Am Anfang war da dieser eine Satz, erzählt Vinay Gupta, ein Satz seiner Mutter: „Ich verrate dir ein Geheimnis“, habe sie ihm gesagt: „Dein Opa hat jüdischen Familien geholfen, vor den Nazis zu fliehen.“ Die Geschichte, die der heranwachsende Vinay im nordindischen Bundesstaat Punjab von seiner Mutter und Tanten zu hören bekam, wirkte abenteuerlich. Sein Großvater reiste demnach 1938 ins ferne Europa, in eine Großstadt namens Wien. Dort lernte er Einheimische kennen, die staatlich verfolgt wurden und schlimmste Befürchtungen hatten. Einigen dieser Menschen half der indische Besucher aus ihrer Not. Er sorgte dafür, dass sie aus dem von Nazi-Deutschland einverleibten Österreich entkommen konnten: Sie sollten in der damaligen britischen Kolonie Indien als Fachkräfte arbeiten, und zwar für ihn, den Holzfabrikanten Kundan Lal Gupta. So entgingen mehr als ein Dutzend Juden dem Völkermord der europäischen Juden durch das rechtsextreme NS-Regime.
