Die Einsamkeit der kämpfenden Ukraine – Paul Lendvai

Heute jährt sich der Beginn des russischen Aggressionskriegs gegen die Ukraine zum vierten Mal. Der lobenswerte Besuch der österreichischen Außenministerin Beate Meinl-Reisinger, begleitet von Vertretern aus vier Parteien (die FPÖ hat abgelehnt), wurde zu Recht von dem dankbaren ukrainischen Außenminister Andrij Sybiha als Beweis dafür bezeichnet, dass „Neutralität keine Gleichgültigkeit bedeutet.“ Trotzdem darf dieses Zeichen der Solidarität nicht über die grundsätzliche Einsamkeit der um staatliches Überleben kämpfenden Ukraine hinwegtäuschen. Nicht nur der nächtliche Drohnen- und Raketenhagel auf Kyjiw erinnert an die deutschen Bombenangriffe („Blitz“) 1940-41 auf London, sondern auch der Durchhaltewillen der Ukrainer an den ungebrochenen Widerstand der Briten.