Pierre Huyghes Kunstwerk „Liminals“: Mund aufreißen, Klappe halten – Kultur

Ist Pierre Huyghes „Liminal“ wirklich so ein monumentaler Techno-Kitsch, wie in Berlin gerade viele sagen? Nicht mal das. Also: Kitsch schon. Man betritt die große Halle am Berghain in prätentiöser Finsternis, und dann läuft da fast eine Stunde lang ein schwächlich beleuchteter Film. Die nackte Frau ohne Gesicht ist wieder da. Sie ist aus Pierre Huyghes Arbeiten mittlerweile vertraut, sein Äquivalent zu Munchs in immer neuen Varianten gemaltem „Schrei“ und zum Ghostface aus der Horrorfilmreihe „Scream“, nur radikaler: Das Gesicht ist komplett ausgehöhlt, nichts als ein Loch. Es erinnert ein bisschen an die Löffel, mit denen Eisverkäufer ihre Kugeln formen. Gleichzeitig starrt einen das Loch so traurig an, als wolle es sagen, dass man gefälligst an weniger Triviales denken möge, sondern an Sublimes und Archetypisches, und annehmen, die ganze Figur sei, bitte gruseln, hohl.