

Die zahlreichen Gegner des mitten in der Wetterau geplanten Umspannwerks können aufatmen. Jedenfalls einstweilen: Erst 2045 und nicht schon 2037 soll der Neubau in Betrieb gehen. So sieht es der Übertragungsnetzbetreiber als Bauherr unter Verweis nun vor. Pläne können sich ändern. Das gilt auch für den Netzentwicklungsplan mit dem neuen Umspannwerk im „Suchraum Dorheim“ als Baustein. Der von der Bauernschaft als Flächenfraß gegeißelte Landschaftsverbrauch für das Großbauvorhaben ist allerdings nur aufgeschoben und nicht aufgehoben. Denn an der Notwendigkeit des Netzausbaus ändert sich grundsätzlich nichts.
Für die Wahlkämpfer in den von dem Umspannwerk betroffenen Städten und Gemeinden kommt die Nachricht aus dem Hause Tennet gleichwohl zur rechten Zeit. Sie haben ein akutes Problem weniger und können sich zudem mit ihrem Widerstand gegen das Vorhaben bei ähnlich gesinnten Wählerinnen und Wählern profilieren. Die Kommunalwahl dürfte allerdings für die Planer des Netzausbaus ein bestenfalls nachrangiges Thema sein, falls sie sich überhaupt mit ihr befassen.
Umspannwerk auf besten Agrarböden in der Wetterau geplant
Für diese Annahme spricht schon die Fülle an Aufgaben für den Bauherrn Tennet allein im Großraum Rhein-Main. Der Übertragungsnetzbetreiber muss nicht nur das neue Umspannwerk zwischen Friedberg und Reichelsheim planen. Vordringlicher sind ein neues Umspannwerk nahe Oberursel und die Modernisierung der bestehenden Anlage im Nordosten von Frankfurt. Nicht zuletzt ertüchtigt Tennet die zwischen dem Schwalm-Eder-Kreis und Karben verlaufende Höchstspannungsleitung. Das ist eine Menge Arbeit.
Derweil stellt sich die Frage, wie Tennet mit seiner Überzeugungsarbeit für das neue Umspannwerk im „Suchraum Dorheim“ erfolgreich sein will. Die Stadt Reichelsheim lehnt einen Verkauf ihrer Grundstücke in dem in Rede stehenden Gebiet rundweg ab. Die Stadt Friedberg hat zumindest die erste Anfrage von Tennet abschlägig beschieden. Für private Landbesitzer dürfte die Bereitschaft zum Verkauf davon abhängen, wie sehr sie an den Liegenschaften hängen und wie viel Wert sie auf die Kulturlandschaft mit besten Böden legen. Die Erfahrung lehrt: Stimmt der Preis, wird auch so mancher Bauer weich.
