

Ohne ihn würde Kopenhagen anders aussehen. Es gäbe keine „kleine Meerjungfrau“ und überhaupt eine ganze Reihe Denkmäler weniger in der dänischen Hauptstadt. Carl Jacobsen war nicht nur ein erfolgreicher Brauer und Sohn des Gründers der weltweit agierenden Carlsberg-Brauerei, sondern gleichfalls ein geschätzter Mäzen. Sein Herz schlug für Musik und Kunst.
Sein erstes Lagerbier braute Vater Jacob Christian Jacobsen noch im Keller seines Hauses. 1847 ließ er eine Fabrik außerhalb des Zentrums im heutigen Stadtteil Valby errichten. Er war Visionär, setzte auf die Wissenschaft, engagierte sich politisch und sozial. Die Firma benannte er nach seinem einzigen Sohn Carl und dem Hügel, auf dem sich der Brauereikomplex befindet. Seit 2008 produziert Carlsberg nicht mehr in Kopenhagen. Etliche Bauten wurden abgerissen. Stattdessen entstanden Wohn- und Bürohäuser mit Sporteinrichtungen und Geschäften im „Carlsberg City District“. Im Museum „Home of Carlsberg“ werden Besucher hinter alten Mauern multimedial rund ums Bierbrauen informiert und bekommen Einblicke in die Familien- und Stiftungsgeschichte der Jacobsens.
Carl sollte ein noch besserer Brauer werden als sein Vater. Deshalb schickte dieser ihn für vier Jahre nach Frankreich, Deutschland, Österreich und Schottland, um das Handwerk zu perfektionieren. 1871 kehrte der Sohn nach Dänemark zurück, wollte aber nicht dauerhaft in den väterlichen Betrieb eintreten. Er startete sein eigenes Unternehmen und nannte es „Ny (neu) Carlsberg“. Die beiden Männer entzweiten sich. Erst wenige Monate vor dem Tod des Vaters fanden sie wieder zueinander. 1906 wurde die alte mit der neuen Brauerei vereint. Carl hatte die soziale Ader seines Vaters geerbt. Seit seiner Kindheit war er im Elternhaus mit Kunstgegenständen, insbesondere mit Statuen von Bertel Thorvaldsen, konfrontiert. Er erweiterte die Sammlung und machte sie für die Öffentlichkeit zugänglich, indem er in der Nähe des Vergnügungsparks Tivoli mit staatlicher und städtischer Unterstützung die „Ny Carlsberg Glyptotek“ errichten ließ. Das Museum zeigt antike und moderne Plastiken sowie dänische und französische Gemälde.
Der klassizistische Bildhauer Bertel Thorvaldsen kam 1770 als Sohn eines isländischen Holzschnitzers, der für die dänische Marine tätig war, in Kopenhagen zur Welt. Schon früh half er seinem Vater und erhielt mit elf Jahren Unterricht an der Kunstakademie. Mit Mitte 20 bekam er ein Stipendium und ging nach Rom. Dort richtete er sein Atelier ein und blieb vier Jahrzehnte. Er hatte ein umfangreiches Netzwerk mit anderen, vor allem deutschen Künstlern, und mit finanzkräftigen Auftraggebern in seiner Heimatstadt und in vielen europäischen Orten. Eine seiner bekanntesten Statuen ist „der segnende Christus“. Er fertigte ihn für die Kopenhagener „Vor Frue Kirke“ (Frauenkirche). Während der napoleonischen Kriege griff die britische Flotte 1807 die Stadt an. Die Frauenkirche brannte aus. Architekt Christian Frederik Hansen erhielt den Auftrag, diverse zerstörte Gebäude und auch die Kirche wieder aufzubauen. Bertel Thorvaldsen war für die Innenausstattung verantwortlich. Neben der Christus-Figur aus Carrara-Marmor schuf er einen Taufengel und die zwölf Apostel, die das Kirchenschiff noch heller erstrahlen lassen.
Speziell die Christus-Skulptur wurde in diversen Ländern kopiert. Sie hielt Einzug auf unzähligen Friedhöfen und in Hunderte Kirchen. Bedeutende Bronze-Monumente aus der Hand des Bildhauers in Deutschland sind Kurfürst Maximilian I. von Bayern in München, Dichter Friedrich Schiller in Stuttgart und der Erfinder des modernen Buchdrucks, Johannes Gutenberg, in Mainz. Die zuvor angefertigten Gipsabgüsse sind im Thorvaldsens Museum ausgestellt. Als Bertel Thorvaldsen 1838 für immer aus Italien zurückkehrte, wurde er mit großen Ehren im Hafen empfangen. Seine Skizzen, Gipsentwürfe für Reliefs, Büsten und Statuen sowie seine Sammlungen von Abgüssen, Gemälden und Drucken zeitgenössischer Künstler vermachte er seiner Heimatstadt. 1848 eröffnete man das Thorvaldsens Museum neben dem Schloss Christiansborg. Vier Jahre zuvor war der 73-Jährige während einer Theatervorstellung zusammengebrochen und noch am selben Tag verstorben. Sein etwas schmuckloses Grab befindet sich im Innenhof des Museums.
Christian Frederik Hansen war einer der einflussreichsten Architekten des klassizistischen Stils in Dänemark und Norddeutschland. In Schleswig-Holstein, das zu der Zeit unter dänischer Verwaltung stand, entwarf er mehrere Gotteshäuser. Viele Kaufleute des damals ebenfalls dänischen Altonas (1938 nach Hamburg eingemeindet) ließen sich von Hansen entlang der Prachtstraße Palmaille repräsentative Wohnhäuser und an der Elbchaussee weiße Villen und Landhäuser gestalten. Was Altona den Namen „schöne Schwester Hamburgs“ einbrachte. Bestattet wurde der Architekt 1845 in der Grabkammer der Kopenhagener Holmens Kirche gegenüber von Schloss Christiansborg. Den abgebrannten Vorgängerbau hatte Hansen geplant. Davon erhalten ist nur noch die Schlosskirche.
Und wie kam die Stadt zu ihrer „Lille Havfrue“? Brauereibesitzer Carl Jacobsen hatte im Königlichen Theater eine Ballettaufführung des Märchens „Die kleine Meerjungfrau“ von Hans Christian Andersen gesehen. Er war so begeistert, dass ihm die Idee für ein dazu passendes Denkmal kam. Auch wenn die Skulptur seit 1913 häufig Vandalismus ausgesetzt war, konnte sie jedes Mal restauriert werden. Einsam, aber selten allein kauert die nur 125 Zentimeter große Bronzefigur im Hafen auf einem Granitstein und ist das Wahrzeichen Kopenhagens.
Die Reise wurde teilweise von Visit Denmark unterstützt.
