ICE, Grönland, Kanada – Wie Trumps Politik auf den Spielen lastet

Rivalität auf dem Eis: USAs Matthew Tkachuk im Kampf mit Kanadas Brandon Hagel beim Four Nations Face-Off

Stand: 20.02.2026 • 00:36 Uhr

Donald Trumps disruptive Politik nötigt US-Athleten zu Statements und provoziert die Kanadier. Beim Eishockey könnte es zum Showdown kommen.

Für die Olympioniken aus den USA sind die Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo eine Gratwanderung. Sie verfolgen sportliche Ziele, werden bei den Pressekonferenzen aber auch regelmäßig nach politischen Themen gefragt. Und viele haben sich geäußert – zum konfrontativen Kurs von Präsident Donald Trump und speziell zum aggressiven Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE.

Ein Beispiel ist Mikaela Shiffrin, der US-Skistar. Sie sagte, sie wolle bei den Spielen ihre eigenen Werte vertreten: „Werte wie Inklusion, Vielfalt und Freundlichkeit, Teilen, Beharrlichkeit und Arbeitsmoral.“ Konkreter wurde Freestyler Hunter Hess: „Nur weil ich die Flagge trage, heißt das nicht, dass ich alles repräsentiere, was gerade in den USA passiert.“

Trump beleidigt Hess: „Echter Verlierer“

Diese Aussage erzürnte einige konservative Politiker aus den USA, auch Trump reagierte. Er nannte Hess in einem Post einen „echten Verlierer„. Es sei schwer, so jemanden anzufeuern.

Die US-Regierung wiederum erhielt europäisches Feedback, als JD Vance bei der Eröffnungszeremonie eingeblendet wurde. Viele im Mailänder Publikum buhten den Vizepräsidenten aus. Dänemark dagegen, wegen Grönland im Visier der USA, erhielt einen besonders lauten Applaus.

Trump könnte für Finale nach Mailand kommen

Doch diese Zwischenfälle waren nur ein Vorgeschmack auf das, was folgen könnte, wenn das US-Eishockey-Team das Männer-Finale am Sonntag erreicht. Für diesen Fall hat Trump Berichten zu Folge einen Besuch in Mailand ins Auge gefasst. Die USA bestreiten ihr Halbfinale am Freitag um 21.10 Uhr gegen die Slowakei.

Das Endspiel mit Trump-Besuch wäre erst recht politisch aufgeladen, wenn es – wie bei den Frauen – zum erwarteten Finale gegen Kanada kommt. Die Kanadier müssten dafür noch Finnland im Halbfinale bezwingen (Freitag, 16.40 Uhr).

Eishockey für Kanada mehr als Nationalsport

USA gegen Kanada im olympischen Eishockey-Finale – mehr politisch aufgeladene Rivalität ist aktuell kaum möglich, vor allem aus kanadischer Sicht. Dort ist Eishockey mehr als nur der Nationalsport, es ist für viele Teil der Identität. „Kanada könnte mit den meisten Medaillen aller Länder von den Olympischen Spielen nach Hause kommen, aber wenn die Hockey-Medaille nur Silber wäre, würde das die Kanadier wirklich enttäuschen“, sagte die kanadische Journalistin Shawna Richer.

Richer arbeitet für die New York Times und berichtete dort im Podcast „The Daily“ davon, wie die aggressive US-Politik die Kanadier bewegt. Früh nach dem erneuten Einzug ins Weiße Haus hatte Trump den nördlichen Nachbarn mit Zöllen wirtschaftlich unter Druck gesetzt. Und er sprach davon, Kanada zum 51. Bundesstaat der USA machen zu wollen. „Als er all diese Dinge gesagt hat, waren die Kanadier zunächst verletzt, aber dann wurden sie richtig wütend“, sagte Richer.

Eskalation beim Vier-Nationen-Turnier 2025

Mitten in diese aufgeheizte Stimmung fiel im Februar 2025 ein Vier-Nationen-Turnier in Montreal (Kanada) und Boston (USA), bei dem die Eishockey-Rivalen nach mehreren Jahren Pause wieder aufeinandertrafen. „Für die Kanadier und vielleicht auch einige Amerikaner fungiert der Eishockeysport fast schon als Stellvertreter für das, was die Länder politisch gerade erleben“, so Richer.

Die Spannungen waren enorm. Während der US-Hymne waren in Montreal die Buh-Rufe von den Tribünen laut. Und als die USA und Kanada dann aufeinandertrafen, eskalierte es auf dem Eis: In den ersten neun Spielsekunden gab es gleich drei Prügeleien, die erste direkt nach Spielbeginn. Kanada verlor das Gruppenspiel 1:3, bekam im Finale aber die Chance zur Revanche – und siegte 3:2 nach Verlängerung.

Kanadas damaliger Premierminister Justin Trudeau, von Trump als „Gouverneur“ verspottet, schrieb in den sozialen Netzwerken: „Ihr könnt uns nicht unser Land nehmen – und auch nicht unser Spiel.“

Brücke zwischen Windsor und Detroit als Politikum

Dieser Zusammenprall liegt nun ein Jahr zurück, aber seither haben sich die Spannungen laut Richer nur noch verschärft. „Vor wenigen Tagen drohte Präsident Trump sogar damit, die Eröffnung einer neuen Brücke zwischen Windsor und Detroit zu verhindern, die Kanada finanziert hat.“

Die Brücke ist bezeichnenderweise benannt nach einem der bedeutendsten Eishockeyspieler in Kanadas Geschichte, Gordie Howe. Er spielte 25 Jahre für die US-NHL-Franchise Detroit Red Wings.

Brisant wie das legendäre Finale von 1980

Dass es in einem möglichen Finale USA gegen Kanada erneut zu wilden Schlägereien kommen wird, ist unwahrscheinlich, denn bei Olympia würde dies streng bestraft. Doch das Duell könnte es in Sachen Brisanz aufnehmen mit dem legendären Endspiel von Lake Placid 1980, das als „Miracle on Ice“ in die Geschichte eingegangen ist. Mitten im Kalten Krieg besiegten die Amerikaner damals die hoch favorisierte UdSSR mit 4:3.

Kanada kam damals nur auf Platz sechs, ein Fiasko für den Rekord-Olympiasieger. In Mailand soll nun das zehnte Olympische Gold im Männer-Turnier folgen – idealerweise gegen die USA. Journalistin Richer betonte, dass sich viele Kanadier von den USA schikaniert fühlten. Für sie würde sich „in diesen Zeiten ein Sieg Kanadas über die Amerikaner sehr, sehr gut anfühlen“.