Eine Ungeheuerlichkeit. Macht man nicht. Bei der Ausstellung einer fotografierenden Künstlerin hängt man kein eigenes Bild dazu. Trotzdem spüre ich diese Versuchung bei den herrlichen Bildern von Brigitte Kraemer. Ihre Bildausschnitte sind Szenen aus dem Ruhrgebiet. So echt, mein innerer Einheimischer spielt sofort mit. Ich höre eine Tonspur, die es gar nicht gibt. Bei der Kioskbesitzerin, der Brigitte Krämer mit der Kamera von hinten über die Schulter schaut. Die Frau könnte Ursel heißen. Der zweisilbige Name lässt sich gut im hinteren Gurgelbereich formen. Da, wo die Worte von Ruhrgebietlern ins Derbe verschliffen werden. Meine Friseurinnenmutter spricht hier aus dem Himmel mit und sagt zu Ursels zerfransten Nackenhaar auf dem Foto: „Dasse mir so abba nich auffe Straße gehst“.
