Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft: Verbände kritisieren Hausverbot für Sportreporter bei Pressekonferenz

Die Sportjournalisten Hajo Seppelt und Jörg Mebus haben ein Hausverbot für die an diesem Donnerstag angesetzte Pressekonferenz der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) im Berliner Müggelturm erhalten. Das geht aus einem Schreiben der DESG hervor, aus dem die Nachrichtenagentur dpa zitierte. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) und der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) kritisierten das deutlich. 

Die ARD-Sportschau hatte zu Beginn der Olympischen Winterspiele über mutmaßliche Unregelmäßigkeiten bei der DESG sowie über ein belastetes Verhältnis zwischen einigen Athleten und der Verbandsspitze berichtet. Konkret ging es zudem darum, dass die DESG Haushaltspläne zurückgehalten und versprochene Prämien nicht an Vereine und Sportler ausbezahlt haben soll. An dem Bericht waren maßgeblich Seppelt und Mebus beteiligt gewesen.

Der DJV protestierte gegen den Ausschluss der beiden Journalisten und teilte mit, dass es selbstverständlich sei, dass auch Kritiker zur Pressekonferenz eingeladen werden müssten. „Das Hausverbot gegen die ARD-Kollegen ist ein unglaublicher Vorgang“, sagte der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster. „Es geht nicht an, eine Pressekonferenz wie einen closed shop zu organisieren.“

VDS kritisiert Entscheidung als Eingriff in Pressefreiheit

Auch der VDS sprach sich gegen die Nichtzulassung von Seppelt und Mebus aus. „Die Nichtzulassung der Kollegen werten wir als klaren Eingriff in die Pressefreiheit“, schrieb der Verband in einer Mitteilung. „Ihre Gemeinschaft wird mit öffentlichen Geldern gefördert, an die daraus erwachsende Verantwortung möchten wir hier eindringlich erinnern.“ Dem Versuch, kritischen Sportjournalismus zu reglementieren, trete man „vehement entgegen“, schrieb der VDS.

Auf der Pressekonferenz wollte die DESG um den umstrittenen Präsidenten Matthias Große Stellung zu dem Bericht beziehen. Der Berliner Immobilienunternehmer steht seit 2020 an der Spitze der DESG und wollte den einst sehr erfolgreichen Verband, der seit 2010 keine Olympiamedaille mehr gewonnen hat, zu alter Stärke zurückführen. Der Berliner Müggelturm gehört Große.