US-Botschafter in Kalabrien: Warum kubanische Ärzte  Italien verlassen sollen

Im Laufe dieser Woche wird Mike Hammer in Catanzaro erwartet. Was sucht der Geschäftsträger der USA auf Kuba ausgerechnet in Kalabrien? Und warum hält sich der Amerikaner seit Tagen in Italien auf, statt seinem Job als ranghöchster diplomatischer Vertreter Washingtons in Havanna nachzugehen?

Offenkundig ist Hammer für den Job, den die Regierung Trump und namentlich Außenminister Marco Rubio in Havanna erledigen wollen, derzeit in Italien nützlicher als auf Kuba. Trump und Rubio, dessen Eltern aus Kuba stammen, verfolgen eine Politik der Strangulierung des kommunistischen Regimes unter Staats- und Parteichef Miguel Díaz-Canel. Die USA haben unter Trump ihre Sanktionen gegen Kuba verschärft und zumal den Ölhahn abgedreht. Washington blockiert Tanker aus Venezuela selbst und hat Mexiko dazu gedrängt, die Öllieferungen für Havanna gleichfalls einzustellen.

Der Löwenanteil fließt ans Regime

Bei den Gesprächen, die Mike Hammer in Catanzaro mit Regionalpräsident Roberto Occhiuto sowie mit Vertretern des kalabrischen Gesundheitswesens führen wird, geht es um medizinisches Personal aus Kuba. Derzeit sind rund 400 kubanische Ärzte und Pfleger in den Gesundheitseinrichtungen Kalabriens tätig. Aus dem Außenministerium in Washington heißt es, die USA verurteilten „die Zwangsarbeit und den Menschenhandel im Zusammenhang mit dem Arbeitskräfteexportprogramm für medizinisches Personal des kubanischen Regimes“, mittels welchen Havanna jährlich zwischen sechs und acht Milliarden Dollar generiere. Italien soll die kubanischen Ärzte und Pfleger nach Hause schicken.

Neben dem Fremdenverkehr, der wegen der Energiekrise derzeit ebenfalls einen beispiellosen Einbruch erlebt, ist der „Export“ von kubanischen Ärzten und Pflegern für das Regime in Havanna eine der wichtigsten Devisenquellen. Das Geschäft funktioniert so, dass die ins Ausland entsandten Mediziner nur einen Bruchteil dessen erhalten, was die „Gastländer“ an Havanna bezahlen. Der Löwenanteil der Devisen fließt ans Regime. Im amerikanischen Hinterhof, den Washington gemäß der „Donroe-Doktrin“ Trumps unter seine vollständige Kontrolle bringen will, haben mehrere Länder – zuletzt Guatemala – die kubanischen Ärztebrigaden auf Druck Washingtons bereits nach Hause geschickt.

Aufstockung auf 1000 Ärzte und Pfleger

Die kubanischen Mediziner hatte die italienische Regierung unter dem linkspopulistischen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte im März 2020, zu Beginn der Corona-Pandemie, nach Italien geholt. Aus der Notfallhilfe für die akut überlasteten Kliniken im ganzen Land wurde bald eine strukturelle Hilfe für die chronisch unterbesetzten Gesundheitseinrichtungen im wirtschaftlich abgehängten Süden Italiens. Italien ist das einzige Land in der EU, in dem kubanische Mediziner im Rahmen vertraglicher Vereinbarungen mit Havanna tätig sind. Zuletzt hat die Region Kalabrien den Vertrag zur Entsendung kubanischer Mediziner bis 2027 verlängert und sogar die Aufstockung auf 1000 Ärzte und Pfleger vereinbart.

Anfang 2020 regierte in Catanzaro – wie seinerzeit in Rom auch – die Linke. Inzwischen herrscht in Rom eine Mitte-rechts-Koalition unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, die sich eines engen persönlichen und weltanschaulichen Einvernehmens mit Trump rühmt. Und Regionalpräsident Occhiuto ist stellvertretender Parteichef der christdemokratischen Forza Italia, die zu Melonis Koalition gehört.

Occhiuto erwiderte auf die amerikanischen Forderungen, wenn die USA ihm weitere 600 Ärzte vermitteln könnten, die nicht aus Kuba stammten, aber rasch Italienisch lernen könnten, hätte er kein Problem, den Vertrag mit Havanna zur Entsendung weiterer Mediziner aufzukündigen. „Aber auf diejenigen, die bereits hier sind, kann ich nicht verzichten. Denn dies würde bedeuten, Krankenhäuser und Notaufnahmen schließen zu müssen.“