

Und dann kommt der Tag, an dem man versteht, dass man im erholsamen Nichtstun schlechter ist als Prinzessin Margaret. Die sonst nicht viel erreicht hat. Aber leere Tage angenehm verbringen, das konnte sie wirklich. Der Urlaub des Arbeitnehmers hingegen war neulich mit Terminen gefüllt. Im Büroalltag ließen sie sich eben schlecht unterbringen. Margaret wäre ein solches Vorgehen nie eingefallen.
Sie wachte stattdessen an einem beliebigen Tag um 1955 herum gegen neun Uhr auf und verbrachte die nächsten zwei Stunden mit Tee, Frühstück, Zeitungslektüre und Radiohören. Aufstehen musste sie dafür nicht, Getränk und Tablett wurden an ihr Bett gebracht. Vermutlich lagen lediglich die Zigaretten, denen sie schon am Vormittag zusprach, in Griffweite auf dem Nachttisch.
Besser, man geht ins Büro
Gegen elf ging es dann hinüber ins Badezimmer, wo die Zofe das Wannenbad schon eingelassen hatte. Es folgten Ankleiden und Frisieren. Um halb eins tat die Prinzessin einen mutigen Schritt hinunter in die Empfangsräume des Hauses und nahm eine wodkahaltige kleine Stärkung zu sich, ehe um eins das aus vier Gängen bestehende Mittagessen für sie und ihre Mutter serviert wurde, bei der sie zu dieser Zeit noch wohnte. Dazu genoss jede der beiden Frauen eine halbe Flasche Wein.
Und so geht es weiter, mit Ausruhen vom Essen und Trinken und dem schließlichen Fertigmachen für abendliche Verpflichtungen, die am nächsten Morgen ein Erholen im Bett bis neun Uhr erfordern.
Gewiss, Margaret war drei Jahre nach der Thronbesteigung ihrer Schwester Elisabeth noch immer in den Luftwaffenpiloten und Palastangestellten Peter Townsend verliebt und unglücklich darüber, dass Regierung und Klerus von einer Ehe mit dem geschiedenen Mann nichts hielten. Sie langweilte sich.
Aber sie beherrschte die Kunst des Müßiggangs auch Jahrzehnte später auf der Karibikinsel Mustique. Craig Browns 2017 veröffentlichte, sehr boshafte Biographie „Ma’am Darling“ enthält viele Beispiele dafür, wie gewandt sie sich später unter Künstlern bewegte, mit denen sie eine gute Zeit haben konnte.
So lange, bis sie das Gefühl bekam, sich zu weit herabgelassen zu haben. Woraufhin sie hochfahrend, beschränkt und borniert reagierte. Was sie mit ihrem Neffen Andrew gemein hat. Der Epstein-Prinz zeigt die Gefahren königlichen Nichtstuns auf verbrecherische Manier. Es ist also wohl doch besser, keine Zeit für Dummheiten zu haben, einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen und keine Dienstboten zu beschäftigen. Aber es bleibt der kleine Neid auf die gewissenlose Bequemlichkeit.
