ein Team für die Spitze?

Der Sinn dahinter ist simpel: Auf den Geraden können Formel-1-Boliden ihren Heckflügel flach stellen, um den Luftwiderstand so weit wie möglich zu reduzieren. Die Größe dieser Lücke ist im Reglement aber nicht vorgeschrieben – Ferrari nutzt mit seinem Technik-Trick genau das aus.

Ob das alleine schon reicht, um die Konkurrenz in der am Sonntag startenden Saison hinter sich zu lassen, ist fraglich. Aber die Szene hat für jene Fans, die ihr Herz an die Scuderia verloren haben, die sogenannten Tifosi, auch eine Symbolkraft: Mit Ferrari ist wieder zu rechnen.

Anspruch und Realität klaffen weit auseinander

Seit 19 Jahren wartet der stolze Rennstall auf einen WM-Titel. Seit Kimi Räikkönen 2007 haben es die Großen des Sports immer wieder versucht: Fernando Alonso, Sebastian Vettel, seit 2019 Charles Leclerc und seit der letzten Saison eben auch der siebenfache Weltmeister Hamilton – allesamt ohne Erfolg.

Viel schlimmer noch: Anspruch und Realität klafften in den vergangenen Jahren oftmals so weit auseinander, dass viele nichts als Spott übrig hatten für ein hochgradig verunsichertes Team auf allen Ebenen. Das Auto war zu unbeständig und abhängig vom Streckenprofil, die Fahrer nicht fehlerfrei, die Renningenieure leisteten sich teil unerklärliche Taktikfehler.

All das war – zwar in deutlich abgeschwächter Form, aber dennoch – auch im vergangenen Jahr zu beobachten. So sehr, dass Teamchef Fred Vasseur, selbst erst seit 2023 im Amt, wackelte. Leclerc wurde schließlich Fünfter in der Fahrerwertung, Hamilton sogar nur Sechster. Das Team war nur viertstärkste Kraft.

Spott nach erster Ausfahrt in Fiorano

Als das Auto von Hamilton bei der ersten öffentlichen Ausfahrt Anfang Februar 2026 auf der hauseigenen Strecke in Fiorano liegenblieb, war der Spott schon vor Saisonstart wieder da. Auch Experten und Insider erwarteten vor den offiziellen Testfahrten nicht allzu viel von den Italienern. Ganz im Gegensatz zu Mercedes oder McLaren.

Was also haben die Testtage in Bahrain und Barcelona gezeigt? Mit Ferrari wird zu rechnen sein. Betrachtet man die letzte der drei Wochen isoliert, könnte man sogar zu dem Schluss kommen, dass Ferrari das beste Paket mitbringt aus Auto, Motor und zwei hervorragenden Fahrern. Leclerc legte die besten Rundenzeiten hin, Hamilton schoss bei einem Teststart an allen vor ihm liegenden Autos vorbei – von Rang neun auf eins bis zur ersten Kurve.

Die Tifosi hoffen. Und sie hoffen zurecht. Ferrari hat in der Entwicklung der völlig neuen Boliden in der Formel 1 einen guten Job gemacht. Das ist vor dem Start in Melbourne am Sonntagmorgen (08.03.26, ab 5 Uhr im Liveticker bei sportschau.de) klar. „Es ist inspirierend zu sehen, wie ein Team alle Register zieht, um ein Auto zu bauen. Das ist für mich der faszinierende Teil dieses Jobs“, sagte Hamilton kürzlich voller Erwartung an die neue Saison: „Ich habe ein Reset gemacht und bin voller Energie.“

Eine Saison voller Fragezeichen

Der Moment des Starts in Melbourne wird der erste von vielen entscheidenden in der neuen Saison sein – und endlich auch belastbare Einschätzungen möglich machen für eine Saison voller Fragezeichen. Mindestens bis dahin dürfen die Tifosi hoffen.