

Heiner Wilmer aus Hildesheim ist Nachfolger des Limburger Bischofs Georg Bätzing, der seit 2020 der Bischofskonferenz vorstand. Das teilte Bätzing am Dienstag in Würzburg mit. Bätzing hatte im Januar angekündigt, nicht für eine zweite Amtszeit zu kandidieren. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz ist eine Art Sprecher der Bischöfe, er ist den anderen Bischöfen nicht übergeordnet und hat ihnen gegenüber keine Weisungsbefugnis. Wiedergewählt wurde am Dienstag in Würzburg die Generalsekretärin Beate Gilles.
In seiner ersten Stellungnahme nach der Wahl versuchte Wilmer Zuversicht zu verbreiten. Die Kirche habe eine schwere Zeit hinter sich, man habe viel gerungen, aber sie sei „attraktiv“, sagte er vor Journalisten in Würzburg. Sie biete eine Hoffnung, die über einen bloßen Optimismus hinausgehe. Er habe viele Gemeinden besucht, die Gläubigen dort seien „gut drauf“ gewesen. Seine Hauptaufgabe als Vorsitzender der Bischofskonferenz sieht Wilmer nach eigenen Worten darin, „Gott ins Zentrum zu stellen“.
Auf die Frage, ob er die Reformanliegen mit der gleichen Verve wie sein Vorgänger Bätzing in Rom vortragen werde, antwortete Wilmer ausweichend: Er sei ein Pilger auf dem Weg mit dem Evangelium in der Hand und den Menschen im Blick, der mitunter mehr auf die Menschen schaue, um das Evangelium besser zu verstehen. Er freue sich auf den Austausch mit Rom. Seine erste Stellungnahme war im Gegensatz zu jenen seiner Vorgänger Bätzing und Kardinal Marx stark geistlich geprägt.
Unterstützer des „Synodalen Weges“
Heiner Wilmer ist seit 2018 Bischof von Hildesheim und galt von Anbeginn als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge Bätzings. In welchem Wahlgang und mit welcher Stimmenzahl er gewählt wurde, blieb zunächst offen. Dem Vernehmen nach soll er vor allem unter den Weihbischöfen viel Unterstützung gehabt haben und auch den Gegnern des „Synodalen Weges“ akzeptabel erschienen sein.
Wilmer zählt zu den Unterstützern des „Synodalen Weges“, exponiert sich aber in kirchenpolitischen Debatten nicht. Er äußert sich nur vorsichtig, seit er wenige Monate nach seiner Wahl zum Bischof von Hildesheim 2018 mit einer Äußerung zum Missbrauchsskandal Aufsehen erregt hatte. Der Missbrauch von Macht gehöre zur DNA der Kirche, sagte er damals. Das rief unter den Bischöfen und in konservativen kirchlichen Kreisen Widerspruch hervor.
Gut vernetzt im Vatikan
Der 1961 in Schapen im Emsland geborene Wilmer war vor seiner Ernennung zum Bischof seit 2015 Generaloberer des katholischen Ordens der Herz-Jesu-Priester mit Sitz in Rom. Wilmer gilt als gut vernetzt im Vatikan. Ihm wurde ein enger Draht zu Papst Franziskus nachgesagt. Im Jahr 2023 soll er sogar als Präfekt der vatikanischen Glaubensbehörde im Gespräch gewesen sein, er selbst bestreitet dies. Wilmer spricht sehr gut Italienisch, aber auch Spanisch, Englisch und Französisch, was ihm in Gesprächen mit dem Vatikan und mit Repräsentanten der Weltkirche zugutekommen dürfte.
Wilmer hat eine der ungewöhnlichsten Biographien unter den deutschen Bischöfen: So unterrichtete er nach seiner Priesterweihe und einem Studium der Theologie, Romanistik und Geschichte in Freiburg, Paris und Rom zwei Jahre lang Deutsch und Geschichte an einer Highschool der Jesuiten im New Yorker Stadtteil Bronx. Anschließend war er seit 1998 Schulleiter des Gymnasiums Leoninum im emsländischen Handrup, das von seinem Orden getragen wird und dessen Schüler er einst selbst war. Seine schulische Laufbahn endete 2007 mit seiner Wahl zum Provinzial, also Oberen, der deutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Priester. Wilmer ist auch als Buchautor hervorgetreten. Einer seiner Titel lautete „Gott ist nicht nett“. Darin beschrieb er 2013 seinen Entscheidungsprozess, Priester zu werden.
In der Bischofskonferenz leitet Wilmer die Kommission für soziale und gesellschaftliche Fragen. In seiner ersten Stellungnahme sprach er sich am Dienstag für eine Stärkung des sozialen Profils der Kirche aus. Die Kirche sei für viele Menschen ein wichtiger Anker und mit ihrem sozialen Engagement eine Säule in der Gesellschaft, sagte Wilmer. Die katholische Soziallehre bezeichnete er als eine „prophetische Stimme für alle Menschen“.
Der 64 Jahre alte Bätzing hatte am Montag in Würzburg gesagt, für zwei, drei weitere Jahre hätte er sich den Vorsitz vorstellen können, aber nicht für sechs Jahre. Offenbar hatte er zudem in Sondierungen den Eindruck gewonnen, dass seine Wiederwahl ungewiss wäre, jedenfalls eine mit Zweidrittelmehrheit.
