Olympia: Biathletin Franziska Preuß beendet Karriere schon am Samstag

Franziska Preuß winkt

Stand: 20.02.2026 • 18:38 Uhr

Biathletin Franziska Preuß hat in ihrer Karriere fast alles gewonnen: den Biathlon-Gesamtweltcup, zwei WM-Titel, dazu zweimal Olympia-Bronze in der Staffel. Ihr fehlt nur noch eine Einzelmedaille. Der Massenstart ist Preuß‘ letzte Chance – danach endet ihre erfolgreiche Karriere.

Noch 12,5 Kilometer Skilanglauf, noch 20 Schuss – dann ist Schluss. Aus. Vorbei. Franziska Preuß beendet ihre Karriere. Sofort nach dem letzten Olympia-Rennen, dem Massenstart am Samstag (21.02.2026). Das gab der Deutsche Skiverband (DSV) am Freitagnachmittag in einer Pressemitteilung bekannt.

Preuß will am Samstag mit einem Lachen über die Ziellinie fahren

„Eigentlich möchte ich nur noch mal das fühlen, warum ich damals mit 15 Jahren angefangen habe, Biathlon zu machen. Dass man noch einmal diese Freude spürt, diese Leichtigkeit und locker ins Rennen reinstartet“, sagte sie im exklusiven Sportschau-Interview nach dem Rücktritt. „Ich hoffe, dass es einfach nochmal ein Rennen wird, das mir Spaß macht. Es ist mein Ziel, egal, wie es ausgeht, mit einem Lachen über die Ziellinie zu fahren. Und dann ist es geschafft.“

Ihr letztes Rennen soll ihr die ersehnte und erhoffte erste olympische Einzelmedaille bringen. Danach, so steht es im sportjournalistischen Phrasen-Lexikon, hängt sie ihr Gewehr an den Nagel und stellt die Ski in die Ecke.

Preuß: „Vielleicht noch zum Finale nach Oslo …“

„Ich spüre nach so vielen Jahren im Leistungssport, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, ein neues Kapitel in meinem Leben aufzuschlagen“, wird Preuß in der Mitteilung zitiert. Im November 2013 war sie erstmals im Weltcup am Start. Weitere Weltcuprennen wird es nicht geben, das stellte sie am Freitag klar. „Vielleicht fahre ich noch zum Finale nach Oslo, um mich von allen zu verabschieden und ein bisschen gemeinsam zu feiern. Das werde ich in den nächsten Tagen entscheiden. Aber sicher nicht mehr, um mir die Ski anzuschnallen und eine Startnummer zu tragen.“

Sportdirektor Bitterling: „Sie hat alles gewonnen“

Preuß sagte zudem: „Ich muss ehrlich sagen, wenn ich heute auf meine Karriere zurückblicke, dann fühlt sich das einfach nur unglaublich an.“ Auch wenn Preuß im anspruchsvollen Olympia-Massenstart am Samstag keine Medaille holen sollte, kann sie auf eine herausragende Karriere zurückblicken. Bleiben werden der Gewinn des Gesamt-Weltcups in der vergangenen Saison, dazu der zweimalige Gewinn des Massenstart-Weltcups, einmal holte sie den Sprint-Weltcup, dazu sechs Siege in Weltcup-Einzelrennen, zwei olympische Bronzemedaillen mit Staffeln, elf WM-Medaillen, darunter zwei Weltmeistertitel.

„Bis auf die olympische Einzelmedaille hat sie alles gewonnen, was man gewinnen kann“, fasst Biathlon-Sportdirektor Felix Bitterling am Sportschau-Mikrofon zusammen.

Voigt: „Es ist immer wieder traurig“

Direkt nach der Olympia-Staffel von Mittwoch, als die deutschen Frauen durch eine Strafrunde von Preuß eine Medaille verpassten, sagte Teamkollegin Vanessa Voigt am Sportschau-Mikrofon, dass Preuß dem deutschen Team fehlen werde: „Sie hat immer wieder im Rampenlicht gestanden, hat die Medienarbeit für uns übernommen. Das wird fehlen, der eine oder andere Lacher wird auch fehlen. Es ist immer wieder traurig, wenn Menschen ihre Karriere beenden.“

Die erst 20-jährige Julia Tannheimer erklärte: „Sie wird als Mensch mega fehlen. Ich konnte sie immer wieder fragen. Sportlich müssen wir in große Fußstapfen treten.“

