Schweizer Alpen: Bergblicke und Gastfreundschaft im Bildband „Off to the Alps“ – Reise

Wie groß wäre wohl die Schweiz, könnte man ihre Oberfläche glatt ziehen, bis sie leidlich so eben wäre wie zum Beispiel die Niederlande? Es steckt unglaublich viel Landschaft in den Auffaltungen der Alpen. Wenn man eine der Passstraßen in der Schweiz befährt oder mit einem der Züge unterwegs ist auf Strecken, die bis tief hinein in und weit hinauf auf die Berge führen, eröffnet sich hinter jeder Kurve und jeder Kehre eine neue Perspektive. Ein ungeahnter, überraschender Blick auf Felsmassive oder Gletscher, in Schluchten oder Täler, auf Dörfer und repräsentative Bauten. Mit je speziellen Eigenarten, Lichtverhältnissen, Atmosphären.

Isabella und Mike Rabensteiner, sie Autorin, er Fotograf und beide Grafikdesigner, haben die Alpenpässe der Schweiz befahren für ihren Bildband „Off to the Alps – Schweiz“, ihrem zweiten Buch nach dem „Off to the Alps“-Erstling über Italien. Grundlage dieser Veröffentlichungen ist ihre Plattform Montamont A.T.C., wobei die Abkürzung für Alpine Travel Culture steht. Ihr Begriff von alpiner Reisekultur ist eine Verbindung der spektakulären Gebirgstopografie mit einer Behaglichkeit im „urbanen Geist“, wie es im Vorwort heißt. „Wir sind Alpinisten einer anderen Art“, so beschreibt Isabella Rabensteiner sich und all jene, für die sie und ihr Mann Hotels und Restaurants kuratieren, die ein besonderer Charme – und oft auch Luxus – auszeichnet.

Blick aus dem Fenster des letzten Wagens auf der Zugstrecke über den Oberalppass zwischen Andermatt und Sedrun.
Blick aus dem Fenster des letzten Wagens auf der Zugstrecke über den Oberalppass zwischen Andermatt und Sedrun. (Foto: Mike Rabensteiner)

Der Besuch dieser Häuser ist natürlich stets auch einer der Gastgeber. Es sind Begegnungen mit Menschen, „die sich nicht beirren lassen, auch unter unpraktikablen Bedingungen Orte zu erhalten, die uns aufnehmen, wärmen und willkommen heißen“. Später im Buch heißt es richtigerweise: „Ein Hotel kann Heimat werden.“ Speziell die Schweiz verfügt über eine große Grand-Hotel-Tradition in den Alpen, die nach wie vor gepflegt wird. Teilweise in einer Bewahrung des Bewährten, immer wieder aber auch durch eine Neudefinition und -Interpretation von Gastlichkeit im Gebirge, wo die meisten Menschen eben genau das sind: Gäste. Also durchreisende Genießer, frei von den Mühen einer Existenz im alpinen Alltag.

Der Furkapass mit dem nicht zuletzt durch den James-Bond-Film „Goldfinger“ legendären Hotel Belvédère aus dem Jahr 1866, das 2015 schließen musste.
Der Furkapass mit dem nicht zuletzt durch den James-Bond-Film „Goldfinger“ legendären Hotel Belvédère aus dem Jahr 1866, das 2015 schließen musste. (Foto: Mike Rabensteiner)

Es sind aber nicht die Hotels und Gaststuben allein, die diese Reise wert sind – und sei es bloß mittels der Lektüre dieses Buchs. Sondern es ist immer die Kombination mit der Landschaft. Selten nur sieht man auf den Fotografien einzelne Gebäude – oft sind es Ensembles oder Landschaftspanoramen, von denen die Architektur ein Teil geworden ist. Recht häufig fotografiert Mike Rabensteiner auch aus den Hotelfenstern hinaus, um zu dokumentieren, was man als Gast zu sehen bekommt – das ist ja nur für sehr kurze Zeit, bei der Ankunft, die Fassade mit dem Eingang.

Von 2017 bis 2023 stand der hölzerne Rote Turm auf dem Julierpass – ein ambitionierter Theaterbau für das Origen-Festival.
Von 2017 bis 2023 stand der hölzerne Rote Turm auf dem Julierpass – ein ambitionierter Theaterbau für das Origen-Festival. (Foto: Mike Rabensteiner)

Gebirgspass für Gebirgspass geht die Tour vom Osten in den Westen der Schweiz, oft mit dem Wagen und manchmal mit dem Zug. Und eigentlich nie ist unberührte Natur auf den Aufnahmen zu sehen. Die Alpen sind längst weitgehend eine Kulturlandschaft und keine Naturlandschaft mehr, sie sind besiedelt, für den Verkehr erschlossen durch zahlreiche Ingenieurskunststücke, denen oftmals eine eigene Schönheit innewohnt.

Die Alpen sind in diesem Buch kein Hindernis, welches das Reisen beschwerlich macht. Sondern eine Attraktion. Die man auf sehr unterschiedliche Art genießen kann: als Bergsteiger zu Fuß, auf dem Rennrad, auf Skiern, mit einem Gleitschirm, als Passagier in Bus und Bahn, mit dem Motorrad oder Auto. Oder einfach, wie es an einer Stelle heißt: „einfach mit einem guten Drink in der Hand“.

Isabella und Mike Rabensteiner: Off to the Alps – Schweiz. Montamont A.T.C., Innsbruck 2025. 256 Seiten, 49,90 Euro.