

Am Donnerstag wird über die Zukunft der Berlinale-Chefin Tricia Tuttle entschieden. Für den Vormittag hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer eine außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrats der Kulturprojekte des Bundes in Berlin GmbH (KBB) einberufen, die auch die Oberaufsicht über die Berliner Filmfestspiele hat. Auf der Sitzung soll es „eine Aussprache zur Ausrichtung der Berlinale“ geben. Zum genauen Inhalt wollte ein Sprecher von Weimer nichts sagen.
Hintergrund des Gesprächs dürfte ein Eklat bei der Preisverleihung der Goldenen und Silbernen Bären am Samstagabend sowie die Kritik politischer Aktivisten an der Haltung der Berlinale zum Gaza-Konflikt sein. Bei der Preisgala hatte der Gewinner der Auszeichnung für das beste Spielfilmdebüt, der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib mit einer Kufiya und einer Palästina-Flagge die Bühne betreten und die Bundesregierung bezichtigt, sie sei „Partner beim Genozid Israels“. Außerdem drohte er, man werde sich später „an alle erinnern, die gegen uns standen“ sowie auch an jene, „die sich entschieden haben, zu schweigen“.
Ein Foto mit Kufiya-Trägern und Palästinaflagge
Die „Bild“-Zeitung hatte am Mittwoch gemeldet, Weimer habe die Absicht, Tuttle als Berlinale-Intendantin abzulösen. Dazu veröffentlichte sie ein Foto, das Tricia Tuttle mit den Schauspielern und der Crew von Alkhatibs Film „Chronicles From the Siege“ zeigt. Mehrere der Beteiligten tragen Palästinenserschals, einer hält die palästinensische Flagge. Weimers Sprecher erklärte zu dem Bericht, zu Spekulationen wolle man sich nicht äußern.
Der Krieg in Nahost hatte schon zu Beginn des Festivals für Unruhe gesorgt. Bei der Pressekonferenz der Wettbewerbs-Jury erklärte der Jurypräsident Wim Wenders auf die Frage eines Journalisten nach der Haltung der Berlinale zum Gaza-Konflikt, Film sei das Gegenteil von Politik. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy sagte daraufhin ihren Auftritt bei den Filmfestspielen ab. Tricia Tuttle nahm Wenders und die Jury im Gegenzug in einer öffentlichen Erklärung in Schutz. Als Reaktion erschien ein von gut hundert internationalen Filmschaffenden unterzeichneter offener Brief, der das Festival wegen seiner fehlenden politischen Positionierung kritisierte.
Tricia Tuttle hat die Intendanz der Berliner Filmfestspiele im April 2024 übernommen. Zuvor hatte die Amerikanerin das London Film Festival geleitet. Schon bei der Preisverleihung in Berlin im Februar 2024, die noch unter ihren Vorgängern stattfand, war es auf der Bühne zu antiisraelischen Bekundungen gekommen. Wie auch in diesem Jahr fiel dabei mehrfach der Begriff „Genozid“.
