Im Drama „Moscas“ von Fernando Eimbcke trifft eine grantige Vermieterin auf einen trauernden Jungen. Dabei finden sie tröstende Gemeinsamkeiten.
Auf der diesjährigen Berlinale präsentieren sich auffallend viele Produktionen zurückgenommen in Schwarz-Weiß, so auch der Spielfilm „Moscas“ (Flies) des mexikanischen Regisseurs Fernando Eimbcke im Wettbewerb.
Grau wirkt auch der Alltag der Protagonistin in „Moscas“, einer alleinstehenden Frau, die in einem Wohnkomplex gegenüber des großen Krankenhauses lebt. Die Geräusche der Nachbarn stören Olga (Teresita Sánchez) genauso wie die Fliegen an der Wand. Die Kamera nimmt sich viel Zeit, um die Tristesse in den Eingangsszenen festzuhalten.
Dann zwingen unvorhergesehene Ausgaben die Einzelgängerin, ein Zimmer unterzuvermieten. Die Veränderung bringt Olgas Abläufe empfindlich durcheinander und es kommt Bewegung in den Film. Denn schon bald zieht ein Vater mit seinem Sohn bei ihr ein. Willkommen sind die Untermieter nicht.
„Moscas“, Mexiko 2026, Regie: Fernando Eimbcke
19. Februar, 18.30 Uhr, Uber Eats Music Hall, Berlin
20. Februar, 17.30 Uhr, HdBF, Berlin
22. Februar, 21.30 Uhr, HKW, Berlin
Im Hospital gegenüber kämpft die Mutter des Neunjährigen ums Überleben. Kindern aber ist der Zutritt dort untersagt, und mit bemühter Unbeschwertheit versucht der Vater, von der dramatischen Situation abzulenken. Begeistert und mit großer Könnerschaft spielt Cristián täglich am Münzautomaten im Laden um die Ecke „Cosmic Defender Pro“. Und dieses Videospiel in der Ästhetik früher Computerspiele der 1990er Jahre wird in „Moscas“ zum zentralen, dramaturgischen Objekt einer Filmerzählung über Ohnmacht, Tod, Trauer und Verlust.
Lokaler Kontext im Hintergrund angedeutet
Ebenfalls aus der Perspektive eines Kindes, mit dem nahenden Tod des Vaters konfrontiert, überzeugte „Tótem“ der mexikanischen Regisseurin Lila Avilés 2023 im Wettbewerb der Berlinale. Bereits in diesem Spielfilm war die Schauspielerin Teresita Sánchez in der Nebenrolle der pflegenden Krankenschwester zu sehen.
Im Vergleich wird besonders deutlich, wie sehr man jene Unvorhersehbarkeit und Vielschichtigkeit in Fernando Eimbckes durchkomponiertem Beitrag vermisst. Zu kontrolliert und wenig risikofreudig entwickelt der Regisseur die Figuren und die Handlung des Films – trotz des im Hintergrund aufschlussreich angedeuteten lokalen Kontexts.
Als die teuren Medikamente für die Krebsbehandlung ihre Ersparnisse verschlingen, muss der Vater für einen mehrtägigen Job den Jungen alleine in der Wohnung zurücklassen. Selbstständig meistert der Neunjährige die Abwesenheit, versucht sogar mit Tricks die Kontrollen im Krankenhaus zu überlisten und vor allem der unsympathischen Olga aus dem Weg zu gehen. Bis beide feststellen müssen, dass sie sehr viel mehr verbindet.
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