Vier Monate vor Fußball-WM: Gewaltwelle in Mexiko nach Tod von Drogenboss

Ein in Brand stehender Bus in der mexikanischen Stadt Guadalajara

Stand: 24.02.2026 • 11:47 Uhr

Im mexikanischen Bundesstaat Jalisco reagiert ein Drogenkartell mit Gewalt, nachdem sein Anführer vom Militär getötet wurde. In vier Monaten soll hier die Fußball-WM stattfinden.

Nemesio Rubén Oseguera Cervantes – kurz „El Mencho“ – war der Anführer des Drogenkartells „Cártel de Jalisco Nueva Generación“ (CJNG). Er wurde am Sonntag (22.02.2026) bei einem Einsatz des mexikanischen Militärs in der Stadt Tapalpa verletzt und starb Armeeangaben zufolge während eines Flugs in die Hauptstadt Mexiko-Stadt. Der Mann war der meistgesuchte Verbrecher Mexikos, die USA hatten ein Kopfgeld von 15 Millionen US-Dollar ausgesetzt.

Seine Anhänger reagierten mit Gewalt: In vielen Städten errichteten sie Straßensperren. Autos, Banken, Tankstellen und Geschäfte brannten. Das Kartell ist in vielen Teilen Mexikos aktiv, vor allem aber im Westen, im Bundesstaat Jalisco, dessen Hauptstadt der WM-Spielort Guadalajara ist. Befürchtet wird ein Nachfolgekrieg wie beim „Sinaloa-Kartell“. Seit dessen Anführer „El Chapo“ Guzman vor neun Jahren an die USA ausgeliefert wurde, tobt ein Machtkampf um dessen Nachfolge. Zehntausende Menschen sind getötet worden.

Das Akron Stadion in Guadalajara

Mehrere Spielabsagen in Mexikos Ligen

In den oberen Ligen Mexikos kam es nach dem Ausbruch der Gewalt zu Spielabsagen. In der höchsten Liga der Frauen wurde das Spiel zwischen CD Guadalajara und Club América verschoben. Die Liga MX, die höchste Liga im Männerfußball, bestätigte die Absage des für Sonntag geplanten Spiels zwischen Querétaro und Juárez. In Querétaro soll Mexikos Nationalmannschaft am Mittwochabend (Ortszeit) in einem Testspiel auf Island treffen. Der isländische Verband veröffentlichte Trainingsbilder seines Teams in Querétaro.

Die Gewalt wirft Fragen rund um die Sicherheit bei der WM der Männer 2026 auf. In Guadalajara sind vier Spiele vorgesehen. Am Tag der WM-Eröffnung spielt Südkorea gegen einen der Playoff-Sieger, auch Mitgastgeber Mexiko wird in Guadalajara ein Spiel austragen und Europameister Spanien trifft dort auf Uruguay. Das Stadion fasst rund 46.000 Menschen.

Spaniens Lamine Yamal soll in Guadalajara spielen.

WM-Spiele Guadalajara
Spiel Termin
Südkorea – UEFA Playoff*

11. Juni

Mexiko – Südkorea

18. Juni

Kolumbien – Interkontinentales Playoff**

23. Juni

Uruguay – Spanien

26. Juni

*Dänemark, Nordmazedonien, Tschechien oder Irland
**DR Kongo, Jamaika oder Neukaledonien

Ende März sollen zudem zwei Spiele der Playoffs in der WM-Qualifikation in Guadalajara stattfinden: Am 27. März ist Neukaledonien gegen Jamaika angesetzt, der Sieger soll am 31. März in dem WM-Stadion gegen die Demokratische Republik Kongo um einen der letzten WM-Plätze spielen.

FIFA: „Beobachten die Lage sehr genau“

Der Weltverband FIFA teilte am Dienstag mit, er beobachte die Lage in Jalisco sehr genau. „Wir werden den Maßnahmen und Anweisungen der verschiedenen Regierungsstellen weiterhin folgen, die darauf abzielen, die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten und die Normalität wiederherzustellen.“

Am Flughafen Guadalajara wurden zahlreiche Flüge gestrichen. Der amerikanische Sender CNN zeigte Bilder, wie Passagiere sich fluchtartig durch die Hallen bewegten. Die Flughafenbetreiber betonten, dass kein Risiko bestehe und der Flughafen unter dem Schutz der Nationalgarde stehe.

Ein mexikanischer Soldat patroulliert am Flughafen entlang

Auswärtiges Amt warnt: „Bleiben sie im Hotel“

Das Auswärtige Amt aktualisierte seine Reise- und Sicherheitswarnungen für Mexiko. „Wenn Sie sich an einem sicheren Ort aufhalten, beispielsweise in einem Hotel, bleiben Sie bis auf Weiteres dort und verzichten Sie auf nicht unbedingt erforderliche Fahrten“, heißt es dort. Menschenansammlungen und Schauplätze von Polizeieinsätzen sollten gemieden werden. Und das Amt warnt: „Versuchen Sie bei Straßensperren nicht, sich zu widersetzen oder zu flüchten.“

Die Spielorte der WM 2026

Von Reisen in den Bundesstaat Jalisco, in dem die WM-Spiele stattfinden, wird durch das Amt „abgeraten“. Nicht auf der Warnliste stehen die mexikanischen Bundesstaaten mit den beiden weiteren WM-Spielorten Monterrey und Mexiko-Stadt.

Tennis: Zverev und Altmaier in Acapulco im Einsatz

Seit Montag läuft weiter südlich in Mexiko ein ATP-Turnier im Tennis. Die Organisatoren gaben am Sonntag der Nachrichtenagentur AP zufolge eine Erklärung ab, in der sie mitteilten, dass „der Turnierbetrieb normal weiterläuft“.

Alexander Zverev in Aktion

Acapulco liegt im Bundesstaat Guerrero. Von Reisen dorthin wird laut Auswärtigem Amt aktuell „dringend abgeraten„. Daniel Altmaier soll in der Nacht zum Dienstag (1 Uhr MEZ) auf Alejandro Davidovich Fokina aus Spanien treffen. Topgesetzter Spieler bei dem Turnier ist Alexander Zverev – er trifft am Mittwoch (Ortszeit) auf den Franzosen Corentin Moutet.