
Eiskunstlauf-Star Ilia Malinin ist auf das olympische Eis von Mailand zurückgekehrt – und beeindruckte bei der traditionellen Gala. Sein Song und seine Show sagten viel über ihn und das zurückliegende Drama. Für einen witzigen Moment sorgte Schaidorow im Panda-Kostüm.
In schwarzem Kapuzenpullover und dunkler Jeanshose betrat Ilia Malinin an diesem Samstagabend das Eis. Jene Fläche, auf der er acht Tage zuvor bei seiner Kür ein Drama erlebt hatte. Als großer Favorit angetreten, als Superstar, dem jeder schon gedanklich das Gold verliehen hatte, war er gestürzt. Wörtlich und bildlich.
Bereits kurz nach der missglückten Kür vom 13. Februar, die ihn von Platz eins auf Acht gespült hatte, sprach er von mentalen Herausforderungen. Etwas später erzählte der 21 Jahre alte Amerikaner dann ausführlich über den für ihn unheilvollen Mix aus immensem Druck auf der olympischen Bühne, Hass-Nachrichten im Internet und Angst, die in ihm hochgekrochen war.
In den Tagen danach kehrte als Zuschauer zurück in die Eiskunstlauf-Arena Mailands – und an diesem späten Samstagabend nun als Sportler. Ohne Punkte, ohne Platzierungen, ohne Medaillen. Bei der großen Eiskunstlauf-Gala, die traditionell am Ende Olympischer Winterspiele stattfindet, geht es um die Faszination und Vielfalt dieser Sportart und ihrer Athleten. Geladen sind stets die Medaillengewinner sowie einige weitere besondere Athleten. In diesem Fall zählten italienische Läufer sowie Malinin dazu.
Malinin: „Der Welt zeigen, dass auch wir Menschen sind“
30 Programmpunkte gab es insgesamt, dazu gehörte auch der Auftritt der deutschen Bronzemedaillengewinner Minerva Hase und Nikita Volodin. Um 22.02 Uhr, als letzter Läufer vor den Olympiasiegern, trat schließlich Malinin ins Rampenlicht. Er lief zu „Fear“ (Angst) des amerikanischen Rappers und Songwriters NF. Der Titel seines Showprogramms hätte nicht besser passen können.
Zuvor hatte Malinin an diesem Abend schon mit der Olympiasiegerin Alysa Liu und dem US-Team, das zu Beginn der Spiele Gold gewonnen hatte, performt. Nun stand er allein im Fokus – und wurde mit tosendem Beifall begrüßt.
Zu den Klängen der Musik kämpfte er gegen imaginäre Gegner, schob sie weg, kämpfte gegen neue Rivalen – wie Angst und Hass und Druck. Auf eine gewisse Art tanzte und sprang er sich frei. Mit einer emotionalen und spektakulären Show inklusive zwei Vierfach-Sprüngen, Rückwärtssalto – sprunggewaltig und künstlerisch modern, wie man ihn kennt.
Als es vollbracht war, kniff er die Augen zusammen und legte den Kopf in den Nacken. Vom Publikum gab es Standing Ovations. Malinin schlug die Hände vors Gesicht. Ganz ähnlich – und doch so anders – war seine Reaktion vor acht Tagen gewesen. Dieses Mal: pure Erleichterung, überwältigt von positiven Emotionen.
Danach erzählte er US-Medien: „Diese Botschaft, dieses Programm und dieses Lied haben mich wirklich angesprochen. Sie spiegeln genau wider, wie ich mich im letzten Jahr vor diesen Olympischen Spielen gefühlt habe. Es gab so viel Druck, so viele Zweifel und alles um mich herum, der Lärm in den Medien… Es war einfach überwältigend.“
Und weiter: „Angesichts dessen, was passiert ist, bin ich immer noch sehr, sehr dankbar, hier zu sein. Und ich möchte der Welt zeigen, dass auch wir Menschen sind.“
Im Panda-Anzug zu „Kung Fu Fighting“
Danach verzauberten an diesem Abend die Olympiasieger: das französische Eistanzpaar Laurence Fournier Beaudry und Guillaume Cizeron, Eiskunstläufer Mikhail Schaidorow aus Kasachstan, die Paarläufer Riku Miura und Ryuichi Kihara aus Japan, und Alysa Liu.
Showprogramme sind oft bunt, anders, spektakulärer, auch mal witzig. Im Gedächtnis bleiben wird von diesem Abend deshalb auch Schaidorow, der seinen Panda-Anzug herausholte. Der Olympiasieger zeigte trotz dieses amüsant bis bizarr wirkenden Kostüms beeindruckende Sprünge und Pirouetten zu einer „Kung Fu Panda“-Playlist: „Hero“ von Hans Zimmer und John Powell, „Kung Fu Fighting“ und dem Tenacious-D-Cover von Britney Spears‘ „Baby One More Time“.
Das Motto, das die Organisatoren ausgegeben hatten, passte perfekt auf Malinin – aber auch auf viele andere der 40 Künstler auf dem Eis. Es sollte eine Hommage an die Athleten und ihre Geschichten sein, es sollte ihre Leidenschaft und Geschichten zeigen, ihren „Mut, das eigene Talent anzunehmen, niemals aufzugeben und diese Herausforderung zum Lebensziel zu machen.“ Und: „Es ist auch eine Ermutigung – für die Fans, die die Spiele verfolgen werden –, niemals aufzuhören, für ihre Träume zu kämpfen, egal welche das sein mögen“
Die meisten der Akteure des heutigen abends und der olympischen Eiskunstlauf-Wettbewerbe wird man schon schnell wiedersehen: Vom 23. bis 29. März werden in Prag die Weltmeisterschaften ausgetragen.
