Leberzirrhose: Symptome, Stadien und Warnsignale der Leber

Stand: 22.02.2026 18:13 Uhr
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Leberzirrhose ist die chronische Vernarbung der Leber. Unbehandelt droht Leberversagen. Doch Symptome sind unspezifisch, Schmerzen selten, so wird sie oft spät erkannt. Ist sie heilbar? Welche Behandlung hilft?

von Carola Welt

Leberzirrhose entwickelt sich schleichend über lange Zeit: Die Erkrankung wird meist erst entdeckt, wenn bereits Komplikationen auftreten, da Leberzirrhose Symptome auslöst, die schwer zuzuordnen sind. Insbesondere direkte Schmerzen durch Leberzirrhose fehlen meist, da die Leber keine Nerven für Schmerzempfinden besitzt.

Neben übermäßigem Konsum von Alkohol sind hierzulande vor allem falsche Ernährung mit Übergewicht (Fettleber) oder Viren (häufig sind Hepatitis A oder Hepatitis B) Ursachen für Leberzirrhose.

Leberzirrhose: Das passiert im Körper

Eine Leberzirrhose markiert das Endstadium verschiedener Lebererkrankungen. Das Lebergewebe wird nach und nach zerstört und durch funktionsloses Bindegewebe ersetzt. Als Folge vernarbt die Leber, verhärtet und schrumpft. Der Begriff Zirrhose bedeutet „orange-gelb“ und bezieht sich auf die gelbliche Färbung des vernarbten Lebergewebes. Umgangssprachlich heißt die Leberzirrhose Schrumpfleber. Die Deutsche Leberhilfe schätzt, dass 500.000 Deutsche unter Leberzirrhose leiden. Zentrales Problem: Eine zirrhotische Leber kann lebenswichtige Aufgaben nicht mehr richtig erfüllen – nämlich Fett zu verdauen, Energie zu speichern beziehungsweise abzugeben und Giftstoffe abzubauen.

Bleibt eine Leberzirrhose unbehandelt, drohen lebensgefährliche Komplikationen und Leberversagen. Der Sterbeverlauf bei Leberzirrhose im Endstadium kann sehr unterschiedlich sein: Meist versterben Patienten an inneren Blutungen, Infektionen, Leberversagen und Multiorganversagen.

Symptome bei Leberzirrhose

Am Beginn spüren die Patienten und Patientinnen meist nichts von ihrer Leberschädigung, denn Symptome und Beschwerden zeigen sich erst nach Jahren oder Jahrzehnten. Hinzu kommt, dass klare Warnsignale wie Schmerzen meist fehlen, weil es im Lebergewebe selbst keine Nerven für Schmerzsignale gibt. Schmerzen bei Leberzirrhose entstehen meist durch die rasche Lebervergrößerung (Hepatomegalie) und deren Druck auf die Leberhülle (Glisson-Kapsel). Erste Anzeichen einer Leberzirrhose können sein:

  • Müdigkeit
  • Druckschmerzen/Bauchschmerzen oder Völlegefühl im Oberbauch rechts
  • Blähungen
  • Übelkeit, seltener: Erbrechen
  • Hautveränderungen an Gesicht und Oberkörper: Spinnenartige Neubildungen von Blutgefäßen (Spider Naevi, Lebersternchen oder Gefäßspinnnen). Die Haut wirkt gelblich und fahl verfärbt.

Weitere mögliche Symptome für Leberzirrhose sind: Gerötete Handinnenflächen, weiße Fingernägel oder verdickte Sehnen an den Handinnenflächen. Auch hormonelle Störungen durch die Leberschädigung sind häufig: Bei Männern führen sie zu Potenzproblemen, vergrößerter Brust oder zum Verlust der Behaarung an Bauch und Brust („Bauch- und Brustglatze“). Bei Frauen verursachen sie Menstruationsstörungen.

Blutwerte als Zeichen von Leberzirrhose

Erstes Warnsignal für eine Lebererkrankung sind erhöhte Leberwerte im Blut. Sind etwa die GOT- und GPT-Werte gestiegen, stirbt vermehrt Lebergewebe. Klare Grenzwerte für eine Leberzirrhose gibt es nicht. Normalerweise liegt der Wert GPT/ALT bei gesunden Männern unter 50 U/l (unter 0,85 μkat/l), bei Frauen unter 35 U/l (unter 0,60 μkat/l).

Sind Leberwerte erhöht, werden weitere Untersuchungen wichtig: Das Abtasten der Größe der Leber und die Ultraschalluntersuchung. Neuere Verfahren sind ultraschallbasierte Messungen der Lebersteifigkeit, wie der Fibroscan (transiente Elastographie). Trotz bildgebender Verfahren kann die Punktion der Leber (Leberbiopsie) nötig sein.

Stadien der Erkrankung

Die Leberzirrhose wird in verschiedene Stadien von A bis C eingeteilt, dafür wird der Child-Pugh-Score verwendet:

  • Stadium A: Die Leber kompensiert die Schäden, dadurch fehlen oft Symptome und die Leberfunktion ist noch gut.
  • Stadium B: Die Leberfunktion ist gestört, Symptome und erste Komplikationen wie Aszites (Bauchwasser) treten auf.
  • Stadium C: Schwere Funktionsstörungen der Leber mit deutlichen Symptomen, die auch das Gehirn betreffen (Enzephalopathie) und Komplikationen (Gelbsucht, Blutungen). Leberversagen droht, die Leberschädigung ist lebensbedrohlich.

