Netflix gibt Rennen um Warner auf

Der Bieterkampf um den Unterhaltungskonzern Warner Bros. Discovery scheint ein schnelles Ende gefunden zu haben: Netflix kündigte am Donnerstag an, sein Angebot für Warner nicht nachbessern zu wollen. Damit ist nun der Weg für den von David Ellison geführten Rivalen Paramount Skydance frei. Warner hatte zuvor erklärt, das jüngste nachgebesserte Angebot von Paramount sei demjenigen von Netflix „überlegen“. Warner gab Netflix vier Tage Zeit, sein eigenes Angebot zu erhöhen.

Aber der Streamingdienst entschied sich schon nach wenigen Stunden dagegen und teilte mit, die Übernahme sei „finanziell nicht mehr attraktiv“. Eine Übernahme von Warner wäre ein „Nice to Have zum richtigen Preis“, aber kein „Must Have zu jedem Preis“ gewesen.

Die Aktionäre von Netflix freuten sich. Der Aktienkurs stieg am Donnerstag im nachbörslichen Handel zeitweise um mehr als 10 Prozent. Die Netflix-Aktie hatte seit Anfang Dezember, als die Übernahmevereinbarung mit Warner geschlossen wurde, deutlich an Wert verloren. Auch die Paramount-Aktie notierte am Donnerstag nachbörslich rund 4 Prozent im Plus.

Paramount will Warner komplett übernehmen

Die Übernahme von Warner wäre eine der größten, die es jemals in Hollywood gegeben hat. Netflix vereinbarte im Dezember zunächst einen Kaufpreis von 72,0 Milliarden Dollar. Nur wenige Tage später funkte Paramount mit einem feindlichen Übernahmeangebot in Höhe von 77,9 Milliarden Dollar dazwischen. Diese Angebote sind nicht völlig vergleichbar. Paramount will Warner komplett kaufen, das Abkommen mit Netflix bezog sich auf den größeren Teil des Unternehmens, darunter das Filmstudio Warner Bros. und der Streamingdienst HBO Max. Warner-Fernsehsender wie der Nachrichtenkanal CNN waren dagegen nicht Teil der Vereinbarung.

Warner lehnte die Avancen von Paramount wiederholt ab, auch nachdem Paramount die Konditionen mehrmals nachbesserte. In dieser Woche schien sich aber das Blatt zu wenden, als Paramount sein Angebot von 30 auf 31 Dollar je Aktie oder insgesamt knapp 81 Milliarden Dollar aufstockte. Warner deutete an, offen für das neue Angebot zu sein, und am Donnerstag erklärte es der Verwaltungsrat offiziell für „überlegen“. Damit lag der Ball bei Netflix, aber der Streamingdienst entschied sich dann überraschend schnell für die Kapitulation.

Trump mischte sich ein

Das Ringen um Warner hat eine politische Dimension. US-Präsident Donald Trump hat von Anfang an gesagt, er werde persönlich in die kartellrechtliche Prüfung einer Warner-Übernahme eingebunden sein. Sowohl Netflix als auch Paramount haben argumentiert, größere Chancen auf eine kartellrechtliche Genehmigung zu haben. Viele Beobachter meinten aber, Paramount könnte insofern bessere Karten haben, weil Larry Ellison, der Vater von David, gute Verbindungen zu Trump hat. Oracle gehört auch zu einer Gruppe von Investoren, die kürzlich größere Anteile am US-Geschäft der Video-App Tiktok erworben haben. Am Zustandekommen dieser Transaktion war Trump maßgeblich beteiligt.

Die Ausgangslage für Netflix wurde am vergangenen Wochenende noch einmal etwas komplizierter, als Trump das Unternehmen ins Visier nahm. Auf seiner Plattform Truth Social forderte der Präsident Netflix auf, Susan Rice aus seinem Verwaltungsrat zu entfernen. Rice war nationale Sicherheitsberaterin unter dem früheren US-Präsidenten Barack Obama, und sie hatte auch eine Rolle in der Regierung von Trumps Vorgänger Joe Biden. Trump sagte, Netflix werde „Konsequenzen“ zu tragen haben, wenn Rice nicht entlassen würde.

Ted Sarandos, Ko-Vorstandschef von Netflix.
Ted Sarandos, Ko-Vorstandschef von Netflix.EPA

Am Donnerstag war Ted Sarandos noch in Washington, um mit Vertretern des Weißen Hauses und des Justizministeriums über die Warner-Akquisition zu sprechen. Kurz nach dem Ende dieser Gespräche gab Netflix seinen Rückzug aus dem Rennen bekannt.

Für Netflix wäre die Akquisition ein sehr ungewöhnlicher Schritt gewesen, das Unternehmen ist seit seiner Gründung nie mit größeren Akquisitionen aufgefallen. Bei der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen nannte Sarandos die mögliche Übernahme einen „strategischen Beschleuniger“, und er beschrieb Netflix und Warner als „hochgradig komplementär“. Warner werde dabei helfen, das Angebot von Inhalten auszuweiten, und der Streamingdienst HBO Max werde es ermöglichen, mehr Optionen für Abonnenten anzubieten.

Larry Ellison ist Mitgründer des Softwarekonzerns Oracle und einer der reichsten Menschen der Welt. Sein Vermögen wird im „Bloomberg Billionaires Index“ auf mehr als 200 Milliarden Dollar geschätzt. Er hat seinem Sohn mit seinem Geld im vergangenen Jahr schon geholfen, Paramount Skydance zu schmieden. Damals hat das von David geführte Filmstudio Skydance den viel größeren Wettbewerber Paramount gekauft. Der Zeitschrift „Forbes“ zufolge hält Larry Ellison heute fast 50 Prozent an Paramount Skydance.

Paramount-Vorstandschef David Ellison
Paramount-Vorstandschef David EllisonReuters

Auch beim Werben um Warner hat sich Sohn David von Anfang an auf die Finanzkraft seines Vaters gestützt. Für den Eigenkapitalanteil der Warner-Übernahme, der jetzt auf 45,7 Milliarden Dollar beziffert wird, hat Larry Ellison eine persönliche Garantie abgegeben. Daneben hat Paramount nach eigener Aussage auch Kreditzusagen in Höhe von 57,5 Milliarden Dollar, die von Finanzhäusern wie Bank of America und Citibank.

Sollte Paramount nun tatsächlich zum Zuge kommen, wird die Übernahme ein sehr teures Manöver. Neben dem eigentlichen Kaufpreis hat sich das Unternehmen auch zur Zahlung der Strafgebühr von 2,8 Milliarden Dollar verpflichtet, die Warner wegen der Auflösung der ursprünglichen Vereinbarung an Netflix zu zahlen hat. Außerdem soll es von September dieses Jahr an vierteljährliche Zusatzgebühr von 0,25 Dollar je Aktie geben, solange die Übernahme noch nicht vollzogen ist. Sollte ein Verkauf an Paramount an kartellrechtlichen Einwänden scheitern, müsste Paramount eine zusätzliche Strafgebühr von sieben Milliarden Dollar an Warner zahlen.

Falls Paramount zum neuen Eigentümer von Warner wird, werden sich viele Blicke auf CNN richten. Der Nachrichtensender ist Trump seit langem ein Dorn im Auge. Das „Wall Street Journal“ berichtete im Dezember, David Ellison habe Trump zugesichert, er werde größere Veränderungen bei CNN durchsetzen.