Bundesliga aktuell: Bremen gewinnt, Gladbach jubelt spät – Sport

Bevor es am Samstagabend zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern zum vielleicht letzten Mal in dieser Saison um so etwas wie Spannung im Kampf um die Meisterschaft geht, stand der Abstiegskampf im Fokus. Werder Bremen gewann beim 2:0 gegen Heidenheim zum ersten Mal seit dem 7. November ein Bundesligaspiel, der FC St. Pauli schlug überraschend Hoffenheim mit 1:0.

Schon am Freitagabend hatte sich der FC Augsburg auf Rang neun mit einem 2:0 gegen den 1. FC Köln wohl aller Abstiegssorgen entledigt. Von Rang zehn an braucht aber jeder noch dringend Punkte, um drinzubleiben. Nach einem 0:1 in Mönchengladbach sogar der Zehnte Union Berlin. Und zumindest bis zum Sonntag belegt der VfL Wolfsburg einen direkten Abstiegsplatz. Alle Ergebnisse finden Sie hier.

Werder Bremen hat tatsächlich zwei Tore geschossen und ein Spiel gewonnen?

Ja, mit sehr langem Anlauf. In der ersten Hälfte musste man die Bremer Chancenverwertung noch eher Chancenvereitlung nennen. Zuerst jubelte das Stadion schon über das vermeintliche erlösende Führungstor. Aber während Olivier Deman den Ball stolpernd im Heidenheimer Tor untergebracht hatte, war Jovan Milosevic Torhüter Frank Feller im dadurch nicht mehr passiven Abseits in die Parade gefahren – Schiedsrichter Florian Badstübner gab den Treffer nicht (29.). Auftritt Milosevic Nummer zwei: Nach schöner Vorarbeit von Romano Schmid grätschte er den Ball im Fünfmeterraum am leeren Tor vorbei (36.). Und schließlich dribbelte Schmid Feller (den Ersatz für den verletzten Diant Ramaj) aus, schoss dann aber an den Außenpfosten und im zweiten Versuch ans Außennetz (45.+2).

Den muss man erst mal danebenschießen: Jovan Milosevic vergibt gegen Heidenheim grätschend die größtmögliche Torchance.
Den muss man erst mal danebenschießen: Jovan Milosevic vergibt gegen Heidenheim grätschend die größtmögliche Torchance. (Foto: Stuart Franklin/Getty Images)

Falls es noch Belege bedurfte, dass Werder Bremen vor allem wegen einer grotesk schwachen Offensive gegen den Abstieg kämpft – da waren sie. Denn überlegen war Werder gegen den Tabellenletzten zweifellos, die Ballbesitzwerte gingen zeitweilig auf die 70 Prozent zu. Und auch der Unterstützung der Fans konnten sich die Bremer gewiss sein: Der Ultra-Vorsänger hatte vor dem Anpfiff eigens eine Rede gehalten, um daran keine Zweifel aufkommen zu lassen.

In der zweiten Halbzeit hatte Milosevic dann Auftritt Nummer drei, nach schöner Flanke von Schmid traf er per Kopf, diesmal war alles regelgerecht (57.). Heidenheim musste nun angesichts von acht Punkten Rückstand auf Werder auf dem Relegationsplatz 16 mehr tun, aber fing sich stattdessen einen Konter in der Nachspielzeit, und jetzt hatte Bremen plötzlich Glück: Justin Njinmah vergab vor Feller, aber der Ball flog vom Kopf von Verteidiger Hennes Behrens trotzdem ins Tor. Und Daniel Thioune gelang im vierten Versuch sein erster Sieg als Werder-Trainer.

Ist ein 17-Jähriger jetzt Gladbachs Hoffnungsträger im Abstiegskampf?

Schon bemerkenswert, dass Borussia-Trainer Eugen Polanski seinem Talent Wael Mohya ausgerechnet in dem so elementar wichtigen Heimspiel gegen Union Berlin erstmals einen Einsatz in der Startelf spendierte. Und der junge Mann machte und tat, dribbelte und trickste, holte Freistöße heraus und lief Spalier als Rocco Reitz in der 65. Minute den vermeintlichen Führungstreffer durch Kevin Diks vorbereitete. Dummerweise stand Reitz hauchzart im Abseits, er hätte die Kugel also besser dem 17-Jährigen überlassen sollen.