Preuß und die angeschlagene Gesundheit

Felix Bitterling schätzte die Karriere der besten deutschen Biathletin der vergangenen Jahre so ein: „Sie ist eine absolute Top-Athletin, extrem akribisch, extrem diszipliniert. Nicht immer gesundheitlich vom Glück verfolgt, trotzdem hat sie sich immer wieder zurückgebissen.“

Ja, Preuß und die Gesundheit – ein bedeutendes Kapitel in der Karriere der Ruhpoldingerin. Wegen hoher Infektanfälligkeit musste sie immer wieder längere Pausen einlegen oder die Saisons sogar vorzeitig abbrechen. Sonst wären zu den 297 Weltcupstarts und 40 Starts in WM-Rennen sicher noch mehr dazugekommen. Die WM 2017 in Hochfilzen verpasste Preuß sogar komplett. Im Frühjahr 2024 ließ sich Preuß an der Stirnhöhle operieren, um einen Entzündungsherd entfernen zu lassen.

2024/2025 – die beste Saison

In der Saison 2024/2025 kam sie endlich einmal infektfrei durch, konnte ihre körperliche Leistungsfähigkeit endlich voll zeigen – und lief von Erfolg zu Erfolg. Mit großen Ambitionen ging die Bayerin auch in die Olympiasaison. In Antholz, wo die Zollbeamtin im Weltcup bereits zweimal aufs Podest lief und bei der WM 2020 zwei Medaillen gewann, sollte nun zum Ende der Karriere noch die erste Olympia-Einzelmedaille her.

Olympia-Saison beginnt mit Grippe-Pause

Doch die Saison begann für Preuß mit einer Grippe und Corona. Sie verpasste mehrere Rennen. Und nach ihrem Comeback lief sie immer wieder knapp an den Podestplätzen vorbei. Ein dritter Platz beim letzten vorolympischen Weltcup machte Mut und Hoffnung für die Winterspiele. Doch ausgerechnet bei Olympia knirschte es beim Stehendschießen.

Der Traum von der ersehnten Einzelmedaille erfüllte sich für Preuß daher (bisher) nicht. Im Einzel (10. Platz/zwei Fehler), im Sprint (7. Platz/ein Fehler) und in der Verfolgung (6. Platz/zwei Fehler) patzte sie stets aussichtsreich im Rennen liegend – jeweils beim letzten Schießen.

Preuß: „30 Sekunden können alles zerstören“

Preuß kennt das Problem, nur scheint sie dafür keine Lösung zu haben. „Es wackelt dann nur noch und ich bin so angespannt und dann verliere ich den Fokus“, klagte sie unter Tränen nach der Verfolgung, in der sie sich am Schießstand wieder aller Medaillenmöglichkeiten beraubt hatte. „Dann können dreißig Sekunden alles zerstören. Das ist natürlich traurig“, sagte sie mit zitternder Stimme.

Bitterling: „Da passiert etwas im Kopf“

Da passiere „irgendwas in ihrem Kopf, was sich auf den Körper auswirkt“, vermutete Biathlon-Sportdirektor Felix Bitterling nach der Verfolgung, wollte über die Gründe aber nicht weiter spekulieren. Der DSV entschied sich anschließend, Preuß in der Staffel nicht als Schlussläuferin einzusetzen. Ihr die Last und den Druck zu nehmen, alles entscheiden zu müssen, so die Idee.

Doch der Plan ging nicht auf. Preuß patzte auch an Position zwei beim Stehendschießen – und zwar so folgenschwer, dass auch Janina Hettich-Walz und Vanessa Voigt das deutsche Team nicht mehr zur Medaille laufen konnten.

Plan für Samstag: „Mit Lächeln am Start stehen“

Am Tag nach der Staffel-Enttäuschung äußerte sich die deutsche Sportlerin des Jahres 2025, sagte, sie habe viel Zeit gebraucht, den erneuten Rückschlag zu verarbeiten. „Vor allem, weil ich den ganzen Winter schon mit solchen Situationen kämpfe. Man probiert jedes Mal wieder etwas Neues, baut sich wieder auf, und trotzdem ist es dann oft wie ein Blackout, sobald ich auf der Matte stehe“, beschreibt Preuß ihr Dilemma. „Das ist natürlich nicht schön und tut weh.“

Sie versuche nun, „den Kopf frei zu bekommen“, damit sie am Samstag „mit einem Lächeln am Start“ stehen und „die Freude am Biathlon wieder spüren“ könne. Im Massenstart hat sie die letzte Chance auf eine olympische Einzelmedaille. Und vielleicht gibt es am letzten Tag ihrer Karriere, im letzten Rennen ihrer Karriere doch noch ein Happy End.