
Die Reederei Hapag-Lloyd will mit einer Milliardenübernahme in Israel ihren Rang als weltweit fünftgrößte Containerreederei festigen. Für die Übernahme der in Haifa ansässigen Reederei ZIM bezahlt Hapag Lloyd mehr als vier Milliarden US-Dollar, wie der Konzern mitteilte. Der Vertrag mit der ZIM Integrated Shipping Services Limited wurde in Tel Aviv unterzeichnet, wie Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen anschließend sagte.
An der Börse kam die Transaktion nicht gut an: Die Aktien von Hapag-Lloyd büßten vor dem Hintergrund der Übernahme 8,3 Prozent ein und schlossen mit gut 110 Euro auf dem niedrigsten Stand seit rund drei Monaten. Eine Analystin der US-Bank JPMorgan wertete die Übernahme als Beleg, dass Größe und Marktanteile in der Branche schwerer wögen als das Schaffen von Wert.
Mitarbeiter von ZIM streiken wegen der Übernahme
Für den Deal sind noch mehrere Genehmigungen nötig, darunter jene des Staates Israel, wie es weiter hieß. Hapag-Lloyd-Chef Habben Jansen sagte, er hoffe, dass die Transaktion bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sei.
ZIM ist die zehntgrößte Containerreederei weltweit. Bei Beschäftigten des israelischen Unternehmens kam die Übernahme nicht gut an: Sie traten in den Streik. Auch bei der Stadtverwaltung regte sich Widerstand. Haifas Bürgermeister Jona Jahaw teilte mit, er sei gegen den Verkauf. Er verwies auf die „strategische Bedeutung“ von ZIM für die israelische Wirtschaft und Sicherheit und forderte die Regierung auf, die Transaktion zu stoppen.
Habben Jansen teilte mit, man habe zum Bürgermeister Kontakt aufgenommen und verstehe die Bedenken der Belegschaft. Es werde viel erklärt, was genau der Plan sei. Er hoffe, dass dies zu einem besseren Verständnis beitrage.
Hapag Lloyd fährt seit Kurzem wieder durch den Suezkanal
Bei dem Geschäft sind auch politische Auswirkungen zu berücksichtigen. So hatte Hapag-Lloyd erst vor etwa zwei Wochen Fahrten durch das Rote Meer und den Suezkanal wieder aufgenommen. Die Reederei und die meisten Konkurrenten hatten diese Route etwa zwei Jahre lang wegen der Angriffe jemenitischer Huthi-Rebellen gemieden. Diese hatten als Reaktion auf den Gaza-Krieg vor allem Frachter mit Israel-Bezug ins Visier genommen. Habben Jansen sagte dazu, an der Eigentümerschaft des Hamburger Unternehmens ändere sich nichts, da Hapag-Lloyd ZIM kaufe.
Hapag-Lloyd teilte mit, nach dem Zukauf verfüge der Konzern über eine Flotte von über 400 Schiffen, eine Kapazität von mehr als drei Millionen Standardcontainern (TEU) und ein jährliches Transportvolumen von mehr als 18 Millionen TEU. Damit rückt Hapag an die viertgrößte Reederei Cosco aus China heran, bleibt aber nach Angaben von Hapag hinter ihr zurück. Weltgrößte Reederei ist MSC mit Sitz in der Schweiz, Nummer zwei ist der dänische Hapag-Lloyd Partner Maersk. Beide sollen Medienberichten zufolge auch Interesse an ZIM angemeldet haben.
Gewinn ging vergangenes Jahr zurück
Hapag-Lloyd hatte im Geschäftsjahr 2025 auch wegen gesunkener Preise einen Gewinnrückgang verzeichnet. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern lag demnach vorläufig bei einer Milliarde Euro. 2024 und 2023 hatte der Wert noch bei 2,6 Milliarden Euro gelegen. Allerdings verfügt Hapag-Lloyd wegen enormer Gewinne aus der Zeit der Corona-Pandemie über ein hohes Eigenkapital. Im Jahr 2022 verdiente Hapag-Lloyd vor Zinsen und Steuern eine Rekordsumme von mehr als 17 Milliarden Euro.
Großaktionäre von Hapag-Lloyd sind mit je 30 Prozent die chilenische Reederei CSAV und der aus Hamburg stammende Milliardär Klaus-Michael Kühne. Auch Katar (12,3 Prozent) sowie Saudi-Arabien (10,2 Prozent) halten Anteile, ebenso wie Stadt Hamburg (knapp 14 Prozent).
