Der schwedische Zahlungsdienstleister Klarna galt eigentlich einmal als Star der europäischen Finanzbranche, war zwischenzeitlich das am höchsten bewerteten Fintech Europas. Doch seit dem Börsengang im vergangenen September läuft es einfach nicht mehr. Der Aktienkurs der Firma ist seither um fast 70 Prozent gefallen und am Ende dieser Woche musste Klarna gleich mehrere Hiobsbotschaften verkünden. So lag der Nettoverlust im vierten Quartal des vergangenen Jahres bei 26 Millionen US-Dollar, der Verlust aufs ganze Jahr summierte sich sogar auf mehr als 273 Millionen US-Dollar.
Das straften die Investoren sofort ab und verkauften die Aktie am Freitag reihenweise. Der Kurs brach allein an einem Tag um mehr als 25 Prozent ein und notierte zeitweise unter der Zwölf-Euro-Marke. Zum Börsengang noch lag der Ausgabepreis bei weit über 30 Euro.
Für Klarna sind die neuen Zahlen hart. Immerhin wurde das 2005 von Sebastian Siemiatkowski, Niklas Adalberth und Victor Jacobsson gegründete Start-up zwischenzeitlich als die große europäische Hoffnung im Finanzbereich gehandelt. Das Unternehmen mit dem pinken Logo und prominenten Werbebotschaftern wie dem Rapper Snoop Dogg wurde durch den Hype um „Buy now, pay later“-Angebote bekannt. Bei diesen können Menschen ihre Online-Einkäufe entweder auf Rechnung oder mit Ratenzahlung kaufen. Sie müssen jedenfalls nicht sofort zahlen, sondern erst mit Verzug. Klarna verdient doppelt: Zum einen, weil es die Zahlungen für Händler abwickelt. Zum anderen, weil es die Zinsen aus den Ratenzahlungen der Menschen kassiert.
Verbraucherschützer kritisieren die Angebote regelmäßig. Das Argument: Sie trieben Menschen in die Verschuldung. Klarna hat solche Vorwürfe immer zurückgewiesen, zuletzt aber versucht, vom Image des Buy-now-Pay-Later-Spezialisten zu lösen und stattdessen eine Neobank zu werden, also ein rein digital arbeitendes Geldhaus. Bereits 2020 hatte Klarna ein eigenes Girokonto eingeführt, 2025 dann kam eine eigene Debitkarte dazu.

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Dem Wachstum geschadet jedenfalls haben die Warnungen der Kritiker nicht. Das zeigt sich nicht zuletzt in den nun veröffentlichen Unternehmenszahlen. So wuchs das operative Geschäft deutlich, der Umsatz stieg im vierten Quartal auf mehr als eine Milliarde US-Dollar – und damit um 38 Prozent. Das war mehr als Analysten erwartet hatten, womit die Aktie eigentlich hätte steigen und nicht fallen müssen. Unter anderem die neue Debitkarte soll ein Umsatzbringer gewesen sein. Von Klarna selbst heißt es, 4,2 Millionen Menschen würden die Karte aktuell nutzen. Insgesamt verzeichnete Klarna zuletzt 118 Millionen Userinnen und User. Das sind fast 30 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor.
Dass die Investoren die Aktie trotzdem verkauft haben, liegt mutmaßlich an den Rückstellungen, die Klarna erhöhen musste. Im letzten Quartal 2025 hat die Firma eigenen Angaben 250 Millionen US-Dollar auf die Seite gelegt, das sind 60 Prozent mehr als im gleichen Quartal ein Jahr zuvor. Das war auch der Hauptgrund dafür, dass Klarna nun einen Verlust schrieb – während im Vorjahreszeitraum noch ein Plus von 40 Millionen US-Dollar zu verzeichnen war.
Zurückgelegt hat Klarna diese Milliarden, um Kredite auffangen zu können, die Kunden womöglich bald schon nicht mehr zuurückzahlen können. Die Zahl ist gerade im Geschäftsmodell von Klarna wichtig, weil sie als wichtiger Indikator dafür dient, ob Menschen nach wie vor in der Lage sind, ihre Schulden zurückzubezahlen oder nicht. Fallen mehr Menschen bei der Rückzahlung aus, bedeutet das für Klarna womöglich weniger Gewinn – oder wie jetzt gesehen sogar Verluste. Klarna selbst betonte gegenüber Investoren allerdings, dass die Quote der Kreditausfälle eher stabil geblieben sei. Die Erhöhung der Rückstellungen sei stattdessen auf starkes Wachstum zurückzuführen.