Anzeichen dafür, dass eine Leberzirrhose voranschreitet

Haut und Augen färben sich gelb (Gelbsucht, Ikterus). Der Urin wird dunkel, der Stuhl hell. Nasenbluten tritt auf, denn die Leber produziert zu wenig Gerinnungsfaktoren. Starker Gewichtsverlust setzt ein.

Mögliche Komplikationen durch Leberschäden

Neben direkten Leberschäden kann es durch Leberzirrhose zu Komplikationen an anderer Stelle im Körper kommen:

  • Es können Krampfadern in der Speiseröhre, in Magen oder Darm entstehen, so genannte Ösophagusvarizen. Platzen sie, drohen lebensgefährliche innere Blutungen.
  • Wasser sammelt sich im Bindegewebe, meist in den Beinen (Ödeme) und im Bauch (Bauchwasser, Aszites).
  • Das Atmen fällt schwer (Kurzatmigkeit und Atemnot).
  • Der Blutdruck in der Pfortader der Leber ist erhöht.
  • Durch die fehlende Funktion der Leber bleiben giftige Abbauprodukte wie Ammoniak im Blut und schädigen das Gehirn. Gehirnstörungen (Hepatische Enzephalopathie) zeigen sich in Verwirrtheit bis zum Koma.
  • Wer an Leberzirrhose leidet, hat ein erhöhtes Risiko, an einem Karzinom der Leber (Leberkrebs, hepatozelluläres Karzinom) zu erkranken.

Ursachen für Leberzirrhose

Die häufigsten Ursachen einer Leberzirrhose sind:

Die Vorstufe der Leberzirrhose ist die Fibrose: Die Leber ist entzündet, es kommt zur Vernarbung, Bindegewebe lagert sich ein. Das Organ arbeitet nur noch eingeschränkt. Schreitet der Prozess voran, kommt es zur Zirrhose. Es bilden sich Regeneratknoten, denn die Leber versucht, zerstörtes Gewebe zu ersetzen. Unbehandelt nimmt die Leberfunktion weiter ab, es kommt zu Komplikationen.

Ist Leberzirrhose heilbar?

Eine Leberzirrhose ist nicht heilbar. Es gibt keine Medikamente, die das Narbengewebe bei Leberzirrhose auflösen und die Leber heilen können. Es gibt jedoch Therapien, die das Fortschreiten von Leberzirrhose stoppen oder bremsen können. Oberstes Ziel der Behandlung ist, die Ursache der Lebererkrankung zu finden und diese Grunderkrankung zu heilen.

Eine virale Hepatitis wird mit antiviralen Medikamenten behandelt. Alkoholbedingte Zirrhose erfordert strikten Alkoholverzicht. Übergewicht muss abgebaut, vererbte Stoffwechselerkrankungen werden mit Medikamenten therapiert. Wichtig ist eine gezielte Ernährung: Die geschädigte Leber verwertet Nährstoffe schlechter. In frühen Stadien bildet sich die Zirrhose manchmal sogar zurück. Vor allem bei der rechtzeitigen Behandlung einer Hepatitis B und C. Die Leber kann sich also auch erholen oder über lange Zeit stabil bleiben. Schwere Schäden können jedoch nicht mehr rückgängig gemacht werden. Bei weit fortgeschrittener Zirrhose bleibt oft nur die Lebertransplantation.

Prognose: Wie lange kann man mit einer Leberzirrhose leben?

Wie schnell eine Leberzirrhose voranschreitet, ist je nach Erkrankung und von Person zu Person verschieden. Die Lebenserwartung hängt vom Stadium und der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Die Diagnose Leberzirrhose ist nicht automatisch ein Todesurteil: Wird eine Leberzirrhose früh erkannt und konsequent behandelt, verbessert sich die Prognose deutlich. Bei einer Leberzirrhose ohne Komplikationen (kompensierte Zirrhose) bleibt die Lebenserwartung oft nur wenig eingeschränkt. Treten jedoch Komplikationen auf (dekompensierte Zirrhose) verschlechtert sich die Prognose. Eine fortgeschrittene Leberzirrhose verkürzt das Leben stark: Laut Deutscher Leberstiftung liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei einer ausgeprägten alkoholbedingten Leberzirrhose bei rund 35 Prozent.

Erhalten Betroffene rechtzeitig eine Spenderleber, können sie oft viele Jahre oder Jahrzehnte weiterleben. Allerdings gelten strenge Kriterien für die Vergabe von Spenderlebern.

Leberzirrhose im Endstadium

Im Endstadium kommt es zu schweren Symptomen und Komplikationen. Meist sind sie binnen weniger Monate tödlich. Ausgelöste Gehirnstörungen (Hepatische Enzephalopathie) können so stark werden, dass es zu Bewusstseinsverlust und einem Leberausfallkoma kommt. Bildet sich Bauchwasser (Aszites), kann es sich entzünden und eine spontan bakterielle Peritonitis (SBP) auslösen – eine lebensbedrohliche Komplikation. Blutungen aus der Speiseröhre oder aus dem Magen können zu Schock, Kreislaufversagen oder Sepsis (Blutvergiftung) führen. Dank moderner Palliativmedizin kann ein qualvoller Tod vermieden werden, Medikamente lindern Schmerzen, Atemnot und Angst.

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