Die Gladbacher bissen sich so manches Mal an den Eisernen die Zähne aus, hatten eine Vielzahl an Gelegenheiten. Etwa gleich zu Beginn, als Christopher Trimmel nach einem Fehler von Torwart Frederik Rönnow in höchster Not für die Berliner rettete. Jener Trimmel, dessen Rückennummer 38 seit dieser Woche nicht mehr aktuell ist – der Österreicher ist nun nämlich schon 39 Jahre alt. Er könnte damit der Vater von Mohya sein, dem neuen Hoffnungsträger der Fohlen-Elf. Dieser wiederum ist 16 Jahre älter als ein echtes Fohlen, der Veterinär benutzt die Bezeichnung nämlich nur bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres eines Pferdes. Aber das nur am Rande.

Viel wichtiger: Die Borussia hat durch den späten Elfmeter von Diks dann doch noch das 1:0 erzielt und nach sieben sieglosen Spielen den Abwärtstrend gestoppt. Der Videoschiedsrichter griff korrigierend ein und verlegte den Ort des Fouls von Stanley Nsoki an Hugo Bolin in den Strafraum. Womit Gladbach ein paar Plätze zwischen sich und die rote Zone legte. Ob Polanski damit wohl seinen Job rettete? Aber nein! Eine Trainerdiskussion gebe es gar nicht, versicherte Geschäftsführer Sport Rouven Schröder schon vor der Beinahe-Nullnummer gegen Union.

17 Jahr, langes Haar: Wael Mohya feiert sein Debüt für Mönchengladbach.
17 Jahr, langes Haar: Wael Mohya feiert sein Debüt für Mönchengladbach. (Foto: Van der Velden/Imago/Fotostand)

Verliert die Überraschungsmannschaft Hoffenheim jetzt auch mal überraschend im Kampf um die Champions-League-Plätze?

Die Ausgangslage war jedenfalls deutlich: Der Dritte traf auf den Drittletzten. Doch die Kraichgauer scheiterten trotz einer überlegen geführten ersten halben Stunde daran, die Hamburger zu knacken. Selbst der alte Fuchs Andrej Kramaric schaffte es nicht, Nikola Vasilj zu überwinden, seinen Heber parierte der St.-Pauli-Torwart ebenso wie den Nachschuss von Grischa Prömel (11.). Und Vasilj riskierte immer wieder Kopf und Kragen, etwa als er selbst eine Spieleröffnung in den Sand setzte und Sekunden danach böse mit Prömel zusammenrasselte.

Nach und nach kamen die Kiez-Kicker besser ins Spiel – und unmittelbar vor der Pause zum Führungstor: Ein schneller Angriff über die rechte Seite, perfekte Flanke von Anatolis Saliakos und ein Kopfball von Mathias Pereira Lage, dessen Kernkompetenzen eigentlich anderswo liegen – schon führte der Außenseiter. Und war in Durchgang zwei zwar einige Mal in höchster Gefahr, doch es fehlte Hoffenheim diesmal an Durchschlagskraft. Erstmals in diesem Kalenderjahr blieb das Team von Trainer Christian Ilzer ohne eigenen Torerfolg. St. Pauli sammelte derweil innerhalb von sieben Tagen sechs Punkte ein und verbesserte seine Ausgangsposition im Abstiegskampf ein ganzes Stück.

Und Urs Fischer führt Mainz aus der Abstiegszone heraus?

Wäre da nicht die erstaunliche Bilanz des FC Augsburg unter Manuel Baum (Rückrunden-Tabellenplatz zwei) wäre der Schweizer Fischer der Kandidat für den Titel des Trainers der Stunde. In Leverkusen gelang zum dritten Mal ein Punktgewinn auswärts bei einem Champions-League-Kandidaten (wobei die Chancen für Bayer 04 diesbezüglich langsam schwinden, sollte Stuttgart am Sonntag Wolfsburg schlagen). Mainz ist aktuell Rückrunden-Siebter.

Zum 1:0 für die Gäste traf mit einem schönen Volley Sheraldo Becker, den die Mainzer vor allem deshalb aus Osasuna ausgeliehen haben, weil Fischer ihn aus gemeinsamen Zeiten bei Union Berlin kannte und schätzte. Leverkusen kam in der 88. Minute nur noch zum Ausgleich durch Jarell Quansah.

Mann des Tages in Leverkusen war aber Schiedsrichter Tobias Stieler mit einem gewagten Auftritt nach VAR-Entscheid. „Wir haben einen möglichen Strafstoß für Leverkusen überprüft, die Bilder zeigen ein klares Handspiel“, sprach er in der ersten Halbzeit am Mikrofon zum Stadionpublikum – und setzte dann die Pointe: „Gleichwohl: In der Angriffsphase zuvor lag eine Abseitsstellung von Nummer 20 Leverkusen vor. Finale Entscheidung: Abseits.“ Womit klar war: Auch die Schiedsrichter sorgen in diesem Bundesliga-Abstiegskampf weiterhin für Unterhaltung.