Ein „Star-Stylist“ behauptet, Zendaya und Tom Holland hätten geheiratat – Panorama

Neben dem Handwerk der Frisierkunst stehen auch die Gilde der Nagelpfleger sowie die Vertreter der modernen Stilistik gelegentlich unter dem Verdacht einer gewissen Schwatzhaftigkeit. Ja, in Sachen Zurückhaltung könnten sich manche dort schon etwas abschauen von Vertretern anderer wichtiger Fachbereiche wie Medizin (Schweigepflicht!), Jura (Vertraulichkeit!), Theologie (Beichtgeheimnis!) und Journalismus (Quellenschutz!).

Wie mehrere Friseurzeitschriften jetzt übereinstimmend berichten, hat ein „Star-Stylist“ der internationalen Öffentlichkeit von einem roten Teppich in Hollywood aus soeben mitgeteilt, die Schauspielerin und Sängerin Zendaya habe ihren Freund und Berufskollegen Tom Holland geheiratet. Die Öffentlichkeit habe dieses wichtige Ereignis allerdings „verpasst“, was schade sei, denn: „Es ist absolut wahr!“

Sollte sich die These des Stilberaters als wahr herausstellen, so wäre dies ein schwerer Schlag für alle Klatschreporter. Bekommen die denn gar nichts mehr mit? Es könnte natürlich auch sein, dass sich der Trendberater, laut Bild soll es sich bei ihm um den „engsten Vertrauten“ Zendayas handeln, nur ein bisschen wichtig machen möchte. Es wird ja so viel getratscht, gerade in Hollywood. Und heißt es nicht schon in der berühmten „Verleumdungsarie“ im „Barbier von Sevilla“: „Und von Zungen geht’s zu Zungen, das Gerede schwellt die Lungen“?

Der „Schlag mit der Zunge“ kann schlimmer verletzen als der Schlag mit der Peitsche, wissen nicht zuletzt Bibel-Leser

Nun könnte man den Fall einfach auf sich bewenden lassen. Wen interessiert es schon, wem in Hollywood gerade was auch immer schwillt? Dass „der Schlag mit der Zunge“ schlimmere Verletzungen auslösen kann als der Schlag mit der Peitsche, das weiß der interessierte Leser ja schon aus dem Buch Jesus Sirach (28,17).

Nun aber taucht quasi zeitgleich mit der Meldung aus Hollywood auch noch diese wichtige Nachricht auf: Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos) soll auf einer Veranstaltung im Landkreis Sigmaringen ausgeplaudert haben, Cem Özdemir, Spitzenkandidat der Grünen in Baden-Württemberg, habe auf seiner eigenen Hochzeit beinahe keinen Brautstrauß mit dabeigehabt.

Der Frischvermählte Cem Özdemir und der Standesbeamte Boris Palmer bei einer Wahlkampfveranstaltung der Grünen in der Ostracher Buchbühlhalle.
Der Frischvermählte Cem Özdemir und der Standesbeamte Boris Palmer bei einer Wahlkampfveranstaltung der Grünen in der Ostracher Buchbühlhalle. (Foto: Felix Kästle/Felix Kästle/dpa)

Bei Palmer handelt es sich um jenen Mann, der am vergangenen Valentinstag Herrn Özdemir und seine Frau Flavia Zaka am Standesamt Tübingen vermählte. Würde man sich von einem Standesbeamten nicht etwas mehr Zurückhaltung erhoffen? Wie Herr Palmer weiter ausführte, habe er im letzten Moment noch über seine Ehefrau Herrn Özdemir einige rote Rosen besorgen lassen, die dieser schließlich seiner Braut überreicht habe. Das Geld, so Palmer abschließend, habe er bis heute nicht wieder zurückbekommen.

Vor diesem Hintergrund erscheint es an dieser Stelle vielleicht angebracht, noch einmal zu erwähnen, dass es sich bei Geschwätzigkeit zwar nicht um eine „Todsünde“ handelt (es sei denn, sie wird von Hochmut oder Ähnlichem angetrieben), dass aber von Plutarch bis Udo Walz große gesellschaftliche Einigkeit darüber herrscht, dass gerade die indiskrete Ratschkathelei lieber zu unterlassen wäre. Oder, wie der berühmte Stuttgarter Philosoph Winfried Kretschmann einmal sagte: „Wir bleiben auf dem Teppich, auch wenn der Teppich fliegt.“