
AUDIO: Tim Walter folgt Marcel Rapp auf der Trainerbank bei Holstein Kiel (4 Min)
2. Bundesliga
Stand: 24.02.2026 15:36 Uhr
Holstein Kiel hat auf die anhaltende sportliche Talfahrt reagiert und Trainer Marcel Rapp beurlaubt. Das teilte der Fußball-Zweitligist am Dienstag mit und präsentierte nur wenige Stunden später Tim Walter als neuen KSV-Coach.
Rapp war seit Oktober 2021 im Amt und hatte die Schleswig-Holsteiner 2024 sensationell in die Bundesliga geführt. Doch nach dem direkten Wiederabstieg im vergangenen Sommer sowie der schwachen Punkteausbeute im bisherigen Saisonverlauf war der Vertrauensvorschuss des gebürtigen Pforzheimers aufgebraucht. Bei vier Pleiten in Folge sowie nur sechs Siegen und sechs Remis aus 24 Partien sahen sich die Kieler Verantwortlichen zum Handeln gezwungen.
„Ich blicke mit großer Dankbarkeit auf meine Zeit bei Holstein Kiel zurück. Holstein Kiel wird für mich immer ein besonderer Club bleiben.“
Marcel Rapp
Die Entscheidung sei „gemeinsam und einvernehmlich“ getroffen worden, „um einen neuen Impuls auf der Trainerposition zu setzen“, hieß es in der Vereinsmitteilung. Auch Rapps Co-Trainer Alexander Hahn muss die „Störche“ verlassen.
Walter zum zweiten Mal Trainer in Kiel
Wenige Stunden nach Rapps Freistellung präsentierten die Kieler mit Walter einen alten Bekannten als neuen Trainer. Der 50-Jährige trainierte die Schleswig-Holsteiner bereits in der Saison 2018/19. Zuletzt arbeitete er mehr als zweieinhalb Jahre für den Hamburger SV, ehe von Juli bis November 2024 ein kurzes Gastspiel beim englischen Zweitliga-Club Hull City folgte.
Walter soll den Bundesliga-Absteiger vor dem Absturz in die Drittklassigkeit bewahren und wird am Mittwoch erstmals das Mannschaftstraining der „Störche“ leiten. Am Sonnabend (13 Uhr, im NDR Livecenter) empfängt Kiel den Tabellendritten SV Elversberg. Eine Woche später geht es zum Tabellenzweiten Darmstadt 98. Aktuell belegt die KSV Rang 14 und liegt nur noch einen Punkt vor dem Relegationsrang.
Rebbe: „Dieser Schritt fällt uns sehr schwer“
„Nach eingehender Analyse der sportlichen Entwicklung und intensiven Gesprächen mit meinen Präsidiumskollegen und dem Aufsichtsrat sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass es eine Veränderung braucht“, hatte Geschäftsführer Olaf Rebbe zuvor zur Freistellung von Rapp erklärt. „Marcel hat mit seinem Team in den vergangenen viereinhalb Jahren KSV-Geschichte geschrieben. Seine Arbeit, sein Engagement und sein Umgang mit den Menschen war außergewöhnlich und wird immer in Erinnerung bleiben – gerade deshalb fällt uns dieser Schritt sehr schwer.“
Rapp blickt „mit großer Dankbarkeit zurück“
„Ich blicke mit großer Dankbarkeit und ebenso großer Überzeugung auf meine Zeit bei Holstein Kiel zurück. Wir haben in den vergangenen Jahren gemeinsam eine klare sportliche Identität entwickelt, Strukturen aufgebaut und mit dem Aufstieg in die Bundesliga Vereinsgeschichte geschrieben“, sagte Rapp, der gerne weitergemacht hätte.
„Nach dem Umbruch im Sommer befanden wir uns in einem anspruchsvollen, aber aus meiner Sicht sehr gut geplanten Entwicklungsprozess. Ich bin überzeugt, dass wir die sportlichen Herausforderungen gemeinsam erfolgreich gemeistert und die Saison stabil gestaltet hätten. Ich respektiere die Entscheidung des Vereins und gehe meinen Weg mit voller Energie weiter“, erklärte der 46-Jährige. „Holstein Kiel wird für mich immer ein besonderer Club bleiben, und ich wünsche der Mannschaft für die Restsaison und darüber hinaus viel Erfolg.“
160 Spiele als KSV-Coach
Rapp, der am 4. Oktober 2021 die Nachfolge von Ole Werner angetreten hatte, hatte am Sonnabend beim 1:3 in Karlsruhe zum 160. Mal in einem Pflichtspiel als KSV-Trainer an der Seitenlinie gestanden. Nun ist das Szenario „Dritte Liga“ jedoch bedrohlich nahe gerückt, der zweite Abstieg in Folge wäre ein empfindlicher Rückschlag für den Verein.
Personalplanung geht nicht auf
Die Voraussetzungen sind in dieser Saison an der Förde allerdings denkbar schwer. Der Club hatte nach dem Erstliga-Abschied diverse Leistungsträger wie Nicolai Remberg (HSV), Shuto Machino (Borussia Mönchengladbach) oder Armin Gigovic (Young Boys Bern) abgegeben. Im Gegenzug holte Rebbe primär junge Spieler an die Förde.
Rapp sollte sie weiterentwickeln – so, wie es ihm in den Vorjahren stets mit bis dato noch recht unbekannten Akteuren gelungen war. Doch in dieser Spielzeit ging der Plan nicht auf. Am Saisonende werden die Kaderplaner um Rebbe also auch im Fall des Ligaverbleibs die Frage beantworten müssen, ob ihre Personalplanung so passte.



