Opec+ erhöht FördermengeÖlpreis steigt um zehn Prozent – und soll weiter steigen
01.03.2026, 15:39 Uhr
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Nicht der Angriff auf den Iran lässt die Ölpreise steigen. Es ist vor allem die Sperrung der Straße von Hormus, die den Transport von Öl über das Meer behindert. Der Rohstoff dürfte noch teurer werden, eine Entscheidung der Opec+ wird daran nichts ändern.
Die Eskalation im Nahen Osten lässt den Ölpreis steigen: Nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran stieg der Preis der Nordseesorte Brent im außerbörslichen Handel um zehn Prozent auf rund 80 Dollar je Barrel, wie Ölhändler mitteilten. Analysten prognostizierten, dass der Preis auf 100 Dollar oder mehr klettern könnte.
„Während die Militärschläge selbst die Ölpreise stützen, ist hier der entscheidende Faktor die Schließung der Straße von Hormus“, sagte Ajay Parmar vom Analysehaus ICIS.
Der Iran hatte Schiffen die Durchfahrt durch die Wasserstraße verboten, über die Öl aus mehreren Förderländern exportiert wird. Die meisten Tanker-Eigner, Ölkonzerne und Handelshäuser setzten daraufhin ihre Lieferungen aus, wie aus Handelskreisen verlautete. Über die Straße von Hormus werden mehr als 20 Prozent des weltweiten Öls transportiert. Nach staatlichen Angaben aus dem Oman wurde im Bereich der Meeresenge ein Öltanker vom Iran angegriffen.
„Wir erwarten, dass die Preise nach dem Wochenende deutlich näher an 100 Dollar pro Barrel eröffnen und dieses Niveau möglicherweise überschreiten, wenn die Sperrung der Wasserstraße andauert“, sagte Parmar. Auch Analysten von RBC und Barclays halten einen Preis von 100 Dollar für möglich.
Die dänische Reederei Maersk teilte mit, sie leite Schiffe um das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas um. Betroffen seien die Routen vom Nahen Osten und Indien ins Mittelmeer sowie zur US-Ostküste. Zukünftige Fahrten auf der Trans-Suez-Route durch die Meerenge Bab al-Mandab würden vorerst ausgesetzt. Die Annahme von Fracht für die Nahost-Region werde jedoch fortgesetzt.
Opec+ hebt Fördermenge an
Das Ölkartell Opec+ beschloss derweil eine Anhebung der Fördermenge um 206.000 Barrel pro Tag ab April. Dies entspricht weniger als 0,2 Prozent der weltweiten Nachfrage. Selbst nach der Umleitung einiger Ölmengen durch Pipelines würde die Schließung der Meerenge einen Verlust von acht bis zehn Millionen Barrel Rohöl pro Tag bedeuten, sagte der Rystad-Ökonom Jorge Leon.
Die Gruppe, die von Saudi-Arabien und Russland angeführt wird, erwähnte den jüngsten Krieg im Nahen und Mittleren Osten mit keinem Wort. Stattdessen wurde die Produktionserhöhung mit dem stabilen Ausblick der globalen Wirtschaftslage und niedrigen Ölvorräten erklärt. Analysten der Commerzbank hatten eine Erhöhung von etwa 137.000 Barrel erwartet. Zuletzt hatten die acht Staaten ihr Förderziel im Dezember um diese Menge nach oben geschraubt. Im ersten Quartal 2026 sollte die Förderung nicht mehr ausgeweitet werden.
Die Staaten der Opec+ könnten zwar Ausfälle aus dem Iran ausgleichen, doch sie haben nicht genug freie Produktionskapazitäten, um eine Hormus-Blockade wettzumachen, warnten die Analysten der Commerzbank kurz vor Beginn der jüngsten Eskalation.
