Es ist gut, wenn man sich auf das Wort der besten Freundin verlassen kann. Deborah Levi hatte Laura Nolte bei diesen Olympischen Winterspielen versprochen, dass sie gemeinsam „den Zweier rocken“ werden – und das haben sie am Samstag im Eiskanal von Cortina d’Ampezzo dann auch getan.
Nachdem Laura Nolte den Schlitten im vierten Lauf mit großem Vorsprung ins Ziel gebracht hatte, hüpfte sie mit ihrer Anschieberin ausgelassen auf dem Eis umher. Wie in Peking vor vier Jahren gewannen die beiden Gold im Zweierbob, aber dieses Mal konnten sie die Freude über diesen Triumph mit Freunden und der Familie teilen, die auf der anderen Seite der Bahn standen und lautstark jubelten.
Medaillen für AIN werden im Medaillenspiegel nicht aufgeführt. Aufgrund der Dopingmanipulationen, eines in manchen Ländern nicht oder nur unzureichend existierenden Kontrollsystems und der teilweise bislang nicht nachweisbaren verbotenen Substanzen übernimmt die Redaktion keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Eingefrorene Proben dürfen zehn Jahre lang nachkontrolliert werden. Mit dem endgültigen Ergebnis ist erst nach Ablauf der Verjährungsfrist 2036 zu rechnen.
Aber die beiden waren nicht die einzigen deutschen Frauen, die an diesem Abend etwas zu feiern hatten. Lisa Buckwitz gewann mit Anschieberin Neele Schuten Silber. Bundestrainer René Spies hatte nach dem ersten Tag noch auf einen Dreifach-Triumph gehofft.
Im Zielraum der „Pista Olimpica Eugenio Monti“ wurde jeder geherzt und gedrückt von den glücklichen deutschen Bobfahrerinnen. Dieser letzte Lauf, sagte Laura Nolte in der ARD, sei schwieriger gewesen als 2022. „Vor vier Jahren waren die Kurven eins und zwei nicht so tricky. Da konnte man schon den einen oder anderen Fehler einbauen, aber nicht so viele auf einmal wie hier.“
Anders als im Monobob, als Laura Nolte drei Läufe geführt hatte, dann im vierten von der 41 Jahre alten Elana Meyers Taylor abgefangen wurde, hatte sie dieses Mal die Konkurrenz nur zu Beginn hoffen lassen. Der erste Lauf, sagte sie, „war fahrerisch noch nicht das Optimum“.
Außerdem war ihr ein kleines Malheur passiert. „Ich habe den Bügel zum Reinklappen nicht schnell genug getroffen und somit war ich zu spät an den Lenkseilen, dann waren die oberen Kurven nicht so gut getroffen.“ Sie lag deshalb hinter Kaillie Armbruster Humphries auf Platz zwei.
Schon im zweiten Lauf korrigierte sie den Fehler mit Bahnrekord, übernahm die Führung – und beendete den ersten Tag mit 18 Hundertstelsekunden Vorsprung auf die nun Zweitplatzierte Lisa Buckwitz. Nach dem dritten Lauf waren es imposante 35 Hundertstelsekunden.
Kullerten bei Nolte am Montag bei der Siegerehrung noch Tränen vor Enttäuschung über die verpasste Goldmedaille, sang sie dieses Mal mit einem Lächeln die Nationalhymne mit. Schließlich nahm sie ihre Anschieberin noch einmal in die Arme. „Es ist einfach so toll, das mit einer Freundin mitzuerleben“, sagte sie. „Wir vertrauen uns zu 100 Prozent.“
Laura Nolte war als Favoritin in diesen vorletzten Bob-Wettbewerb im olympischen Eiskanal gestartet. Fünf von sieben Weltcups hatte sie in dieser Weltcup-Saison im Zweierbob gewonnen, die anderen beiden holte Kaillie Armbruster Humphries. „Die anderen sind schon ein bisschen auf Fehler von uns angewiesen“, hatte sie selbstbewusst angekündigt.
Dass aber nicht immer die Besten der Saison auch beim Saisonhöhepunkt vorne liegen, hat sie selbst bei diesen Winterspielen erfahren müssen. Im Monobob hat die 27 Jahre alte Wahl-Frankfurterin zwar den Weltcup gewonnen, aber nicht Gold bei Olympia.
Auch für Lisa Buckwitz war Silber im Zweierbob eine kleine Genugtuung. Im Monobob hatte sie die Medaille als Vierte noch knapp verpasst. Die Berlinerin ist nun die erste deutsche Bobfahrerin, die sowohl als Anschieberin eine Medaille gewann – Gold in Pyeongchang mit Mariama Jamanka an den Lenkseilen – als auch als Pilotin.
