Im März beginnt der Frühling – und auch wenn die Meteorologen schon den ganzen Monat zur milden Jahreszeit zählen, gilt für Astronomen der 20. März als Startpunkt für das wärmere Halbjahr auf der Nordhalbkugel. In diesem Moment, dieses Jahr exakt um 15.45 Uhr, überschreitet die Sonne den Himmelsäquator von Süd nach Nord. Der März ist astronomisch also ein Monat des Übergangs. Das sehen wir auch auf der Himmelskarte, die für die Monatsmitte und 22 Uhr Ortszeit berechnet ist. Der Meridian teilt die Sterne in zwei gerechte Hälften: Die westliche Hemisphäre gehört noch den Wintersternbildern Orion, Stier, Fuhrmann, Zwillinge sowie dem Kleinen und Großen Hund – das Wintersechseck ist noch vollzählig.
Im Osten sind mit dem Löwen, dem Bärenhüter (Bootes) und der Jungfrau aber schon die drei klassischen Frühlingskonstellationen aufgegangen. Im Laufe der nächsten Wochen verschiebt sich das Bild zunehmend zugunsten dieser drei. Sie rücken bei gleicher Uhrzeit in Richtung Meridian, während sich die Wintersterne immer mehr dem Westhorizont und damit ihrem Untergang nähern.
Einer der hellsten Frühlingssterne steht im März im Mittelpunkt des Interesses: Regulus, der Hauptstern des Sternbilds Löwe. Regulus (der Name ist eine Verniedlichung des lateinischen Begriffs „Rex“ und bedeutet so viel wie „kleiner König“ oder „Prinz“) wird am Abend des 29. März vom Mond bedeckt: Für etwa eine Stunde schiebt er sich vor den Stern. Weil Regulus zu den hellsten Sternen zählt, lässt sich das Ereignis trotz der fortgeschrittenen Mondphase womöglich mit bloßem Auge verfolgen, ganz sicher aber mit einem ruhig gehaltenen Fernglas oder einem kleinen Teleskop.
Ihm kommen immer wieder Sterne in den Weg
Sternbedeckungen durch den Mond kommen jede Nacht vor. Auch wenn der Mond auf den ersten Blick gemeinsam mit den Fixsternen der scheinbaren Himmelsdrehung von Ost nach West folgt, bewegt er sich natürlich tatsächlich um die Erde und damit vor den fest am Firmament stehenden Sternen hinweg. Diese „Eigenbewegung“ ist gar nicht so langsam. In nur einer Stunde schiebt sich der Mond um seinen eigenen Winkeldurchmesser weiter, und zwar von West nach Ost, der Drehung des Himmels entgegen. Da dieser Durchmesser einem halben Winkelgrad entspricht, kommen ihm immer wieder Sterne, seltener auch Planeten, in den Weg.

Nur wenige Sterne sind allerdings hell genug für wirklich spektakuläre Bedeckungen. Regulus ist nur einer von fünf Sternen der ersten bis zweiten Größenklasse, die vom Mond erreicht werden können. Die anderen sind Spica in der Jungfrau, Antares im Skorpion sowie Aldebaran und Elnath im Stier. Die Mondbahn konzentriert sich um die Umlaufebene der Erde um die Sonne, die Ekliptik (auf der Karte als gestrichelte Linie markiert), und weicht von dieser niemals mehr als etwa fünf Grad nach Norden oder Süden ab. Damit können nur Sterne innerhalb eines schmalen Korridors um die Ekliptiklinie vom Mond bedeckt werden. Kastor und Pollux in den Zwillingen, ebenfalls recht nahe der Ekliptik gelegen, sind von ihr schon zu weit entfernt.
79 Lichtjahre entfernt
Die Regulus-Bedeckung am 29. März ist die einzige dieses Sterns, die man bei dunklem Himmel bis 2040 von Deutschland aus sehen kann. Wenn an jenem Abend um 19.52 Uhr die Sonne untergeht, findet man den Mond im zweiten Viertel zunehmend im Südosten. Regulus erscheint wenig später direkt östlich des an diesem Abend schmalen, unbeleuchteten Mondrands, also links unterhalb des Mondes. Mit einem Fernglas erkennt man ihn schon in der Dämmerung. Dann heißt es aufpassen: Schon um 20.22 Uhr, noch während der Dämmerung, verschwindet Regulus urplötzlich und ohne Vorwarnung – wer im falschen Augenblick wegschaut, verpasst den entscheidenden Moment!
Zwar ist der Stern viermal größer als die Sonne. Er ist aber auch 79 Lichtjahre entfernt, erscheint also nur als unauflösbar kleiner Punkt. Auch hat der Mond keine Atmosphäre, die Regulus’ Licht vor dem Verschwinden am Mondrand abdunkeln könnte. Die genannte Uhrzeit gilt für Frankfurt. Da der Mond relativ nah ist, erscheint er an anderen Orten unter leicht verschiedenen Blickwinkeln. Der Moment des Eintritts kann etwas früher oder später stattfinden. Das gilt auch für den Austritt, der in Frankfurt um 21.30 Uhr erfolgt, am gegenüberliegenden hellen Mondrand aber nur im Fernrohr zu sehen ist.
Von den Planeten bestimmt im März weiterhin der Jupiter das Geschehen. Er leuchtet unübersehbar hell in den Zwillingen. Am 11. März kehrt der Riese seine Bewegungen vor dem Fixsternhimmel auf „rechtläufig“ um – wandert also wieder von West nach Ost, wie der Mond. Dieser Moment markiert den Zeitpunkt, an dem die Erde ihr Überholmanöver des weiter außen kreisenden Jupiters abgeschlossen hat. In den nächsten Wochen bekommt er zunehmend Gesellschaft beziehungsweise Konkurrenz: Im Westen (auf der Karte noch nicht zu sehen) taucht die nochmals hellere Venus auf; zunächst zaghaft, da tief am hellen Abendhimmel, dann immer auffälliger.
Venus wird zum hellen „Abendstern“, während sich Saturn schon zum Monatsanfang von der Himmelsbühne verabschiedet. Der Ringplanet taucht in die Dämmerung ab und nähert sich an der Himmelssphäre der Sonne. Eine allerletzte Gelegenheit für einen Abschied ergibt sich vielleicht am Abend des 8. März. Dann nämlich passiert ihn die Venus in sehr engem Abstand – allerdings in der Abenddämmerung und beobachtbar nur unter klarstem Himmel und mit optischer Unterstützung.
Sonne: 1. März, Sonnenaufgang 7.09 Uhr; Sonnenuntergang 18.07 Uhr; 31. März, Sonnenaufgang 7.04 Uhr, Sonnenuntergang 19.56 Uhr.
Mond: 3. März, 12.38 Uhr: Vollmond; 11. März, 10.39 Uhr: Letztes Viertel; 19. März, 2.24 Uhr: Neumond; 25. März, 20.18 Uhr: Erstes Viertel.
