Der Goretzka-Erbe: Was Bayern-Youngster Aséko so stark macht – und warum seine Verpflichtung für Ärger sorgte

So schnell kann’s gehen: Nachdem er in drei der vergangenen vier Spiele überhaupt nicht zum Einsatz gekommen war, durfte Leon Goretzka im Auswärtsspiel beim SV Werder Bremen mal wieder von Beginn an ran – und steuerte zum 3:0-Sieg sogar einen Treffer bei.

Für den 31-Jährigen war es die erste Startelf-Nominierung seit offiziell bekannt wurde, dass er den FC Bayern nach Ablauf seines Vertrags im Sommer verlassen wird. Goretzka befindet sich auf der Zielgeraden seiner acht Jahre beim Rekordmeister. Wer seinen Platz im Kader einnehmen wird, ist noch unklar. Intern befasst man sich bereits mit der Suche nach einem Nachfolger, auch wenn dank der frühen Entscheidung über den Goretzka-Abgang kein Zeitdruck besteht.

FC Bayern will Goretzka-Lücke mit einem Talent füllen

Was sich schon jetzt abzeichnet: Den ganz großen Transfer wird es für das zentrale Mittelfeld nicht geben. Den braucht es auch nicht, schließlich sind die Münchner mit Joshua Kimmich, Aleksandar Pavlovic und Tom Bischof qualitativ gut besetzt. Stattdessen werden die Verantwortlichen aller Voraussicht nach auf einen jungen, entwicklungsfähigen Spieler setzen, um die Goretzka-Lücke zu füllen. Mit einiger Wahrscheinlichkeit sogar auf einen aus den eigenen Reihen.

„Es ist eine gewisse Zeit hin, aber wir haben da sehr, sehr interessante eigene Spieler bei uns oder auch verliehen“, sagte Sportdirektor Christoph Freund zuletzt bei Sky über die Suche nach einem Nachfolger für den scheidenden Routinier: „Die finale Kaderplanung wird im Mai und Juni passieren, aber es ist schön, dass wir da einige Kandidaten in den eigenen Reihen haben.“

AZ-Info: Aséko soll Goretzka-Nachfolger werden – Freund schwärmt von ihm

Ein ganz heißer Kandidat ist Noel Aséko, der seit vergangenem Sommer an Zweitligist Hannover 96 ausgeliehen ist. Wie die AZ bereits in der vergangenen Woche berichtete, soll der 20-Jährige an die Säbener Straße zurückkehren und dort seine Chance bei den Profis erhalten. Sportdirektor Freund bestätigte zuletzt öffentlich, dass man den deutschen U21-Nationalspieler fest im Blick habe.

„Noel macht es richtig gut. Er hat sich richtig gut in die Mannschaft reingespielt, steigert sich von Spiel zu Spiel und ist auch immer wieder an Toren beteiligt“, so der Österreicher, der vielsagend hinterherschob: „Er bringt Aggressivität und eine Note mit, die für uns sehr interessant ist. Wir werden ihn weiterhin intensiv verfolgen und sind mit ihm in Kontakt. Er ist ein sehr interessanter Spieler für uns.“

Sportdirektor des FC Bayern: Christoph Freund
Sportdirektor des FC Bayern: Christoph Freund
© Tom Weller/dpa
Sportdirektor des FC Bayern: Christoph Freund

von Tom Weller/dpa

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Tatsächlich hat sich die Leihe nach Niedersachsen für Aséko bislang voll ausgezahlt. Unter Trainer Christian Titz zählt der 20-jährige Sechser, der mit seiner laufstarken, aggressiven und für einen defensiven Mittelfeldspieler bemerkenswert offensiven Spielweise an den französischen Weltmeister N’Golo Kanté erinnert, zum Stammpersonal und ist aus der Startelf längst nicht mehr wegzudenken. In der laufenden Saison kommt er in 22 Partien auf drei Treffer und fünf Vorlagen – eine starke Bilanz.

Asékos Wechsel zu Bayern sorgte für Ärger bei einem Teamkollegen

Aséko wechselte im Sommer 2022 aus der Jugend von Hertha BSC an den FC Bayern Campus, was in Berlin einigen Unmut zur Folge hatte. Schon als erste Berichte über den sich anbahnenden Wechsel publik wurden, meldete sich sein Teamkollege Lukas Michelbrink auf X zu Wort und machte seinem Unmut über das Gebaren der Bayern Luft.

„Bayern (ist) einfach übel nervig“, schrieb Michelbrink und berichtete, dass der Rekordmeister zuvor auch schon „“mich und (ein) paar andere von uns abzuwerben wollte. Haben alle zwei Wochen meine Mutter angerufen und gesagt, wir sollen uns das ‚Projekt‘ doch wenigstens mal anschauen.“

Lukas Michelbrink (mittlerweile bei Energie Cottbus) spielte mit Noel Aséko in der Jugend von Hertha BSC.
Lukas Michelbrink (mittlerweile bei Energie Cottbus) spielte mit Noel Aséko in der Jugend von Hertha BSC.
© IMAGO/Steffen Beyer
Lukas Michelbrink (mittlerweile bei Energie Cottbus) spielte mit Noel Aséko in der Jugend von Hertha BSC.

von IMAGO/Steffen Beyer

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Michelbrink weiter: „Die Kinder sind halt geblendet, können gar nicht einschätzen, wie schlecht ihre Chancen stehen, bei den Bayern Profi zu werden. Bayern nutzt das halt aus und einer von 50 wird dann ein Star, der Rest kickt Regionalliga.“ Nun, bei Aséko hat es bereits jetzt für die 2. Bundesliga gereicht – und eine Zukunft bei den Bayern-Profis ist auch noch nicht vom Tisch.

Bayern würde bei einer Aséko-Rückkehr viel Geld sparen

Für den Rekordmeister würde eine Rückkehr von Aséko auch aus finanzieller Sicht absolut Sinn ergeben. Zwar verfügt Hannover über eine Kaufoption in Höhe von einer Million Euro, die die Niedersachsen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch ziehen werden. Allerdings haben sich die Münchner wiederum ein Rückkaufrecht für 2,4 Millionen Euro gesichert. Bei einer Rückholaktion würde sich das Minus also auf überschaubare 1,4 Millionen Euro belaufen. Zudem würde der U21-Nationalspieler nur einen Bruchteil des Gehalts von Goretzka verdienen, der beim Rekordmeister zu den Besserverdienern zählt.

Ein Fragezeichen bliebe da allerdings – und zwar mit Blick auf die Altersstruktur im zentralen Mittelfeld. Zwar hätten die Bayern mit dem 31-jährigen Kimmich dann noch einen erfahrenen Routinier fürs zentrale Mittelfeld, daneben mit Pavlovic (21), Bischof und Aséko (beide 20) drei relativ junge Spieler. Konrad Laimer (28), der die Position ebenfalls spielen kann, ist fest für die Rechtsverteidigerposition eingeplant. Ob das für die ambitionierten Ziele des Rekordmeisters reicht?