
Ein Tuareg gab den entscheidenden Hinweis, dann fand man Knochen des Spinosaurus im Sahara-Sand: Dinoforscher Paul Sereno spricht von einem sehr emotionalen Moment.
Riesig, mit furchterregenden Zähnen und womöglich bunt leuchtendem Horn auf der Stirn: So könnte der Spinosaurus mirabilis ausgesehen haben – und er muss wahrhaft furchteinflößend gewirkt haben. Überreste der erwachsenen, wohl mehr als sieben Tonnen schweren und gut zehn Meter langen Fischjäger haben Forscher im afrikanischen Niger an einem abgelegenen Ort in der zentralen Sahara gefunden. Das lateinische Wort „mirabilis“ bedeutet erstaunlich, wundersam.
Studienleiter Paul Sereno von der University of Chicago hat eine Vermutung, wie das riesige Tier einst gelebt haben könnte: „Ich stelle mir diesen Dinosaurier als eine Art ,Höllenreiher‘ vor, der mit seinen kräftigen Beinen problemlos durch zwei Meter tiefes Wasser waten konnte, aber wahrscheinlich die meiste Zeit damit verbrachte, in flacheren Gewässern nach den vielen großen Fischen seiner Zeit zu jagen.“
Der Spinosaurus mit einem knapp einen halben Meter hohen, krummsäbelartigen Schädelkamm lebte vor 100 bis 95 Millionen Jahren zusammen mit langhalsigen Dinos wahrscheinlich entlang von Flussufern, wie das Forschungsteam jetzt im Fachmagazin „Science“ berichtet. Dem Team zufolge handelt es sich um den ersten gesicherten Nachweis einer neuen Spinosaurus-Art seit über einem Jahrhundert.
Der Fund des Riesenraubsauriers sei sehr emotional gewesen, sagte Sereno. „Ich werde den Moment im Camp für immer in Erinnerung behalten, als wir uns um einen Laptop drängten, um die neue Spezies zum ersten Mal zu sehen“, erinnert sich Sereno. Ein Mitglied seines Teams hatte 3D-Digitalmodelle der Knochenfunde erstellt, um den Schädel zusammenzusetzen – „mit Solarenergie mitten in der Sahara“.
Tipp eines Einheimischen
Auf die Idee zu der Expedition gekommen war Sereno durch eine wissenschaftliche Abhandlung aus den 1950er-Jahren, in der für dieses Areal ein einzelner riesiger Zahn beschrieben wurde. „Seit über 70 Jahren hatte niemand mehr diesen Fundort besucht“, erklärte der Dinoforscher.
Vor Ort habe dann ein Tuareg darauf hingewiesen, dass etwa eine Tagesreise entfernt Fossilien aus dem Sand ragen würden. „Es war ein großes Abenteuer, durch die Sandmeere zu wandern, um einen Ort zu suchen – und dann ein noch abgelegeneres Fossiliengebiet mit der neuen Spezies zu finden.“
Einzelne Kieferfragmente ragten tatsächlich aus dem Saharasand, später wurden an der Fundstelle weitere Knochenteile entdeckt. Ein weiteres auffälliges Merkmal neben dem Kamm sind der anschließenden Untersuchung zufolge ineinandergreifende obere und untere Zahnreihen – eine tödliche Falle für glitschige Fische.
Zuvor wurden Überreste von Spinosauriern hauptsächlich unweit der Küste am afrikanischen Rand des einstigen Tethysmeeres gefunden, wie die Forscher weiter erläutern. Dieser urzeitliche Ozean lag zwischen den damaligen Großkontinenten. Die nun entdeckten Fossilien überdauerten hingegen etwa 500 bis 1000 Kilometer von der nächsten Meeresküste entfernt die Jahrmillionen. Der Lebensraum der Tiere sei damals vermutlich ein von Flüssen durchzogener Wald gewesen, hieß es.
Afrika gilt seit Jahrzehnten als eine bedeutende Fundregion für Dinosaurier. In Tansania wurden bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Tendaguru-Hügel unter anderem riesige Langhalssaurier entdeckt. Auch in Marokko, Ägypten und Südafrika förderten Ausgrabungen zahlreiche Raub- und Pflanzenfresser zutage, darunter frühe Dinosaurier aus der Triaszeit vor 250 bis 200 Millionen Jahren sowie weitere Vertreter der Spinosaurier.
Annette Stein, dpa/dia
