Patrik Schick bei Bayer Leverkusen: Stürmer für wichtige Champions-League-Tore – Sport

Patrik Schick hat in dieser Saison bei Bayer Leverkusen noch nicht so oft im Mittelpunkt gestanden. Man könnte meinen, dass es nicht die beste Saison des 30 Jahre alten tschechischen Mittelstürmers ist. Es ist aber auch keinesfalls die schlechteste Saison, und wie sehr vor allem letzteres zutrifft, das hat sich am Mittwochabend bestätigt, als er die beiden Tore zum 2:0-Sieg bei Olympiakos Piräus erzielte. Typische Schick-Tore waren das: Nummer eins entstand aus einem Konter, den er präzise vollendete. Nummer zwei aus einem kraftvollen Kopfball nach Eckstoß. Keine drei Minuten lagen zwischen den beiden Treffern, und auf einmal waren sich alle einig, dass Schick ja wohl der coolste Torjäger ist, den sich der Klub überhaupt nur wünschen kann.

Dass Bayer nun gute Chancen hat, ins Achtelfinale der Champions League zu gelangen, ist offensichtlich sein Verdienst. Worin sich der Auftritt bei der 0:2-Niederlage, die es vor vier Wochen in der Vorrunde bei Olympiakos gegeben hatte, vom Auftritt jetzt beim 2:0-Erfolg unterschied? „Durch Patriks Tore natürlich“, sagte Bayer-Coach Kasper Hjulmand in Athen. Erst die 1:0-Führung verwandelte eine annehmbare in eine souveräne Vorstellung, am Ende sah die Bayer-Elf wie der Favorit aus, als der sie nach allen objektiven Kriterien zu gelten hatte. Schon auf dem Weg in die Playoffs hatte sich Schick als Spezialist für schwierige Auslandseinsätze erwiesen. Ohne seine Treffer hätte es keinen 1:0-Sieg bei Benfica Lissabon, keinen 2:0-Sieg bei Manchester City und wahrscheinlich auch keine Teilnahme an den Playoffs gegeben.

Tore sind das Geschäft des Mittelstürmers, andererseits ist das Metier nicht mehr so unbeschwert wie in den Zeiten, in denen noch das übersichtliche Prinzip „Manni-Flanke-Ich-Kopfball-Tor“ vorherrschte. Im Champions-League-Betrieb gelten höhere Ansprüche. Um das scharfe Zuspiel von Ernest Poku zu empfangen, musste sich Schick in Piräus nicht nur im richtigen Moment vom Gegner lösen, er musste den Ball auch mit links kontrolliert in seine Laufbahn legen, um ihn dann gleich gezielt aufs Ziel zu feuern. Jedes technische und rhythmische Detail stimmte bei diesem Tor. Jene Kritiker, die Schick gewohnheitsmäßig Teilnahmslosigkeit und mangelndes Mitspielen vorwerfen, hatten Anlass, schamhaft zu schwiegen.

Okay: Der auch auf dem Rasen nicht allzu extrovertierte Angreifer hinterlässt hin und wieder einen eher statischen als dynamischen Eindruck, und manchmal taucht er anonym in der Menge unter wie der perfekte Agent. Doch am Mittwochabend belegte auch das 2:0, dass er nicht bloß passiv auf Beute wartet. Sondern eigene Ideen und Regieanweisungen beiträgt: Den Ecken-Schützen Alejandro Grimaldo wies Schick per Fingerzeig an, den Ball kurz an den ersten Pfosten zu spielen – anstatt, wie vom Trainer angeordnet, lang an den zweiten Pfosten.

Sollte Leverkusen ebenso wie der BVB ins Achtelfinale gelangen, wird es einer der beiden Klubs mit dem FC Bayern zu tun bekommen.

Als Bayer zu Jahresbeginn drei Spiele hintereinander verloren hatte, stand auch Patrik Schick in der Kritik. Selbstverständlich, er war auffallend torlos geblieben. Doch Kasper Hjulmand ging auf den ausgebliebenen Ertrag gar nicht erst ein, sondern hob hervor, dass Schick auch ohne Tore viel Einfluss aufs große Ganze nehme: „Er ist wichtig für unser Spiel und immer gefährlich.“

Tatsächlich hat sich im Leverkusener Team, dessen Orchestrierung zunehmend besser funktioniert, auch Schick strategisch und spielerisch entwickelt. Sein sechstes Jahr im Klub könnte das Jahr sein, in dem er die Lücken im Repertoire schließt: Er ist immer noch zuallererst Torjäger, woran sich in diesem Leben auch nichts mehr ändern wird. Doch als Fußballer hat er das Spektrum erweitert. Auch das war in Piräus zu sehen, als er Ibrahim Maza und Ernest Poku Vorlagen lieferte, statt mit Gewalt den eigenen Erfolg erzwingen zu wollen. „Schicki“, wie Hjulmand ihn nennt, bringe jetzt seine Erfahrung zugunsten der Mannschaft ein, „das spürt man. Er ist immer wichtig.“

Noch ist erst Halbzeit im Playoff zwischen Bayer und Olympiakos, das Wiedersehen folgt am Dienstag. Für den nach Lage der sportlichen Dinge nicht unrealistischen Erfolgsfall zeichnet sich aber bereits eine recht abstruse Folgerung ab. Sollten die Leverkusener ebenso wie Borussia Dortmund ins Achtelfinale gelangen, wird es einer der beiden Klubs dort mit dem FC Bayern zu tun bekommen. Bayer würde dann binnen acht Tagen dreimal auf die Bayern treffen, zwischen Hin- und Rückspiel wäre noch die Bundesligapartie in der Bayarena zu bestreiten. Dem BVB wäre nicht viel mehr Abwechslung vergönnt: Er empfängt die Bayern am 28. Februar zum Punktspiel.

Eine Champions-League-Begegnung zwischen Bayer und Bayern wäre außerdem die Wiederauflage des Achtelfinales im Vorjahr. Im Hinspiel hatten die Bayern damals 3:0 gewonnen – und Xabi Alonso musste sich kritisch befragen lassen, warum er Patrik Schick nicht aufgestellt hatte. Ein Thema, das sich diesmal garantiert nicht stellen würde.