

Eineinhalb Jahre nach den tödlichen Schüssen am Frankfurter Hauptbahnhof müssen sich von Freitag an acht Männer vor dem Landgericht Frankfurt verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft sieben Angeklagten gemeinschaftlichen Mord vor, dem achten die Verabredung zu einem Verbrechen. Einem Angeklagten wird zudem ein Verstoß gegen das Waffengesetz zur Last gelegt.
Am Abend des 20. August 2024 soll ein heute 56 Jahre alter Mann aus Baden-Württemberg an Gleis 9 vor den Augen zahlreicher Zeugen einen Siebenundzwanzigjährigen erschossen haben. Der Anklage nach schoss er ihm aus einer Entfernung von 30 Zentimetern mit einer halbautomatischen Selbstladepistole in den Hinterkopf. Danach soll der Mann noch zwei weitere Male auf das am Boden liegende Opfer geschossen haben. Der Mann starb noch am Tatort. Eine Streife der Bundespolizei nahm den mutmaßlichen Schützen fest.
Auf Erdbeerplantage in Antalya erschossen
Sowohl der Sechsundfünfzigjährige als auch das Opfer sind Türken. Hintergrund der Tat soll eine seit Jahren andauernde Familienfehde sein, bei der mehrere Angehörige beider Familien getötet wurden. Die Tat am Frankfurter Hauptbahnhof ist laut den Strafverfolgern auf ein vorangegangenes Verbrechen in der Türkei zurückzuführen; dort soll der Neffe eines Angeklagten getötet worden sein – nach Angaben der kurdischen Gemeinde, die sich kurz nach der Tat öffentlich äußerte, im Jahr 2016 auf einer Erdbeerplantage in Antalya von dem später erschossenen Siebenundzwanzigjährigen.
Die Gruppe soll zunächst den Bruder des späteren Opfers für ihre Racheaktion ausgesucht haben. Als sie diesen nicht antrafen, kundschafteten sie das spätere Opfer aus, wie es weiter heißt. Demnach hatte der später Getötete mehrere Livestreams auf seinem Tiktok-Kanal hochgeladen. Darüber soll ihn ein weiterer Angeklagter, 29 Jahre alt, lokalisiert haben.
Außerdem stehen drei weitere Türken im Alter von 22, 26 und 29 Jahren vor Gericht. Sie sollen auf das Opfer am Mainzer Hauptbahnhof gewartet haben, da der Mann dort umgestiegen sein soll. Auch sie hatten laut der Anklage das Ziel, den Mann zu erschießen, falls sie ihn antrafen. Ein 34 Jahre alter Deutscher soll die Tat im Hintergrund koordiniert haben und mit den Männern in Mainz und Frankfurt in Kontakt gestanden haben. Außerdem soll sich ein Neunundzwanzigjähriger dazu bereit erklärt haben, das Opfer zu töten, weshalb er ebenfalls angeklagt ist.
Einige der Männer wurden im Dezember 2024 festgenommen, weitere im Mai darauf. Alle sitzen in Untersuchungshaft. Für den Prozess hat das Gericht derzeit bis Anfang Juli Termine angesetzt.
