
Deutschlands Biathleten haben in der Staffel erstmals in der Geschichte keine Medaille bei Olympischen Spielen gewonnen. Sowohl das Team der Frauen als auch das der Männer wurden nur Vierte. Seit der Aufnahme der Frauenwettbewerbe ins
olympische Biathlonprogramm 1992 hatte es in den Staffeln von Männern
oder Frauen immer mindestens eine Medaille gegeben.
Bei den Frauen ging Gold in der Staffel am Mittwoch an Frankreich. Silber gewann Schweden, Bronze holte Norwegen. Die Deutsche Franziska Preuß verließ nach dem Rennen direkt das Stadion. „Der Kopf hängt gerade tief. Das muss man ihr auch zugestehen, das ist menschlich“, sagte Sportdirektor Felix Bitterling. Es sei „eine mentale Geschichte. Irgendwas scheint derzeit in den Klamotten oder zwischen den Ohren drin zu hängen.“
Die laufstarke deutsche Startläuferin Julia Tannheimer hatte sich mit
einer schnellen ersten Runde und einer fehlerfreien ersten Serie
zunächst an die Spitze des Feldes gesetzt. Nach zwei Nachladern im Stehendschießen übergab
sie als Zweite mit fünf Sekunden Rückstand auf Schweden an Preuß, die nach dem Liegendschießen noch in Führung lag. Im Stehendanschlag traf sie
jedoch trotz dreier Nachladepatronen nicht alle fünf Schreiben und
musste in die Strafrunde. Den daraus resultierenden Rückstand auf die
Medaillenränge konnten Janina Hettich-Walz und Schlussläuferin Vanessa Voigt nicht mehr aufholen. Nach
insgesamt acht Nachladern und einer Strafrunde fehlten den Deutschen am Ende 21
Sekunden zu Bronze.
„Jetzt gerade tut es weh für alle. Wieder Vierter, das ist der Platz, den du nicht haben willst“, sagte Bitterling: „Der Sport schreibt viele Geschichten von Triumphen. Das ist jetzt halt ein Tag, der auch mal ein bisschen bitter ist. Das macht die Franzi nicht weniger zu einem Champion.“ Schlussläuferin Voigt sagte: „Die Enttäuschung überwiegt schon, es schmerzt sehr“. 2022 hatte das Quartett mit Voigt, Vanessa Hinz, Preuß und Denise Herrmann-Wick in Peking Bronze gewonnen.
„So wie ich sie kenne, wird sie sich schütteln“
Für Preuß ist der Massenstart die finale Chance des Turniers zur Erfüllung ihres Traums von einer olympischen Einzelmedaille. „So wie ich sie kenne, wird sie sich schütteln und noch mal alles zusammenkratzen, um eine Reaktion zu zeigen“, sagte Bitterling. Ob die 12,5 Kilometer sogar ihr letztes Karriererennen sein werden oder sie bis Saisonende weitermacht, ist noch offen.
Bei den Männern hatte ebenfalls Frankreich Gold gewonnen, Silber ging an Norwegen, Bronze an Schweden. Dem deutschen Team aus Justus Strelow, David Zobel,
Philipp Nawrath
und Philipp Horn fehlten nach insgesamt zwölf Nachladern 50,8 Sekunden
zur Bronzemedaille – auch sie wurden Vierte.
